7 Hollandse pop juweeltjes

Die Nits sind gern gesehene und gehörte Gäste in der Schweiz – und nicht die einzigen Holländer, die auch auf dem internationalen Parkett einige grachtvolle Pop-Juwelen hinterlassen haben. Wir präsentieren 7 popmusikalische Höhenflüge aus den Niederlanden. Tulpen aus Amsterdam – wer hat noch nie eine geraucht gerochen? Und wer kennt sie nicht, die Windmühlen, den […]

Die Nits sind gern gesehene und gehörte Gäste in der Schweiz – und nicht die einzigen Holländer, die auch auf dem internationalen Parkett einige grachtvolle Pop-Juwelen hinterlassen haben. Wir präsentieren 7 popmusikalische Höhenflüge aus den Niederlanden.

Tulpen aus Amsterdam – wer hat noch nie eine geraucht gerochen? Und wer kennt sie nicht, die Windmühlen, den Edamer und die Klompen (Zoggeli)? Was aber musikalische Exportschlager aus den Niederlanden angeht, so geraten wir ins Stocken. Holländische Hits? Gar nicht so einfach, solche zu benennen, wird doch dort wie hier die meiste Musik für den Binnenmarkt produziert (wie sich das anhört, lässt sich hier nachprüfen).

Zum Glück aber gibts die Nits! Diese Band hat an Auffahrt Vorfahrt: Die Band um Sänger Henk Hofstede gastierte an Auffahrt in Basel – wieder einmal, darf man sagen, sind sie doch seit Jahrzehnten gern gesehene Gäste in der Schweiz. Mit ihrem klugen, englischsprachigen Pop haben die Nits auch ausserhalb ihrer Heimat eine beachtliche Fanbasis aufgebaut. Aber welche internationalen pop juweeltjes hat Holland sonst noch zu bieten? Gute Frage. Hier sind 7 Pop-Klassiker made in Holland.

1. Nits: «In The Dutch Mountains», 1987

Was klugen Pop in den 80er-Jahren betraf, so hatte England XTC und Talk Talk, die Schweiz Dominique Alioth und dessen Wondertoys. Und Holland hatte die Nits. Eine Band, die 1974 von Studenten wie Henk Hofstede und Rob Kloet gegründet worden war und die in Basel, so schwärmen Fans der ersten Stunde, erstmals im «Fairytale» aufspielten (bei der Heuwaage, wo heute Halligalli herrscht). Später kehrten die Nits für legendäre Konzerte ins Atlantis zurück – und wurden für Alben mit hübschen Titeln wie «Adieu, Sweet Bahnhof» oder «In The Dutch Mountains» auch hierzulande gefeiert. Zum Auftakt unserer Liste: Der gleichnamige Titelsong, der sich auch nach 25 Jahren noch alles andere als flach anhört.

2. Shocking Blue: «Venus», 1969

Na sowas, das haut auch mich selber aus den Shocken! «Venus» ist ein hollandse Hit! Shocking Blue wurden 1967 in Den Haag gegründet, zu einer Zeit also, als die Flower Power-Bewegung ihren Höhepunkt erreichte. Rob van Leeuwen, Klaasje van der Wal, Cor van Beek und Sängerin Mariska Veres verzeichneten zu Hause drei Hits, ehe sie mit dem vierten rund um den Globus die Charts-Grenzen sprengten. Als erste holländische Gruppe überhaupt landeten sie auf Platz 1 in den Billboardcharts der USA. 

«Venus» erlebte 1986 noch einmal ein grosses Revival, als die britische Retorten-Girlgroup Bananarama den Song coverte. Allerdings hat deren Version mangels Charme die Zeit weniger gut überlebt – nicht wahr? Darum, hier das gemächlichere Original von «Shocking Blue».

3. Focus: «Hocus Pocus», 1971

Radiohörern dürfte dieser Jodel bekannt vorkommen, verwendete Radio DRS1 diesen doch lange Zeit als Jingle – in welcher Sendung das war, daran mag ich mich aber leider nicht mehr erinnern (vielleicht aber Sie?) Henusodenn, Tatsache ist, dass Focus mit diesem zauberhaften «Hocus Pocus» ein furioses, kurioses Progrock-Stück ablieferten, das weltweit Beachtung fand. Nicht nur durch den prominenten Einbezug der Flöte wurden sie in die Nähe von Genesis oder Jethro Tull gerückt, sondern auch aufgrund ihres Faibles für komplexe Arrangements und virtuose Instrumentalpassagen. Zur selben Zeit feierte auch die Gruppe Van Der Graaf Generator grosse Erfolge. Deren Name aber täuschte: Die Band um Peter Hammill kam nicht etwa aus Holland, sondern aus Manchester, UK.

4. Golden Earring: «Radar Love», 1970

Diese Nummer darf auf keiner gut dotierten 70er-Rock-Compilation fehlen: «Radar Love» von Golden Earring. Die Band aus Den Haag erinnerte mit ihrem Blues basierten Powerrock und dem Gesang von Frans Krassenburg an die britischen Free und Bad Company (mit Sänger Paul Rodgers). Und feierten in den 70er-Jahren vergleichbar grosse Erfolge. So füllten Golden Earring in ihren besten Zeiten grosse Hallen in den USA – und gaben auf ihren Tourneen jungen Nachwuchsbands die Gelegenheit, auch mal vor grossem Publikum aufzutreten. Wie ihre Vorgruppen in den 70er-Jahren hiessen? Eine nannte sich KISS, eine andere Aerosmith.

5. MC Miker G & Deejay Sven: «Holiday Rap», 1986

Man könnte sagen, dass die beiden Holländer Lucien Witteveen und Sven van Veen den «Mashup»-Trend vorweggenommen haben: 1986 lernten sich die beiden 19-Jährigen in einer Disco kennen, tanzten zu Madonnas früher Hit «Holiday» und gründeten spontan ihr eigenes Popunternehmen.

Unter den Pseudonymen MC Miker G und Deejay Sven (klingt fürchterlich nach Villa Wahnsinn) bastelten sie über den Instrumentalspuren von «Holiday» einen Rap. Ihr Refrain «We’re all going on a summer holiday» gemahnte an den Heuler von Cliff Richard. Zwei Ohrwürmer in einem Lied, fertig war der neue Hit. Dieser schlug auch bei uns ein – und begründete ein Stück weit Hollands Ruf als Land des trashigen Europop.

6. Loona: «Bailando», 1998

Ein gelungener Etikettenschwindel: Sie nennt sich Loona und versprüht Lebensfreude en Español. Heisst aber eigentlich Marie-José van der Kolk und wurde 1974 an der Nordsee geboren. Loona feierte vor der Jahrtausendwende mit Hilfe von DJ Sammy (nicht zu verwechseln mit dem zuvor erwähnten Deejay Sven) einige Schlagerhits, die man unter dem Etikett Eurodance archivieren konnte. Dabei griff sie meist auf bestehende Songs zurück und verlieh diesen neuen, oberflächlichen Glanz. Loona coverte etwa die Ballade «Hijo de la Luna» (wenn auch weniger sinnlich als  Mecano im Original aus den 80er-Jahren). Ihr grösster Erfolg war aber «Bailando», mit dem vermutlich heute noch der Ballermann beschallt wird. «Bailando»? Ist das sein Ernst? Jawoll! Da müssen wir jetzt durch. (Könnte mir mal jemand den Sangrìa-Kübel rüberreichen?)

7. Nits: «J.O.S. Days», 1987

Nach «Bailando» sollten wir unseren Ohren Gutes tun. Und diese Liste mit einem Stück Musik beenden. Popmusik, die zeitlos schön ist. «J.O.S. Days» von den Nits wurde vor 25 Jahren gerne und oft im Schweizer Radio gespielt. Ein weiterer Klassiker von Henk Hofstede und Co.

Konversation

  1. Wenn schon Mouth & MacNeal und Pussycat genannt werden, sollten auch The Cats (One Way Wind, Let’s Dance) und die George Baker Selection (letztere ebenfalls nicht jedenmusikfans Sache) nicht vergessen werden. Dann gab es in den 70s/80s auch noch Champagne, BZN und die weiteren Girl Groups Luv‘, Maywood usw. Holland hat(te) eine sehr reiche Popkultur, auch wenn nicht alle Bands das Anspruchsniveau der Nits erreich(t)en. Wir warten nun auf Teil 2 der „pop juweeltjes“-Liste…

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  2. Es erstaunt mich, dass Du von „How do yo do?“ noch nie gehört hast. Ist evtl. schon vorgekommen früher in „zurückgekrebst“ aus dem goldenen Musikjahr 1972. Sorry, aber Vader Abraham wird es egal sein, wenn man ihn als trashig bezeichnet. „Das Lied der Schlümpfe“ gehört zu den 10 meistverkauften Singles der letzen 35 Jahre. RESPEKT! Und jedes Mal wenn die Schlümpfe am TV erscheinen, klingelt seine Kasse. Von solchen Tantiemen können die heutigen Stars nur träumen. Von Venezuela bis Japan kennt das jedes Kind. Es gibt gewiss schlechtere Kinderlieder (Schnappi).
    Richtig trashig war der NL-Eurodance-Pop der 90ies. Twenty 4 Seven und die Vengaboys (unter 2 Promille grenzt das heute an eine Nahtoderfahrung).
    Der „Middle of the Road“-typische Pop war in den 70ies ein NL-Exportschlager. Neben Mouth & McNeal ist aus dieser Sparte die Girl-Group Pussycat hervorzuheben mit den beiden Nr. 1-Hits Mississippi und Georgie. Die kamen früher 100% in „zurückgekrebst“ aus 1976. Wer ist heute noch 32 Wochen lang Nr. 1 in über 30 Ländern von NO über BRA bis NZL und mit dem gleichen Song in einer DE und EN-Version in den Charts? In Israel 129 Wochen in den Hitlisten. Das war noch eine ganz andere Liga.

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  3. … für die Ergänzungen! Vader Abraham war ein Überflieger, aber ich wollte unsere holländischen Freunde nicht brüskieren und nur Trash auflisten.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Mouth & McNeal nicht kannte (und auch noch nie gehört habe). Danke für die Erschliessung dieser Bildungslücke!

    PS 1: Van Halen habe ich bewusst weggelassen. Ist für mich eine amerikanische Band, so wie AC/DC australisch sind (trotz ihrer schottischen Wurzeln).
    PS 2, an Heiner Schäublin: «In The Dutch Mountains» ist in der Liste, siehe erster Song!

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  4. Ich lach mich momentan kaputt an MC Miker / Deejay Sven. Die Loona wird auch nie älter. Was ist deren Geheimnis? Sensationell ist „Venus“! Um Welten besser als das Bananarama-Zeugs. Trotz allem gehen die kommerziell erfolgreichsten Titel unter. Man denke nur an van Halen, Rudy Carell oder Vader Abraham („Das Lied der Schlümpfe“ gehört zu den 10 meistverkauften Songs der letzten 10 Jahre mit holländischer, deutscher, spanischer, italienischer, japanischer und schwedischer Version. Allein in DE 29 Wochen Platz 1 mit 1.5 Mio. verkaufter Platten), Jantje Smit, Heintje und mein Favorit Mouth & MacNeal mit dem Superhit „Ho do you do?“. War sogar Nr. 1 in der Schweiz. Damals konnten die Stars noch live singen. Hammerstimme! Hier bei einem unvergesslichen Auftritt in „Disco“ bei Ilja Richter. http://www.youtube.com/watch?v=8rM09YRnK60
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mouth_%26_MacNeal

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