7600 neue Rekruten sind gerade noch genug

Gehen der Schweizer Armee die Rekruten aus? Der künftigen Armeechefs Philippe Rebord befürchtet das schon lange. Die Zahl der nun eingerückten Rekruten werden ihn nicht beruhigen.

Ausbildung in Grün: Rund 7600 Wehrdienst Leistende sind am Montag in die Winter-Rekrutenschule eingerückt. (Archivbild) (Bild: sda)

Gehen der Schweizer Armee die Rekruten aus? Der künftigen Armeechefs Philippe Rebord befürchtet das schon lange. Die Zahl der nun eingerückten Rekruten werden ihn nicht beruhigen.

Anlässlich seiner Wahl im September hat der künftige Armeechef Philippe Rebord vor einem Rekrutierungsproblem gewarnt. Die Zahl von 7600 Rekruten, die am Montag zur Winter-RS eingerückt sind, dürfte seine Befürchtungen bestätigen.

Die Armee braucht rund 20’000 Rekruten pro Jahr, um die Bestände zu füllen. Zusammen mit den Rekrutenschulen im Frühling und im Sommer sind dieses Jahr zwar 21’800 Wehrpflichtige eingerückt. Erfahrungsgemäss brechen aber jeweils rund 20 Prozent von ihnen die RS ab, aus medizinischen oder anderen Gründen, wie Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage sagte.

WEA entschärft Problem nicht

Damit könnten noch rund 18’000 Armeeangehörige den Verbänden zugeteilt werden. «Es zeichnet sich ab, dass es knapp wird», sagte Reist. Mit der Armeereform WEA wird der Sollbestand zwar halbiert, der Effektivbestand verändert sich aber viel weniger stark. Daher wird die WEA das drohende Rekrutierungsproblem gemäss dem Armeesprecher nicht nachhaltig entschärfen.

An dem Befund ändern auch die 65 Frauen nichts, die am Montag freiwillig in die RS eingerückt sind. Auf der anderen Seite ist das Aufgebot für 32 angehende Rekruten gestoppt worden, wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mitteilte.

Über die Gründe machte Reist keine detaillierten Angaben. In der Regel gehe es aber um Leute, die nach der Aushebung straffällig geworden seien oder Drohungen ausgestossen hätten, sagte er. Das Aufgebot werde gestoppt, wenn eine nachträgliche Personensicherheitsprüfung ergebe, dass der Betreffende ein Risiko darstelle. Die Stellungspflichtigen werden bereits anlässlich der Aushebung überprüft.

Empfehlungen einer Arbeitsgruppe

Letzten Juli hatte der Bundesrat den Bericht einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des ehemaligen CVP-Nationalrats Arthur Loepfe (AI) zur Kenntnis genommen, welche das heutige System von Militärdienst, Zivildienst und Zivilschutz unter die Lupe nahm. Diese kam zu Schluss, dass keine dringende Veranlassung besteht, das Dienstpflichtsystem grundlegend zu verändern.

Die Ergebnisse und Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden derzeit von der Verwaltung ausgewertet. Ein mögliches Handlungsfeld hat der künftige Armeechef Rebord bereits benannt: Es scheine, dass der Zivildienst zu attraktiv sei, sagte er anlässlich seiner Wahl vor Journalisten.

Heute müssen Schweizer Männer Militärdienst leisten, wenn sie physisch und psychisch dazu in der Lage sind. Militärdiensttaugliche, die den Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, leisten Zivildienst. Wer eingeschränkt diensttauglich ist, leistet Dienst im Zivilschutz. Wer keiner dieser Pflichten nachkommen kann, bezahlt die Wehrpflichtersatzabgabe.

Konversation

  1. Gehen der Schweizer Armee die Rekruten aus? Der künftigen Armeechefs Philippe Rebord befürchtet das schon lange. Die Zahl der nun eingerückten Rekruten werden ihn nicht beruhigen.

    … ich mache mir eher Sorgen um die Rekrutierung von KorrektorInnen bei der TagesWoche….

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  2. Ich gehöre zu den Psychiatern, die junge Männer dienstuntauglich schreiben. Bis heute sind alle durchgekommen und zahlen ihre Militärersatzpflicht, was nicht wenig ist. Ich find die Armee untauglich und es eine Schande, aus diesen Leuten Geld zu erzwingen, das sie besser brauchen könnten. Man sollte es umdrehen: es sollten junge Leute begutachtet werden, ob sie wirklich fähig wären, diese wirklich fragwürdige Institution überleben zu können.

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  3. Wozu braucht es soviel?
    Zum Spatzen schiessen?
    Den Militärdiesel kann man zum halben Preis an die Grossverteiler verhökern, die ihn sicher dankbar annehmen, um damit auch entlegenere Täler zu versorgen.
    Für die Balleranskis gibt es keinen vernünftigen Verwendungszweck und wenn man damit Flugzeuge vom Himmel holt, hat man danach nur eine Menge Ärger, siehe Türkei und Putin.
    Einzig sinnvoll wäre das Auffischen oder gar Übersetzungstransport der Flüchtlinge übers Mittelmeer, man könnte es sogar billiger machen, als die Schlepperorganisationen. Dafür dürften aber wohl so 2000 Leute reichen.

    Ach, Krieg spielen? das war damals schon und ist auch heute auf Dauer viel zu teuer. Wer ständig „Probekriege“ inszeniert, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht Geld verschwendet. Schon damals hatte die relative Sicherheit der Schweiz wesentlich andere Gründe. Ein Grund hiess Oerlikon oder die Schienen der SBB durch den Gotthard.

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