Trotz des Widerstands gewisser Aktionäre hat die Generalversammlung des Basler Pharmakonzerns Novartis am Freitag dem Verwaltungsrat die Entlastung erteilt. Der Antrag der Aktionärsvereinigung Actares, die Décharge zu verweigern, blieb chancenlos.
Der Entscheid fiel mit 93,3 Prozent Ja-Stimmen deutlich. Der Anteil der Nein-Stimmen betrug lediglich 5,1 Prozent, jener der Enthaltungen 1,6 Prozent.
Vor der Generalversammlung in Basel hatte zunächst auch die Anlagestiftung Ethos für die Décharge-Verweigerung plädiert. Nachdem jedoch vor einer Woche Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella den Verzicht auf seine 72-Millionen-Entschädigung für ein Konkurrenzverbot bekannt gegeben hatte, stimmte Ethos für Entlastung.
Fehler eingestanden
Vasella gestand vor den Aktionären des Pharmakonzerns Novartis Fehler im Umgang mit der umstrittenen Zahlung ein. «Ich habe zwei vermeidbare Fehler gemacht», sagte Vasella kurz nach Beginn der Generalversammlung in der Basler St. Jakobshalle. Der Erste sei gewesen, den Vertrag über die Zahlung anzunehmen. Der zweite Fehler sei der Glaube gewesen, dass eine Spende von der Gesellschaft akzeptiert würde. Vasella hatte zunächst geplant, Geld für wohltätige Zwecke weiterzugeben.
Nach heftiger öffentlicher Kritik verzichtete Vasella schliesslich ganz auf die Zahlung. Er sagte an der Generalversammlung, der gesamte Vorgang zeige, dass Transparenz zur Korrektur führe.
«Ich akzeptiere die öffentliche Kritik», sagte Vasella. Er sehe sich aber nicht als Abstimmungshelfer der Initiative zur Begrenzung von Managerlöhnen des parteilosen Schaffhauser Ständerats Thomas Minder. Die Abzocker-Initiative verfügte laut Vasella schon vor dem Wirbel um die geplante Millionenzahlung über Rückhalt in der Mehrheit der Schweizer Bevölkerung.
Plattform für Kritiker
Tausende Aktionäre strömten schon anderthalb Stunden vor Beginn der Generalversammlung in die St. Jakobshalle. Die Polizei markierte Präsenz, und überall waren Security-Leute zu sehen.
Die Gewerkschaft Unia hatte vor der Halle ein Riesentransparent gehisst, das Daniel Vasella mit einem goldenen Fallschirm zeigt. «Abzocker stoppen», hiess es auf dem Plakat.
Auch die Juso nutzten den Aufmarsch der Aktionäre für eine Aktion. Sie stellten vor der Halle ein Badewanne auf und liessen darin einen als Vasella verkleideten Aktivisten in 6000 echten Franken ein Vollbad nehmen. Nach Berechnungen der Juso hatte Vasella während der letzten 17 Jahre pro Stunde 6000 Franken verdient.
Vasellas Warnung
Kurz vor der GV des Pharmakonzerns hatte Vasella die Schweiz vor schlechten Standortbedingungen aus «politischer Uneinsichtigkeit» gewarnt. Der Sitz einer Firma könne leicht verlegt werden.
Mit dem Campus in Basel baue Novartis zwar einen neuen Firmensitz. Der Standort müsse aber gepflegt werden. «Meine Antwort an die Schweizer lautet: wiegt euch nicht in allzu grosser Sicherheit!», sagte Vasella in einem Interview mit der «Basler Zeitung» am Tag seines Rücktritts vom Verwaltungsratspräsidium des Pharmakonzerns.
Um einen Firmensitz anzusiedeln, brauche es nicht viele Leute. «Ein Hauptsitz kann transferiert werden, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen», sagte Vasella rund eine Woche vor der Abstimmung über die Abzockerinitiative, auf die er in dem Interview aber nicht angesprochen wurde.