Altlastenexperte warnt: Klybeck-Areal mit Schadstoffen verseucht

Es ist das nächste grosse Prestige-Wohnprojekt von Basel: das «klybeckplus». Noch während der Planungsphase meldet sich der Altlastenexperte Martin Forter zu Wort und fordert eine komplette Sanierung des Geländes.

Wie viel Gift steckt im Boden des künftigen «klybeckplus»-Areals? (Bild: Hans-Jörg Walter)

300’000 Quadratmeter gross ist die Fläche, auf der das neue Quartier Klybeck plus entstehen soll. Die Planung ist in vollem Gange – und das stört Altlastenexperte Martin Forter.

Über mögliche Altlasten im Boden werde kaum informiert, kritisiert der Geschäftsleiter des Verbands Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU). Zwar führte der Kanton gemeinsam mit Novartis und BASF, den Eigentümerinnen des Geländes, Untersuchungs-Bohrungen durch. Die Ergebnisse würden aber unter Verschluss gehalten.

«Erst richtig aufräumen»

150 Jahre weilte und wirkte die chemische Industrie auf dem Gelände. Forter ist sich deshalb sicher, dass das Gelände verseucht ist. «Es ist schwer einzuschätzen, welche Konsequenzen dies für die Gesundheit der Bevölkerung hat», sagt er.

Sicher sei aber: Ideen, einen See anzulegen oder mit einem Hafen eine Verbindung zum Rhein zu schaffen, seien hanebüchen: «Wenn Wasser in das Gelände kommt, werden die Schadstoffe ausgeschwemmt und kommen in die Umwelt.» Wenn man stattdessen «erst richtig aufräumen» würde, seien solche Projekte äusserst interessant.

Gemäss Forter dürften enorme Mengen hochproblematischer und teilweise krebsauslösender Chemikalien im Boden versickert sein. Für den Altlasten-Experten gibt es deshalb nur eine Lösung: eine komplette Sanierung.

Der Boden müsste demnach bis auf den Fels abgetragen und entsorgt werden. Genau so, wie es auch der Pharmakonzern Novartis getan habe, als er seinen Campus baute. «Was für den Hauptsitz einer weltweit agierenden Pharmafirma gut ist, muss auch für die lokale Bevölkerung eines zukünftigen Stadtteils gelten», schreibt die AefU in einer Mitteilung.

Novartis und BASF zur Kasse bitten

Forter will die Diskussion um die Sanierung des Chemiegeländes lancieren, das zu einem Stadtteils werden soll. Wenn nötig, eben auch mit öffentlichem Druck. Zahlen müssten dies gemäss Forter die Eigentümer des Geländes – also Novartis und BASF. Allerdings: Weder Kanton noch Novartis oder BASF haben je bestritten, dass es zu Sanierungen kommen werde. Die Frage ist, in welchem Ausmass.

Die TagesWoche hat die Verantwortlichen mit der Kritik und den Forderungen konfrontiert. In gleichlautenden Stellungnahmen schreiben BASF und Novartis: «Die Belastungen liegen mit Ausnahme eines früheren Chlorbenzol-Schadens in einem Teilbereich des Areals weit unter den Konzentrationswerten der Altlastenverordnung. Mit Ausnahme der dort laufenden Sanierung wird der Standort von den zuständigen Behörden (AUE BS) als überwachungsbedürftig bewertet, das heisst, eine Sanierung ist aktuell nicht erforderlich.» Auf eine persönliche Stellungnahme haben die Planungspartner verzichtet.

https://tageswoche.ch/form/interview/es-braucht-den-oeffentlichen-druck

Konversation

    1. Die BASF ist die Nachfolgerin der Ciba und damit hängt sie mit drin. Sonst könnte die Novartis sich auch aus Altlasten heraus stehlen, welche vom Ciba-Geigy und Sandoz noch stammen.

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  1. Das soll überraschend sein? Bitte, wie naiv kann man sein? Überall, wo Industrie stattfand, sind die Böden danach Sanierungsfälle. Daraus jetzt eine grosse Geschichte zu machen, naja. Ist ja nichts Neues.

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  2. Bravo TaWo! Ich bin gespannt wie es weiter geht. Was mich interessiert wäre generell der heutige Stand in BL und BS. Stagnieren die Bemühungen der Behörden wieder? Traurig, dass die Konzerne einfach ins Ausland ziehen weil sie dort weniger tun müssen. Money, Money, Money…Gut gibt es engagierte Fachleute wie M. Forter die nicht aufhören damit solches Tun und Lassen aufzuzeigen. Unterstützen müssen wir engagiert diejenigen Politiker, die alles daran setzen, diese Missstände anzugehen.
    Und nicht zuletzt BRAVO Catherine Weyer. Gut geschrieben!

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