Baselbieter FDP fordert Kostenoptimierung bei der Uni Basel

Die Baselbieter FDP sieht bei der Universität Basel in mehreren Bereichen Sparmöglichkeiten. Deshalb solle der Landkanton in Zukunft der Uni nur noch höchstens 120 Millionen Franken im Jahr bezahlen. Im laufenden Jahr beträgt die Subvention voraussichtlich 169 Millionen. In Basel-Stadt reagiert man empört.

Die Baselbieter FDP schlägt Sparmassnahmen für die Universität Basel vor. Unter anderem sollen höhere Gebühren für ausländische Studenten eingeführt werden.

(Bild: Hans-Jörg Walter )

Die Baselbieter FDP sieht bei der Universität Basel in mehreren Bereichen Sparmöglichkeiten. Deshalb solle der Landkanton in Zukunft der Uni nur noch höchstens 120 Millionen Franken im Jahr bezahlen. Im laufenden Jahr beträgt die Subvention voraussichtlich 169 Millionen. In Basel-Stadt reagiert man empört.

Die Baselbieter FDP fordert Sparmassnahmen bei der Universität Basel. Eine Kostenreduktion sei möglich, ohne die Universität zu schwächen, teilte die FDP am Montag mit (PDF zum Download). Mit Blick auf die neue Leistungsvereinbarung für die Jahre 2018 bis 2021 und wegen der prekären Finanzlage des Kantons hatte sie das Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) beauftragt, Sparpotenzial bei der Universität auszuloten.

Daraus resultieren sieben Postulate, welche die Partei an der kommenden Landratssitzung einreichen will. Unter anderem wird der Regierungsrat beauftragt, eine höhere Studiengebühr für ausländische Studierende zu prüfen. Rund die Hälfte der Schweizer Universitäten würde differenzierte Studiengebühren kennen, argumentiert die Partei.

Schaden soll vermieden werden

Auch soll eine Beschränkung der Studierendenzahl untersucht werden. Eine Obergrenze von Studierenden ermögliche eine bessere Planung, heisst es im Postulat. Zudem soll der Kostendeckungsgrad bei Studierenden aus anderen Schweizer Kantonen in allen Fachbereichen auf 100 Prozent erhöht werden – heute liegt dieser bei 60 Prozent. Weitere Forderungen betreffen die Fremdvermietung von unternutzten Uni-Räumen und die Erhöhung von Drittmitteln.

In einer Stellungnahme schreibt Jean-Luc Nordmann als Präsident des Fördervereins der Universität Basel, die fixe Vorgabe von Zahlen zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei wenig zielführend. Zuerst müssten die Postulate geprüft werden. Wenn beide Träger parallel ihre Beiträge senken, resultiert gemäss Nordmann für die Uni eine Reduktion von 80 bis 120 Millionen pro Jahr. 2017 liegt das Uni-Budget bei 538 Millionen.

Die derzeit schlechte Finanzlage des Kantons Baselland dürfe nicht dazu führen, dass die Universität einen langfristigen Schaden erleide, schreibt der Freisinnige Nordmann weiter. Auch wäre es sinnvoller gewesen, die FDP des Kantons Basel-Stadt in das Vorgehen einzubeziehen.

LDP kritisiert FDP heftig

In Basel-Stadt reagiert man empört über die Vorschläge aus dem Baselbiet. So zeigt sich die LDP in einer Mitteilung «entsetzt» über die FDP. «Ein solches Szenario
würde das Ende der Universität auf bisherigem Niveau bedeuten», schreibt die LDP. Es sei «zynisch» und zeuge auch von «Unkenntnis», wenn die die Baselbieter FDP behaupten würde, dass die Universität so gestärkt würde.

Und die LDP schreibt weiter: «Es ist erschreckend zu sehen, wie eine einst selbstbewusste Partei mit hervorragenden Köpfen Hand bietet, eine Universität mit über
550-­jähriger Tradition zu zerstören.»

Konversation

  1. Ich kann Miss St. Johann nur beipflichten.

    Modernste Räume, welche so ausgerüstet sind, dass man mit „Privaten“ mihalten kann, gibt es nicht viele.

    Im Pharmazentrum die beiden Hörsääle, im Kollegienhaus die Aula, das ZLF. Wie die Raumsituation bei den Juristen und Wirtschaftswissenschaftler aussieht, weiss ich nicht.

    That’s it. Wenn man den grossen Hörsaal der organichen Chemie aus den 50ern und der Physik aus den frühen 70ern kennt, weiss, dass diese für Tagungen kaum attraktiv sein dürften.

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  2. eine interne befragung beim fdp-kader hat ergeben: die kurse an der uni sind für den ländler nicht zu schaffen. darum vernümpftige reduktion des angebots auf volxhochschulniveau mit schwerpunkt umfahrungs-strassenbau.
    weiteres sparpotenzial laut fdp: da im baselbiet ohnehin nur rote zahlen geschrieben werden, könne man die schwarzen ersatzlos streichen.
    und wenn an der uni künftig alle – wie im wirtschaftskämmerli – in filzfinggli rumschlurpen, spart man sich auch die ausländischen putzkolonnen.

    ein weiterer vorschlag ist intern vorerst knapp gescheitert: obwohl nicht alle 25 buchstaben des alphabets voll ausgelastet sind – und einzelne sogar eggstrem unternutzt, wird die streichung xy vertagt.

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  3. @Kol Simcha: ja, ich weiss es. Und ich kann auch nicht ausschliessen, dass irgendwo im Archiv der Uni-Raumverwaltung so ein Nichtvermietungsdogma vor sich hin modert. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es schwierig bis unmöglich ist, an der Uni Räume für ganztägige Veranstaltungen zu finden – besonders, wenn es ein Raum sein soll, der modernsten Ansprüchen genügen soll und mit dem Angebot der Privatwirtschaft konkurrieren könnte (was ja nötig wäre, wenn man damit Geld verdienen soll).

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  4. Wenigstens Frau von Falkenstein von der LDP (und mit ihr die LDP) stellt sich gegen diese absurden Vorschläge aus dem griechischen Landkanton auf die Hinterbeine und findet mehr als deutliche Worte.

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  5. Die FDP-Elite enttäuscht, da sind wir uns einig.

    »Wirtschaftsförderung« ist für die neoliberal geimpften Politkader simpel: tiefe Steuern für UnternehmerInnen, Dumpingpreise bei Baurechtszinsen, Luxusstrassen für’s Baugewerbe und blühende Vetternwirtschaft für’s staatsnahe Gewerbe.
    Die universitäre Bildung und die zukunftsweisende Forschung gehören nicht zu diesem Setting.

    PS @Simcha: Wo machen Sie bitte einem Opposition aus?
    Zudem: Ich bin ein Linker, aber für die Wahl von Adil Koller nicht verantwortlich. Ich bin nicht Mitglied besagter Partei. Sie müssen ihre Schubladen demnächst wieder einmal neu beschriften…

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  6. @Meury: Ich hab schon bei der letzten Wahl nicht mehr FDP gewählt (in BS). War über eine Dekade lang weg im Ausland. Bin dabei mich in der Schweiz (auch politisch) wieder einzuleben. Kann auch mit diesem „beider Basel“ Unsinn nun aber gar nichts anfangen.

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  7. Vor allem sind dies keine multifunktionelle Räume! Es sind Höhrsäle.

    Wenn ich sehe, wie viele Kongresse und Tagungen schon alleine im Pharmazentrum in den Semesterferien stattfinden. Praktisch täglich. Dann dazwischen noch Prüfungen.

    Vielleicht ist es das Problem, dass die Leute, welche die Uni (Basel) mal von innen sahen oder gar ein Bio- und Pharmazentrum von innen kennen, in den bürgerlichen Parteien im BL immer dünner gesät sind.

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  8. Die Lage ist keineswegs „verworren“, Meury. Die Lage ist klar:

    Wer Berufsplünderer zu Geschäftsführern der Selbsbedienungsläden wählt, der will das so.

    Andererseits: Können Staatsangestellte tatsächlich einen radikalen Umbruch wollen? Wohl eher nein.

    Und deshalb habt ihr einen Studenten zum Oppositionsführer gemacht?

    Selbst schuld. Und damit müsst ihr leben.

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  9. @Pfister

    Diese Erkenntnis kommt nun aber reichlich spät. Die Damen und Herren der FDP haben sich im ganzen Kanton BL bereits festgekrallt. Da sie praktisch deckungsgleich mit der SVP agieren, ist die Lage verworren. Zudem stehen aktuell keine Wahlen vor der Tür. Sie können also niemand abwählen. Selbst wenn, Sie hätten keine Alternative zur Hand. Oder sehen Sie irgendwelche HoffnungsträgerInnen? Bis es soweit ist, können Sie auch niemand mehr in die Wüste schicken, weil die Wüste sich vor unseren Füssen ausgebreitet hat.

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