Basler Gewerbeverband kämpft mit Studie gegen die Verdrängung des Gewerbes

Die besten Gewerbe- und Industrieflächen im kleinräumigen Kanton Basel-Stadt sollen nach Meinung des Basler Gewerbeverbandes weiter entwickelt, verdichtet und vor Verdrängung durch eine Ausdehnung von Wohnzonen bewahrt werden. Der Verband stellte eine Studie vor, die seine Anliegen bestätigt.

Der Gewerbeverband Basel-Stadt will unter anderem das Lysbüchel-Areal als Gewerbegebiet retten und liess sich dieses Ansinnen durch eine Studie bestätigen.

(Bild: Peter Sennhauser)

Die besten Gewerbe- und Industrieflächen im kleinräumigen Kanton Basel-Stadt sollen nach Meinung des Basler Gewerbeverbandes weiter entwickelt, verdichtet und vor Verdrängung durch eine Ausdehnung von Wohnzonen bewahrt werden. Der Verband stellte eine Studie vor, die seine Anliegen bestätigt.

Die Verdrängung des Gewerbes nehme problematische Dimensionen an, sagte Gewerbeverbandsdirektor Gabriel Barell am Freitag vor den Medien. Seit 2003 seien 82’000 Quadratmeter Gewerbefläche abgebaut und vor allem der Wohnzone zugeordnet worden. In den nächsten Jahren drohe der Verlust von weiteren 25 Prozent des Gewerbegebietes.

Eine im Auftrag des Gewerbeverbands Basel-Stadt erstellte Gesamtschau beurteilt die acht Gewerbe- und Industrieflächen bezüglich Lärmtoleranz, Erreichbarkeit, Nutzungskonflikte und Grösse. Demnach haben kompakte Gewerbeareale, die an Zonen mit einem geringen Wohnanteil grenzen, einen deutlichen Vorteil.

Geruchs- und Lärmemissionen sorgten unter diesen Voraussetzungen für weniger Probleme, heisst es im Bericht des Instituts für Wirtschaftsstudien Basel. Die Studie bezeichnet deshalb die Areale Lysbüchel, Neudorfstrasse und den Novartis-Campus als ideale Gewerbezonen. Der Novartis-Campus ist jedoch für das Gewerbe aus nachvollziehbaren Gründen nicht nutzbar.



Verschiedene Gewerbeflächen wurden analysiert und eingestuft.

Verschiedene Gewerbeflächen wurden analysiert und eingestuft. (Bild: Gewerbeverband Basel-Stadt)

Wohnungsbau als «Spaltpilz»

Die Studie sieht auch Chancen in der Neustrukturierung von Gewerbe- und Wohngebieten. Das Dreispitz-Areal würde durch den geplanten Wohnungsbau am Nordende gewinnen. Die verbliebene Gewerbefläche könnte durch die neue Form effizienter genutzt werden, schreiben die Autoren.

Auf dem Areal Lysbüchel hingegen hätten die geplanten Wohnbauten gravierende Folgen für das Gewerbe, heisst es. Es gehe wertvolle Gewerbefläche verloren. Zudem hätten die Wohngebäude, die vom Gewerbedirektor als «Spaltpilz» bezeichnet wurden, auch negative Auswirkungen auf das angrenzende Areal Neudorfstrasse. Mit einer Änderung der Lärmempfindlichkeitsstufe müsse gerechnet werden, heisst es in der Studie.

Klybeck-Areal wenig geeignet

Das Areal Klybeck schneidet in der Studie eher schlecht ab, deshalb sei die geplante Umwandlung in ein Stadtquartier nachvollziehbar. Die Industrie- und Gewerbezone Auf dem Wolf befindet sich ebenfalls nicht im idealen Bereich. Auch dort könnten sich Veränderungen positiv auswirken.

Eine hohe Lärmtoleranz weist dagegen das Hafenareal und das Areal Badenstrasse auf, jedoch mangle es an Kompaktheit, heisst es. Die geplanten Neuerungen könnten dazu führen, dass dort ein grosses, in sich geschlossenes Gewerbegebiet entstehe.

Kampf ums Lysbüchel-Areal

Der Gewerbeverband plädiert für den Erhalt der besten Gewerbeareale, wozu auch das Lysbüchel gehört. Dort soll sinnvoll verdichtet werden. Für solche Massnahmen brauche es aber Planungssicherheit, sagte Barell. Solange nicht feststehe, was mit diesen Gebieten geschehe, blieben sie unternutzt.

Der Kanton möchte auf dem Lysbüchel-Areal unter dem Stichwort «Volta Nord» ein neues Stadtquartier entstehen lassen: Bis zu 3400 neue Arbeitsplätze und Wohnraum für rund 2000 Menschen sollen in diesem Gebiet nahe der französischen Grenze untergebracht werden.

Konversation

  1. Der Gewerbeverband hat eine Gefälligkeitsstudie in Auftrag gegeben und wird darin in seinem Kampf gegen die Ausdehnung von Wohnzonen bestätigt. Alles andere wäre verwunderlich gewesen. Hätte die Studie das Gegenteil behauptet, wäre sie logischerweise nicht veröffentlicht worden. Da die Stadtfläche klein und begrenzt ist, sind Verteilerkämpfe unvermeidbar. Die vorgelegte Gesamtschau aber kränkelt. Sie bezieht ihre Sicht lediglich auf das engbegrenzte Kantonsgebiet. Jenseits der Kantonsgrenze hört die Welt offensichtlich auf. Da ist nichts mehr. Das ist absurd. Eine Gesamtsicht müsste sich auf die Region beziehen. Würde man hier grosszügiger denken, wären die Möglichkeiten fast unerschöpflich. Bereits in unmittelbarer Stadtnähe finden sich zahlreiche Entwicklungsgebiete mit optimalen Arealen in unterschiedlicher Grösse. Alle sind sie bestens erschlossen. Ich erinnere: Birsfelder Hafenareal (z.Zt. schlecht genutzt), inkl. neu: ehemalige Staatsgrube der Stadt Basel am Rande des Birsfelder Industrieareals, «Salina Raurica» in Pratteln, ehemaliges ABB-Areal in Münchenstein, «Aesch-Nord», Bachgraben-Areal in Allschwil, Walzwerk in Münchenstein, usw. Alles bestens erschlossene Industrie- und Gewerbeareale. Also, wo liegt das Problem? Es ist vermutlich sinnvoller auf dem äusserst wertvollen Stadtboden Wohnungen zu realisieren, auch wertschöpfender. Es gibt wenig Argumente wieso Gewerbegebiete, mit den entsprechenden Immissionen und Verkehrsaufkommen, auf städtischen Arealen geplant werden müssen. Am Stadtrand und nahe der notwendigen Autobahnanschlüssen sind Gewerbegebiete logistisch sinnvoller platziert.

    Es scheint eine Zwängerei des Basler Gewerbeverbandes zu sein Gewerbeflächen mitten in der Stadt zu verteidigen, um damit Wohungsprojekte zu verhindern. Die Stadtentwicklung wird weiter fortschreiten und Veränderungen sind an der Tagesordnung. Dabei ist zukünftig klar: Industrieproduktionen gehören nicht mehr in die Stadt.

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