Basler Läden sollen bis in die Nacht offen sein

Trotz mehrerer Schlappen an der Urne steht in Basel wieder eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten an. Die Geschäfte sollen künftig unter der Woche bis um 22 Uhr, am Samstag bis 20 Uhr offen sein. Die Unia kündigt bereits ein Referendum an.

Shoppen um 10 Uhr abends: Wer hat nicht auch manchmal kurz vorm Schlafengehen Gelüste nach einer Flugmango?

(Bild: Keystone)

Trotz mehrerer Schlappen an der Urne steht in Basel wieder eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten an. Die Geschäfte sollen künftig unter der Woche bis um 22 Uhr, am Samstag bis 20 Uhr offen sein. Die Unia kündigt bereits ein Referendum an.

Sie versuchen es wieder: Basels Bürgerliche wollen die Ladenöffnungszeiten ausweiten. Die Regierung hat jetzt dazu auf Druck des Grossen Rates eine Vorlage ausgearbeitet. Ursprung ist ein Vorstoss von SVP-Grossrat Joël Thüring.

Demnach könnten die Geschäfte im ganzen Kanton Basel-Stadt künftig unter der Woche bis um 22 Uhr offen haben. Auch an Samstagen und am Tag vor Feiertagen würden die Öffnungszeiten ausgedehnt: Statt um 18 Uhr müssten Läden erst um 20 Uhr zusperren.

Wann und ob die Änderung je in Kraft tritt, ist nicht absehbar. Erst muss der Grosse Rat dem Vorschlag der Regierung zustimmen, dann besteht immer noch die Möglichkeit, dagegen das Referendum zu ergreifen. Und das würde kommen: Wie der Sprecher der Unia Thomas Leuzinger auf Anfrage erklärt, würde die Gewerkschaft auf jeden Fall das Referendum gegen die neuen Öffnungszeiten ergreifen. 

Bereits 2002 und 2013 verwarf die Basler Bevölkerung eine Ausweitung deutlich. 2013 stimmten fast 60 Prozent gegen eine deutlich sanftere Anpassung. Damals ging es allein um verlängerte Öffnungszeiten am Samstag.

Konkurrenz für Quartierläden

Gegen das bürgerliche Vorhaben spricht auch, dass bereits heute in der Innenstadt viele Läden den Spielraum längst nicht ausnutzen. Die Recherche der TagesWoche von 2012 dazu dürfte auch heute noch Gültigkeit haben. Zudem würden Quartierläden in Bedrängnis geraten, die schon jetzt bis 22 Uhr offen haben dürfen.

Betroffen von einer Änderung wären in Basel-Stadt über 10’000 Angestellte im Detailhandel. Eine Umfrage der Unia von Anfang 2016 zeigte, dass sich 95 Prozent aller befragten Angestellten gegen längere Öffnungszeiten aussprechen. Die Ausweitung ist unpopulär und scheitert regelmässig an der Urne. Zuletzt begrub der Ständerat Pläne, die Öffnungszeiten schweizweit auszudehnen – auf das Modell, das heute in Basel gilt.

Konversation

  1. Ich halte dies für eine Zwängerei und finde es höchst undemokratisch wenn man immer wieder versucht ein Volksentscheid in Frage zustellen und vor allem würde nur die grossen Läden davon profitieren und die kleinen Läden gehen kaputt und es gehen Arbeitsplätze verloren.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Hier läuft meiner Ansicht nach eine äusserst scheinheilige Debatte ab. Dass der Krankenpfleger, die Polizistin, der Tram- wie der Taxichauffeur, dass alle Kellnerinnen und Kellner und Restaurantköchinnen und Restaurantköche, dass die Babysitterinnen und die Tankwarte sowie die Notfallärzte wie auch, notfalls, die Stadftreiniger und die Betreuer in den Pflege- und Altersheimen wenns sein muss mit Nachtarbeit beschäftigt und im Arbeitseinsatz sind, damit das Stadtleben funktioniert, das wird nicht nur verlangt, nein, es ist einfach „normal“.
    Niemand fragt nach, ob das Krankenhauspersonal beispielsweise den gestellten Anforderungen entsprechend entlöhnt wird. Wenn es aber darum geht, die
    Öffnungszeiten im Detailhandel endlich den längst veränderten allgemeinen Lebensbedingungen anzupassen, kommt plötzlich der Begriff „Familie“
    zum Zug, von dem man ansonsten kaum mehr etwas hört, vor allem dann nicht, wenn es um die finanzielle Ausrüstung von allen heute eingeführten und gelebten
    Familienformen geht (also auch Patchwork, Alleinerziehung usw.) .

    Das ist meiner Ansicht nach ziemlich verlogen, auch von Seiten der Gewerkschaft Unia her. Anstatt sich als Familienretterin aufzuspielen könnte sie sich ja darum bemühen, das sehr schlecht „organisierte“ Verkaufspersonal – vielfach sind es Ausländerinnen., im
    allgemeinen sehr oft Frauen…- in die Gewerkschaft zu bringen. Dann hätte sie mehr Kraft resp. Potential, die Arbeitnehmerinteressen gegenüber den Unternehmerinteressen zu schützen – etwa im Sinn, den Georg hier erwähnt hat.
    Aber es ist natürlich weitaus einfacher, von Zeit zu Zeit per Referendumsabstimmung das gewerkschaftliche Mütchen – sehr ist es nämlich nicht, man sollte sich da nicht vom Begriff „Nacht“ in die Irre führen lassen – vorzudemonstrieren und Betroffenheit über die armen und total ausgenützten, deshalb bedauernswerten Detailhgandelsangestellten
    für ein paar Tage Abstimmungskampf zu plakatieren, als Mitglieder zu werben, Leute zu überzeugen, sich für ihre Interessen zu organisieren.

    Nachtarbeit existiert in ganz Europa, und dies durchaus nicht bloss so nebenbei. Dass ausgerechnet im Detailhandel die Nacht ausgeschaltet, als Arbeitszeit verboten sein soll, ist einfach nicht einzusehen. Im übrigen gilt auch im und rund um den Detailhandel: Was wann in den Laden- Magazinen passiert, wann die Gestelle aufgefüllt werden, wer den Warentransport wann leistet, das Frischgemüse verteilt, die
    Brötchen backt: Nun, alles AUCH Nachtarbeit. Aber solcherlei problematisiert niemand,auch keine Gewerkschaf. Klar: Diese Detailarbeit ist ja nicht so sichtbar wie die Arbeit an der Ladenkasse. Folglich eignet sie sich auch nicht als Kampfzonendarstellung. („Kampf“ FÜR Arbeitnehmerinnen sähe ganz anders aus…).

    Wer derart ausgewählt Nachtarbeit verurteilt, argumentiert nicht seriös.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Surrealer geht’s wohl nicht. Wir sprechen über gesetzlich geregelte Ladenöffnungszeiten im Jahr 2017 – im 21. Jahrhundert? Im Ernst? Keine der aufgeführten Argumente von wegen Angestelltenschutz, Preisniveaus, Konkurrenzverhalten, Einkaufen im grenznahmen Ausland und so weiter überzeugt in irgend einer Art und Weise. Nach der selben „Logik“ sollten ab 18 Uhr auch alle Krankenhäuser, öffentlichen Transportunternehmen, Polizeit und Feuerwehr schliessen. Wir Schweizer operieren ja hier auch nicht in irgend einer Luftblase oder unter einer geschützten Käseglocke. Die gesamte Welt operiert immer mehr in Richtung einer 24 Stunden Gesellschaft. Europa beiseite, diese Diskussion löst in Schwellen- oder Entwicklungsländern ein erstauntes Kopfschütteln aus. Ein Freund aus Hong Kong meinte vor etwa 20 Jahren (damals in Genf): „Die Geschäfte schliessen schon um 18:30 Uhr? Die Schweizer arbeiten wirklich nicht sehr viel.“ Ganz nach dem Motto: Perception is reality.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Dann, Herr Pfister, zeigen Sie uns doch bitte auf, um wieviel sich die Minimallöhne zwischen dem Verkaufspersonal und den von Ihnen genannten Berufsgruppen unterscheiden (und wenn Sie schon dabei sind, bitte mit Nachtarbeitszuschlägen, Zeitvergütungen und Kompensationsmechanismen).

      Danke Empfehlen (0 )
  4. Wie man aus Umfragen weiß, ist ab 20 Uhr in den Läden eh tote Hose. Es glaubt wohl niemand im ernst (ausser Georg), dass der Detailhandel auch nur ein Verkäuferin mehr einstellen würde. Die meissten Detailhandelsgeschäfte sind schon seit langem zu Do-It-Yourself-Läden verkommen. Dort sieht man Personal fast nur noch an der Kasse.

    Danke Empfehlen (0 )
  5. „Unsere Kernöffnungszeiten in Lörrach sind

    von Montag bis Freitag von 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr

    und am Samstag von 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr.

    Die Öffnungszeiten der einzelnen Pro Lörrach-Mitglieder finden Sie unter http://www.pro-loerrach.de

    Danke Empfehlen (0 )
  6. Der Titel dieses Artikels ist irreführend – er sollte lauten: „Basler Läden sollen bis in die Nacht offen sein KÖNNEN“

    Danke Empfehlen (0 )
  7. Ein wenig scheinheilig scheint es schon, wir gehen alle am Abend oder am Wochenende ins Kino, Theater, Restaurant, Krankenhaus, fahren Tram, Zug, Taxi oder Bus etc etc. All diese Menschen, die dort arbeiten haben wohl Familien und scheinen anständig, möglicherweise sogar glücklich zu leben. Nur das Verkaufspersonal ist dem Untergang geweiht. Und ja, auch die Gastronomie etc. kennt Splitdienste.

    Es sollte ggf. einfach die Bestimmung geben, mehr Öffnungszeiten/Arbeitsaufwand erfordern verbindlich mehr Personal.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (9)

Nächster Artikel