Befrei dich selbst – und die Spielernatur in dir!

In Life-Escape-Spielen hat man eine Stunde Zeit, aus einem geschlossenen Raum auszubrechen. Wir haben es ausprobiert und dabei neue Seiten unserer Persönlichkeit entdeckt.

Hinter Gittern.

(Bild: Donata Ettlin)

In Life-Escape-Spielen hat man eine Stunde Zeit, aus einem geschlossenen Raum auszubrechen. Wir haben es ausprobiert und dabei neue Seiten unserer Persönlichkeit entdeckt.

Wir sind eingeschlossen. Meine drei Kumpanen sitzen in gestreifter Häftlingskluft in einem schlauchartigen, engen Raum gefesselt auf einer Pritsche, ich sitze daneben auf einem elektrischen Stuhl, Hände und Füsse in Lederschlingen. Die Gefängniswärterin sagt: «Die Zeit läuft», geht aus der Zelle und schliesst hinter sich ab. Es gibt drei Türen, an allen hängen Schlösser. Wir haben eine Stunde Zeit, sie zu knacken und uns zu befreien. Dabei helfen das eigene Köpfchen (oder auch nicht) sowie Hinweise, welche die Gefängniswärter hinterlassen haben.



Erwischt!

Erwischt! (Bild: Donata Ettlin)

Wir befinden uns an der Nauenstrasse 67, einer der hässlichsten Strassen Basels. Doch man sollte sich von der Umgebung nicht abschrecken lassen, hinter dem grossen Tor, das aufschwingt wie eine Zaubertüre, befindet sich das Break Out Basel, eine Scheinwelt, die sogar Spielbanausen aus der Reserve lockt. Im Eingangbereich stehen fellbezogene Hocker, an der Wand hängen Lichterketten und auf den Tischen liegen diese Plastikfrösche, die man mit einem leichten Fingerdruck zum Springen bringt. Und wenn man durch eine weitere Tür tritt, steht man in der Gefängniszelle, der Kulisse für unsere Schnitzeljagd.



Sesam öffne dich. 

Sesam öffne dich.  (Bild: Donata Ettlin)

Der Fachausdruck für diesen Luxusspielplatz ist «Escape Room», zu Deutsch: Fluchtraum. Das Konzept kommt aus Japan und hat seine Wurzeln in Online-Spielen. Der erste Schweizer Fluchtraum ging im Jahr 2013 in Bern auf. In Basel gibt es mittlerweile drei davon, neben Break Out Basel sind dies Room Escape und Onehourescape. Viele Leute verbringen dort ihren Polterabend oder ihren Geburtstag, andere sind regelrecht angefressen und reisen von Escape Room zu Escape Room, wie Alex Bammerlin von Break Out Basel sagt.

Fesselspiele, aber richtig.

Offenbar ist das typisch, wie Alex Bammerlin, der Betreiber von Break Out erzählt. «Im Spiel zeigt sich, wie Leute zusammenarbeiten», sagt er. Der eine will sofort alles alleine lösen, andere rotten sich zu Gruppen zusammen, wieder andere versuchen, den anderen zu sagen, was sie zu tun haben.

Das machen sich auch Betriebe zunutze. Bammerlin bietet spezielle Spiele für Firmen an. Ein Coach schaut dem Team beim Spielen zu und gibt nachher Rückmeldungen. «So kann das Team im Spiel Strategien lernen, wie es nachher in der Realität besser gemeinsam Probleme löst», sagt Bammerlin.

Auch wir kriegen einen Tipp für unsere Zusammenarbeit. Plötzlich erklingt eine laute Sirene, ein Bildschirm mit einer Nachricht leuchtet auf. Der Escape Room ist mit Kameras ausgestattet, Bammerlin und seine Mitarbeiterin verfolgen die Spiele jeweils am Bildschirm. «Teilt Euch auf», geben sie uns durch.



Knacke, knacke Rätsel.

Knacke, knacke Rätsel. (Bild: Donata Ettlin)

Wer, was, wo, hä? 

Wir versuchen es, doch je weiter die Zeit verstreicht, desto mehr verzetteln wir uns. Wir vergessen die Codes, kaum haben wir sie gefunden, und geben uns gegenseitig Anweisungen, die wir nicht verstehen.

Aber, heiliger Bimbam, macht das Spass! Es ist ein bisschen wie als Kind, als man mit seiner Clique in den leerstehenden Stall im Quartier einbrach, erwischt wurde und vor den Besitzern flüchtete. Oder als man durch den Lieferanteneingang ins Lager des benachbarten Möbelhauses einbrach und heimlich auf den neu gelieferten Teppichen rumsprang. Man fühlt sich ausserhalb von Raum und Zeit und hat das Gefühl, die Welt zu erobern.

Aber dann, endlich, schaffen wir die letzte Tür, 30 Sekunden zu spät. Wir hätten gerne noch eine Stunde weitergespielt.

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