Befürworter der Energiestrategie setzen auf Patriotismus

«Einheimische Energie nutzen statt teuer importieren»: Unter diesem Titel haben die Befürworter der Energiestrategie am Freitag für ein Ja in der Abstimmung vom 21. Mai geworben. Den Gegnern aus der SVP werfen sie vor, «heimatmüde» zu sein.

SP-Nationalrat Roger Nordmann (VD) sieht die Energiestrategie als patriotisches Projekt. Wer sich dagegen stelle, verfolge die Devise «das Ausland zuerst», sagte er vor den Medien in Bern. (Bild: sda)

«Einheimische Energie nutzen statt teuer importieren»: Unter diesem Titel haben die Befürworter der Energiestrategie am Freitag für ein Ja in der Abstimmung vom 21. Mai geworben. Den Gegnern aus der SVP werfen sie vor, «heimatmüde» zu sein.

Die Energiestrategie sei «ein zutiefst patriotisches Projekt», sagte SP-Nationalrat Roger Nordmann (VD) vor den Medien in Bern. Jene, die sich dagegen stellten – allen voran SVP-Stratege Christoph Blocher -, seien schlicht und einfach «heimatmüde». CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (SO) sprach von einem «durch und durch schweizerischen Projekt», nach dem Motto «das Geld bleibt hier».

Die Energiestrategie setze auf eine saubere, sichere und inländische Energieversorgung, schreibt das überparteiliche Ja-Komitee. Eine brauchbare Alternative gebe es nicht: Drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke gingen in den nächsten Jahren vom Netz – mit oder ohne Energiestrategie.

Neue Atomkraftwerke seien derzeit weder wirtschaftlich noch gesellschaftlich realistisch, stellte BDP-Ständerat Werner Luginbühl (BE) fest. Es sei unverantwortlich, einfach die Hände in den Schoss zu legen und zuzuwarten, wie es die Gegner tun wollten. Mit der Energiestrategie werde eine Versorgungslücke und eine stark steigende Auslandabhängigkeit vermieden.

«Lügen» und «alternative Fakten»

Das Massnahmenpaket koste etwas, räumte Luginbühl ein. Wer glaube, Versorgungssicherheit sei gratis zu haben, sei ein Träumer. Die Investitionen seien aber für Private und die Wirtschaft tragbar. Denn die Energiestrategie koste bei weitem nicht so viel, wie die Gegner mit ihrer «Lügenkampagne» behaupteten.

Regula Rytz, Nationalrätin und Präsidentin der Grünen (BE), stellte fest, den Gegnern gingen die Argumente aus. Sie würden daher «alternative Fakten» erfinden und Wahrheiten zusammenbasteln, wie es gerade passe.

Ausgewogener Mix

Die Energiestrategie löse nicht alle Probleme sofort und führe die Schweiz nicht von einer Sekunde auf die andere in die schöne erneuerbare Energiezukunft, stellte Rytz fest. Sie sei aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Die Befürworter sehen in der Energiestrategie einen ausgewogenen Mix von Massnahmen für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie: weniger Öl und Gas, dafür mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energie. Mit einer zeitlich limitierten Förderung soll die Produktion von Strom aus Wasser, Sonne, Geothermie, Biomasse und Wind gestärkt werden. Daneben soll der Energieverbrauch gesenkt werden.

Kalte Dusche für die Gegner

Der in der Gebäudetechnik tätige FDP-Nationalrat Peter Schilliger (LU) wies auf den technologischen Fortschritt hin. Der Energiebedarf eines neuen Hauses sei rund zwei Drittel kleiner als jener eines Hauses aus dem Jahr 2000. Wenn nun noch die Wärmeproduktion statt mit fossilem Brennstoff mit einer Wärmepumpe erfolge, reduziere sich die zugeführte Energiemenge auf 10 Prozent.

Warm Duschen sei inklusive, sagte Schilliger in Anspielung an die Warnungen der Gegner vor kaltem Duschen. «Wer die Entwicklung und Chance noch nicht sieht, dem empfehle ich eine kalte Dusche – nicht wegen des Energiesparens, sondern zum Öffnen der Augen.»

Mehr Geld im Portemonnaie

Auch der grünliberale Nationalrat Martin Bäumle (ZH) hob das grosse Potenzial von Effizienzmassnahmen hervor, sowohl bei Bauten als auch bei Geräten und Fahrzeugen. Die günstigste Energie sei jene, die erst gar nicht verbraucht werde, gab er zu bedenken. Der Verbrauch könne massiv reduziert werden, und zwar ohne Komforteinbussen. Dabei würden erst noch Kosten gespart. Die Energiestrategie setze entsprechende Anreize.

Das Komitee weist darauf hin, dass die Schweizer Energieversorgung heute zu 75 Prozent vom Ausland abhänge und zu zwei Dritteln auf fossilen Brennstoffen basiere. Das sei klimapolitisch schlecht und volkswirtschaftlich unsinnig. Die Energiestrategie schaffe Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Innovation im Inland.

2 Millionen Franken für Kampagne

Für die Kampagne hat das Ja-Komitee nach eigenen Angaben ein Budget von rund 2 Millionen Franken zur Verfügung. Das Nein-Komitee hatte denselben Betrag genannt. Allein ein Versand an alle Haushalte dürfte die Gegner aber schon 1,5 Millionen gekostet haben, sagte Nordmann.

Er zeigte sich überzeugt, dass die Bevölkerung «sachliche Informationen» bevorzugt. «Die Leute sind nicht dumm», sagte er. Wenn der Bundesrat und alle Parteien ausser der SVP hinter einer Lösung stünden, sei es sicher nicht eine «Kalte-Dusche-Lösung». Auch die Befürworter setzen aber nicht nur auf Sachlichkeit: Weil die Gegner ein Plakat zur Unternehmenssteuerreform kopiert haben, kopieren die Befürworter nun ihrerseits ein Plakat der Gegner.

Konversation

    1. @ Markus Schöpfer

      Die Reaktionen auf Ihren Kommentar zeigen deutlich, wie erfolgreich die Publikation „ENERGIE INFO“ und deren „Überparteiliches Komitee gegen das Energiegesetz“ den Mob manipulieren. Höchst bedenklich, aber courant normal in einer Mobokratie.

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    2. Ich konnte mich nie mit dem Begriff „Erneuerbare Energie“ anfreunden. Kann mir das jemand erklären. Gerade kürzlich ist mir eingefallen: Was wird da erneuert. In meinen Augen nichts. In meinen Augen wird einfach die Kraft des Windes benutzt, um Energie zu erzeugen. Oder die Hitze der Sonne wird benutzt um Energie zu erzeugen. Und weil der Wind weht unabhängig ob davon ob er zur Energiegewinnung gebraucht wird oder nicht und die Sonne scheint ob wir deren Wärme benutzen oder nicht, was wird da erneuert. Verstehe das einfach nicht.

      Energie erzeugt aus Wind oder Sonne ist keine Bandenergie, wie z.B. die Wasserkraft oder die Energie aus AKW oder aus Kohlekraftwerken. Und das ist der „Nachteil der *erneuerbaren“ Energie.
      Energie kann man speichern mittels Akkus oder eben mit den Speicherseen in den Bergen. Wird mehr Energie erzeugt als man braucht, kann man Wasser hochpumpen. Fehlt dann Energie kann man Energie erzeugen indem man die Speicherseen in Turbinen entleert.

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    3. Vielen Dank, liebe Maya, für die einfache Erklärung dafür, warum «Wunschdenken» keine Politik machen sollte.

      Wird diese Initiative angenommen, dann schaffen wir ein gigantisches Subventions- und Umverteilungsmonster.

      Und wie immer zahlen zum Schluss: Die «Kleinen».

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    4. @ alle:
      Es sind halt so nette Wortspiele, deshalb reden die Uranier ja auch von Kernenergie. Das erinnert eher an Apfel, denn an 10’000 Jahre strahlend leuchtende Halbwertszeit.

      Erneuerbare Energie?
      Wer in den Wald geht, kann Holz sammeln. Danach muss aber wieder was von den Bäumen fallen, damit man wieder Holz sammeln kann. Das braucht Zeit.
      Energie ist an sich nicht erneuerbar: Sie wird von der Sonne geliefert, hier umgewandelt und wir wandeln sie weiter um, mit zum Teil verheerend geringem Wirkungsgrad.
      Das AKW Leibstadt heizt die Umwelt mit wohl 4x mehr Energie als da Strom heraus kommt (= 20% Wirkungsgrad.)
      Beim Auto sieht es ähnlich verheerend aus. Benzin ist nur ein sehr hochenergetischer Stoff. den, wenn man ihn essen könnte, wohl etwa 1 Deziliter davon pro Tag ausreichen würde. Schokolade ist ein Dreck dagegen!

      Es gibt ein paar Ideen:
      – Erstens, wenn wir Wärme brauchen, soll eine Umwandlungsmaschine daziwschen geschaltet werden, die halt 20% nebenbei noch Strom produziert. Da bleibt immer noch 80% Wärme, damit wir nicht erfrieren.
      – Zweitens ist es oft ein Zeitproblem, wenn wir mehr Energie benötigen: Das Auto ist halt 8x schneller als Laufen und der Elektroherd viel schneller als der Solarherd.
      Der Trick der geförderten und belohnten Langsamkeit würde viel Energie sparen.
      – Drittens ist es aus meiner Sicht unvernünftig, edle Mangelenergie für die Wärmeproduktion zu verwenden. Der Stromherd ist zwar bequem, aber eigentlich ein Riesenunsinn. Der Holzherd ist ökologisvch effizienter, da nicht noch die Stromproduktion mit miesestem Wirungsgrad dazwischen geschaltet werden muss. 1000 Watt Kochstrom entspricht so sicher 5000 Watt Wärme, die man aus der Umwelt holen muss.
      Die Glühbirne war so ein phantastischer Energiefresser: 500 Watt Wärme für 95 Watt Wärme und 5% Lichtenergie.

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  1. @ME: wenn man nicht mehr weiss, was es ist, aber die Energie trotzdem automatisch und immer wieder aufs Neue fliesst, dann wird vermutet, dass es erneuerbare Energie ist. Sie fliesst einfach besser, man kann besser atmen während dem man ruhiger unter dem Regenbogen schläft!
    Kurz gesagt: Es ist die Energie, die einem träumen lässt, man wäre im Paradis! 😉

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  2. Wenn ich daran denke, wie gross der technische Fortschritt seit 30 Jahren ist, seit 1987!!!! PC, Telefon, TV, Musikträger waren damals Steinzeit! Daran kann man sehen, wie gross die Fortschritte in den nächsten 30 Jahren sein werden!! Also ich muss deshalb keine Minute überlegen, noch darüber diskutieren! Ein JA kann nicht falsch sein! Ich glaube fest daran! Die Energie Industrie fokusiert sich nun darauf, und wird es schaffen!!!

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  3. @ Hr. meier1
    Das Hochpumpen dient ja nur der Hoffnung, den Strom dafür anderntags fürs Dreifache verkaufen zu können. Das scheint ja zunehmend ein Risikospiel zu werden, mit ordentlichem Verlustrisiko.

    Vielleicht eignet sich der Gelmersee ja auch zur Aufzucht von Kaltwasserforellen.

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  4. Mit einem JA zum Energiegesetz können wir uns von dieser Abhängigkeit schrittweise lösen. Zumal Frankreich gerade im Winter selbst nicht genug Strom hat. Da wird mehr aus Deutschland importiert, leider mit einem grossen wenn auch schrumpfenden Kohleanteil.

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