«Bio Bistro» – eine etwas andere Restaurantkritik

Als kleines aber feines Bio-Restaurant hat sich das «Bio Bistro» im Gundeldinger Feld längst etabliert. Als Integrationsprojekt ist es der Gundeldinger Bevölkerung fast unbekannt. Grund genug, sich das Restaurant anzusehen. Zumal es die Tagessuppe ab Montag auch in der Markthalle gibt. Das «Bio Bistro» im Gundeldinger Feld gibt es seit 2002, es hat sich im […]

Als kleines aber feines Bio-Restaurant hat sich das «Bio Bistro» im Gundeldinger Feld längst etabliert.

Als kleines aber feines Bio-Restaurant hat sich das «Bio Bistro» im Gundeldinger Feld längst etabliert. Als Integrationsprojekt ist es der Gundeldinger Bevölkerung fast unbekannt. Grund genug, sich das Restaurant anzusehen. Zumal es die Tagessuppe ab Montag auch in der Markthalle gibt.

Das «Bio Bistro» im Gundeldinger Feld gibt es seit 2002, es hat sich im Quartier längst etabliert. Das Restaurant mit der Knospe-Zertifizierung von «Bio Suisse» bietet frische, saisonale und regionale Biokost an. Das Team von Andreas Seiler setzt dabei auf zwei Tagesmenues, Suppen, Salate und Sandwiches. Ein Teil des Angebots stammt aus dem eigenen Garten, der Rest vorwiegend aus regionalem Anbau. Besonders beliebt ist der eigene Honig. Auf dem Dach wohnen vier Bienenvölker, die Andreas Seiler selbst betreut

Wer hier isst, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern leistet auch einen sozialen Beitrag. Als Teil von «Transform», einem Betrieb des Bürgerspitals Basel, bietet es angepasste Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Und das Konzept scheint aufzugehen: «Bio Bistro» expandiert ständig.

Im Juli ist der Gastraum ins Eckhaus neben dem BaselBackPack umgezogen, dabei ist auch eine Aussenterrasse zur Gundeldingerstrasse hinzugekommen. Nebenan im ursprünglichen Raum wird nur noch gekocht. Andreas Seiler, gelernter Gastronom und Leiter des Bistros, ist mit der Entwicklung sehr zufrieden: «Wir machen keine Werbung. Und trotzdem ist das Bistro voll.» Ab nächsten Montag kommt ein weiterer Schritt: Das Bistro bietet seine Tagessuppe auch zu Mittag in der Markthalle an. Per «Velo Potage» wird jeden Tag eine andere Suppe mit dem Lastenfahrrad in die Markthalle gefahren. Für das Integrationsprojekt ist das aber nur eine Beilage.

Der Alltag ist wie in der normalen Gastronomie

«Eigentlich funktioniert unser Arbeitsalltag wie in der ganz normalen Gastronomie auch», erklärt Seiler. Momentan arbeiten im «Bio Bistro» neun IV-Rentner mit Pensen zwischen 50 Prozent und 80 Prozent und zwei Zivildienstleistende. Zwei Mitarbeiter sind gelernte Köche, die anderen Quereinsteiger.

«Die Besucher fragen manchmal schon, warum die, die hier arbeiten, eigentlich IV bekommen und nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten können», berichtet Andreas Seiler. Die meisten Angestellten leiden unter psychischen Beeinträchtigungen. Wovon im geschäftigen Mittagsbetrieb nichts zu bemerken ist.

Grosse Unterschiede zum ersten Arbeitsmarkt gebe es nicht, sagt der Teamleiter. Man müsse eben etwas flexibler sein. «Wir haben beispielsweise einen Mitarbeiter, der eine etwas längere Pause braucht, um sich zu regenerieren.» Darauf könne das Team dann eingehen. Oft reiche es schon aus, darauf zu achten, dass der Lärmpegel nicht zu hoch werde.

Falls jemand ausfällt, ist ebenfalls vorgesorgt. «Bio Bistro» kann das mit entsprechend mehr Stammpersonal kompensieren. «Letztlich haben wir auch Ansprechpartner im Bürgerspital, wenn wir sie benötigen sollten», sagt Seiler. Eine grosse Rolle spielt für ihn das Umfeld: «Das Gundeldinger Feld ist ein geschützter Rahmen. Wie ein kleines Entschleunigungslabor, das uns die Kantensprung AG zur Verfügung stellt.»

Eine Schwierigkeit bleibt

Pascal Biedermann von der Kantensprung AG, der aus seinem Büro zum Mittagessen ins «Bio Bistro» kommt, findet das gut. «Ich bin dann wohl der Entschleunigungsfaktor!», sagt er lachend. Ihm gefällt am besten der Znüni-Service, der vom Bistro aus jeden Morgen frische Gipfeli im Bauchladen in den Büros vorbeibringt.

Biedermann fühlt sich bestätigt. «Es war uns von Anfang an wichtig, dass das Projekt auf dem Areal auch vertreten ist und nicht nur Leute zum Arbeiten hergebracht werden.» In den Mikrokosmos des Gundeldinger Felds habe sich das Konzept  gut eingepasst. Unter anderem sorgt  «Transform» auch für die Begrünung des Areals und führt Servicearbeiten aus.

Eine Schwierigkeit gibt es allerdings: In erster Linie war das «Bio Bistro» als Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt gedacht. In der Realität ist das laut Andreas Seiler nur selten der Fall. Er hat die Erfahrung gemacht, dass das nicht gut funktioniert. «Man könnte ironisch sagen: der erste Arbeitsmarkt ist dafür noch nicht bereit.»

Bio Bistro

Gundeldinger Feld

Dornacherstr. 192

4053 Basel

geöffnet Mo-Fr 8h –17h

warme Küche  12h –14h

 

Konversation

  1. Um den Sprung in den 1. Arbeitsmarkt zu erleichtern, gibt es die Kampagne „die Charta“, die von vielen Arbeitgebern in der Region unterzeichnet wurde (www.diecharta.ch). Vielleicht trägt die Kampagne dazu bei, dass der erste Arbeitsmarkt künftig besser bereit ist für die Leute aus dem BioBistro. Auch wenn bisher erst weniger als ein Fünftel der unterzeichnenden Arbeitgeber wirklich entsprechende Stellen geschaffen haben.

    Übrigens: Das Essen im BioBistro ist wirklich frisch, gesund und gut!

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