Blattkritik mal anders

Eine ebenso kreative wie wahre Blattkritik wurde uns heute unaufgefordert eingereicht. Wir geben uns ja durchlässig für Inputs aus der Leserschaft. Und das nicht nur via Kommentarspalten. Auch die Tür zum Newsroom steht immer offen. Da kommen nicht nur Kuchen und Blumen rein, wie sich versteht. Vor einer halben Stunde beehrte uns eine Leserin mit […]

Eine ebenso kreative wie wahre Blattkritik wurde uns heute unaufgefordert eingereicht.

Wir geben uns ja durchlässig für Inputs aus der Leserschaft. Und das nicht nur via Kommentarspalten. Auch die Tür zum Newsroom steht immer offen. Da kommen nicht nur Kuchen und Blumen rein, wie sich versteht. Vor einer halben Stunde beehrte uns eine Leserin mit einer Blattkritik der besonderen Art: einer Auswertung des Geschlechterverhältnisses in sechs Ausgaben unserer Zeitung. Das Resultat sehen Sie in der Slideshow.

Zu ihrer «kleinen sonntäglichen Studie» schreibt Frau R.: «Eine Auswertung der Texte wäre wohl noch krasser.» Und: «Leider war keine Nummer mit diesen seitenfüllenden langweiligen FCB-Artikeln dabei.» Und: «Any comments?»

Tja, was soll man da sagen? Es ist uns bewusst, dass wir viel zu viele Männer im Blatt haben. Leider ist es aber so, dass die Welt, über die wir berichten, immer noch stark von Männern geprägt wird. Oder, positiv formuliert: Männer verbocken einfach viel mehr, und darüber zu berichten, ist ja unsere Aufgabe.

Vielen Dank jedenfalls für den kritischen Input, er soll uns eine Mahnung sein.

Konversation

  1. Das soll also eine „Studie“ sein?

    Wie alt mag die Urheberin wohl sein? 12?

    Klar, dass Männer öfters in den Medien erscheinen als Frauen. Wenn jemand z. B. Facebook verbockt, äh, gründet, ist das eben recht interessant. Dann berichtet man auch drüber, weil das auch gelesen wird.

    Müssen Frauen halt nur mal machen, dann berichtet schon wer drüber. Wer nix macht, steht eben nicht in der Zeitung, logo, oder? 🙂

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  2. Lieber Herr Weber, das sind doch mal konkrete Vorschläge, vielen Dank dafür! Ich kopier sie direkt mal in unsere Themenliste. Mehr Reportagen und Porträts stehen durchaus auf unserem Programm. Was die Themenplanung angeht, wollen wir uns weiter für Inputs aus der Community öffnen. Ich bitte um ein bisschen Geduld, denn der Umbau hat erst begonnen und hält uns ganz schön auf Trab.

    Zurück zum Thema: Wir nehmen uns die Kritik punkto Geschlechterverhältnis und Sprache zu Herzen, versprochen. Und an Herrn Stucki sei der Satz gerichtet, dass eigentliche Selbstverständlichkeiten natürlich thematisiert werden müssen, solange sie nicht Realität sind. Machen wir hier übrigens auch. Vielleicht noch nicht genug.

    Ein schönes Wochenende allerseits!

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  3. Es zeugt von unserer Gesellschaft dass wir immer noch so strenge Unterschiede zwischen Mann und Frau machen. Eigentlich sind wir doch alle Mitglieder dieser Gesellschaft. Warum ist es so wichtig ob ich einen Pimmel oder eine Muschi habe ? Warum der ewige Kapmpf zwischen den Geschlechtern. Warum die Diskussionen um Frauenquoten. Warum die Diskussionen um gleiche Löhne ? Warum Diskussionen um gleiches Rentenalter. Eigentlich wären das doch alles selbstverständlich. Egal weiblich oder männlich was ist da denn so verschieden ausser dem oben gesagten ?
    Ich kann mit dieser Blattkritik nichts spezielles anfangen, es ist zwar eine humorvolle Einlage aber sonst ?
    Es ist nicht das Problem der Tageswoche, es ist ein gesellschaftliches Problem dass wir so sind und immer noch in diesen schwarz/weiss oder anders gesagt in diesem Mann/Frau Schema denken.
    Bevor jetzt schon wieder Kritik kommt dass ich Mann/Frau und nicht Frau/Mann geschrieben habe, ich habs bewusst getan weil ich auch schwarz/weiss geschrieben habe und der Mann ja eher mit schwarz identifiziert wird…

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  4. Lieber Dani Winter, wollte nicht sagen, es sei alles von dieser Art. Die Favela-Geschichte ist ein gutes Gegenbeispiel. Marianne Känzig spricht mir aus dem Herzen. Mein Wunsch wäre: Mehr Raum für Reportagen in Text und Bild. Zum Beispiel: Mit einer Spitex-Pflegerin unterwegs, der Riesen-Einsatz einer koreanischen Studentin an der Musikakademie, der Leidensweg eines Krebspatienten und seiner ihn pflegenden Frau, Alltag in einer Kinderkrippe, eine Künstlerin/ein Künstler in der Schaffenskrise, Lust und Frust der Quartier-Aktivisten vom unteren Kleinbasel… Ihr habt sicher viele gute Ideen. Wäre bereit, mich an einem Reportage-Fonds zu beteiligen.

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  5. Eine Zeitung widerspiegelt ja nur die Gesellschaft und diese Kritik ist daher wohl eher eine Gesellschaftskritik, als eine Blattkritik. Anscheinend gibt es über Frauen einfach zuwenig interessantes zu berichten. Blättern sie doch mal eine Frauenzeitschrift durch. Da steht zwar viel über Frauen drin, aber kaum etwas das Zeitungsleser interessieren würde. Oder soll die TaWo darüber berichten was Paris Hilton bei der letzten Party für ein Kleid trug, nur damit die Frauenquote steigt? Und der FCB ist nun mal das Thema Nr. 1 in Basel.

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  6. (Die Geschichte (er)zählt. Nicht PC!)

    Mir als Mann käme es nie in den Sinn, ein Medium derart genderspezifisch zu zerlegen.

    Das hat nichts mit allem zu tun, was Emanzipation bedeutet.

    Das ist purer Männerhass!

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  7. Ich finde diese Blattanalyse ganz hervorragend. Man darf und soll die Dinge von verschiedenen Seiten aus betrachten. Die Leserin stellt deutlich dar, dass ein Ungleichgewicht herrscht. Ein Aspekt den man durchaus bei den weiteren Ausgaben berücksichtigen kann.
    Es wäre auch nicht verboten, über Menschen zu berichten, die anstatt Mist zu bauen, grossartige Dinge tun. Davon gibts ganz viele. Frauen und Männer.
    Wer weiss? Vielleicht macht eine Verschiebung in Richtung „mehr über Frauen“ die Tageswoche dann auf eine Weise spannend, ohne dass man auf den ersten Blick merkt warum. Vielfältiger eben.
    Die Leserin hat sich viel Arbeit gemacht, um ihre Kritik anzubringen. Sie hat nicht einfach nur einen schnöden Satz geschrieben. Und mitdenken tut sie auch. Das finde ich richtig toll.

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  8. Lieber Heinz Weber. Das will ich nun aber doch nicht auf uns sitzen lassen. Die TagesWoche zeichnet sich meines Erachtens gerade dadurch aus, dass sie sich nicht darauf beschränkt, der allgemeinen Agenda zu folgen, und «zwei Gross- oder Regierungsräte anzurufen und daraus eine Story zu machen». Ich könnte Ihnen jetzt ein Dutzend Beispiele von Storys aufzählen, die weder auf die von Ihnen geschmähte Weise zustandegekommen sind. Stattdessen frage ich Sie lieber, was Sie vermissen. Der Ball ist bei Ihnen.

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