Bürgergemeinde Basel: jede Woche ein Container Abfall aus dem Hardwald

Fast einen Kubikmeter Abfälle schleppt die Basler Bürgergemeinde im Durchschnitt jede Woche aus dem Hardwald zwischen Birsfelden und Muttenz – plus Kühlschränke, Autopneus, Mobiliar und anderes. Mittlerweile kostet sie illegaler Abfall über zehn Prozent aller Arbeitsstunden.

Die Abflusskanäle, die von den Italienern vor dem Zweiten Weltkrieg angelegt wurden, werden heute auch für die Entsorgung von Abfall benutzt. 2010

(Bild: Hans Peter Jost)

Fast einen Kubikmeter Abfälle schleppt die Basler Bürgergemeinde im Durchschnitt jede Woche aus dem Hardwald zwischen Birsfelden und Muttenz – plus Kühlschränke, Autopneus, Mobiliar und anderes. Mittlerweile kostet sie illegaler Abfall über zehn Prozent aller Arbeitsstunden.

In Stadtnähe sei das Litteringproblem deutlich grösser als etwa im Oberbaselbiet, stellte der für die Hard zuständige Revierförster Christian Kleiber am Mittwoch vor den Medien in Birsfelden fest. Die Hard sei besonders nahe und gut erreichbar und daher besonders betroffen. Manchen Waldbesuchern fehle leider der Respekt.

Der freie Zutritt zum Wald steht im Schweizer Zivilgesetzbuch, doch nicht alle benähmen sich korrekt wie Gäste auf fremdem Boden. Auch die Trinkwasser-Filterungs- und Speicherfunktion der Hard sei zu sichern, mahnt Kleiber. Der Hardwald misst rund 200 Hektaren; insgesamt bewirtschaftet die Bürgergemeinde der Stadt Basel knapp 700 Hektaren Wald in der Region.

Vom Einbauofen bis zu Gartenabfällen

Am Medientermin zeigte Kleiber jüngste Funde: Matratzen, Einkaufswagen, Stühle, Styropor-Verpackung, Fernseher, Ventilator, Teppich, Einbauofen, aber auch dutzende Autoreifen. Pro Jahr kämen alleine über hundert Reifen und Räder zusammen – sicher nicht alle von Privaten deponiert. Erwischt werde kaum je ein Abfallsünder.

Grössere Müllstücke werden entlang der Waldstrassen deponiert. Am Strassenrand finde man zudem auch viel Gartenabfälle, ebenfalls extra heimlich per Auto heran gekarrt. Solches stört nicht nur die Bodenflora, sondern bringt auch fremde Arten in den Wald. Alleine die Neophyten-Entsorgung beschere 250 Arbeitsstunden im Jahr.

Zwischen Littering und Vandalismus ist die Grenze fliessend: Bei Feuerstellen liege besonders viel Müll – auch Haushaltabfälle – und dort würden ganze, extra für Waldbesucher montierte Sitzbänke und Tische abgefackelt sowie Bäume per Axt gefällt. Einweggrills brennten zudem Löcher in Bänke, weil manche sich nicht bücken mögen.

Facettenreicher Wald-Vandalismus

Kleiber berichtet überdies von einer per Akkuschrauber in lebendes Holz gezimmerten Baumhütte, im Dutzend per Motorsäge gekappten Jungbäumen, einer fast zwei Meter tief gegrabenen Survival-Höhle oder durch Hanfpflanzen ersetztes Jungholz in Wildschutzgittern. Zertrümmerte Flaschen seien ferner eine Gefahr für Kinder und Hunde.

In Franken seien die Abfall- und Vandalismus-Schäden schwer zu beziffern, hiess es weiter. Zum einen stecke viel Arbeit etwa in den massiven Möbeln bei den neun Feuerstellen in der Hard; zum anderen fielen bei der korrekten Entsorgung dann noch die üblichen Gebühren an – zulasten des defizitären Forstbetriebs der Bürgergemeinde.

Unter dem Strich kommen fast 40 Kubikmeter Kleinmüll plus Sperrgut im Jahr in der Hard zusammen, den die Forstleute einsammeln. Neben den beiden wöchentlichen Autosammeltouren entlang der Strassen und zu den Feuerstellen ist mittlerweile auch noch eine Veloequipe wöchentlich in der ganzen Hard als Abfallsammler unterwegs.

Täter meist unbehelligt

Die Bürgergemeinde scheint ratlos, was man ausser Appellen gegen das Problem tun kann. An den heikelsten Terminen, warmen trockenen Sommer-Wochenend-Abenden, traut sich Kleiber nicht an die Hotspots, um für Ordnung zu sorgen: Die Übeltäter seien meist alkoholisiert und nie allein; das sei zu gefährlich. Und die Polizei habe andere Prioritäten.

Laut Bürgerrat Leonhard Burckhardt denkt man über eine Art Ranger nach, der auf Mandatsbasis die Forstleute von Aufsichtsaufgaben entlasten und präventiv sensibilisierend wirken könnte. Spruchreif sei dies indes noch nicht.

Konversation

  1. Viele Einwohner von Basel haben kein Verhältnis mehr zu ihrer Umgebung, ja nicht mal zum Quartier. JedeR nimmt sich möglichst viel Freiheit, um dann sich zu beklagen, wenn er sich anpassen muss. Dann leben diese Leute plötzlich in einem „Polizeistaat“. Liberalität erzeugt nicht automatisch Verantwortung. Das sehen wir überall. Sie erzeugt den „staatlichen Regulierungswahn“, den sie hinterher beklagt!

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  2. Die Polizei hat andere Prioritäten. Parkbussen in der Breite verteilen. Der Müll ist für die schützenswerte Natur gefährlicher als die Besoffenen deppen für die feige Polizei. Appell an Idioten hat noch nie funktioniert

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    1. Lieber Herr Alain, vermutlich haben Sie es nicht bekommen, aber die Fusion BS/BL wurde abgelehnt. Also kann der BS-Polizist, der in der Breite Parkbussen verteilt, nicht im Hardwald, welcher zur Gemeinde Muttenz gehört und somit im Kanton Basel-Landschaft liegt, Kontrollen gegen die Abfallsünder machen: Aber Hauptsache ist; Sie konnten Ihre Aversion gegen Polizisten loswerden.

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  3. @Karl Buschweiler
    was hat die Bürgergemeinde Basel
    mit dem Baselland zu tun?
    würde heissen der artikel ist falsch geschrieben ist oder
    „die verschiedenen Beteiligten (Bürgergemeinde
    Basel, Hardwasser AG, Forstamt beider Basel, Gemeinde Muttenz) genutzt werden.“
    etwa übersetzt, dass verarmte Baselbiet überlässt den müll
    der Bürgergemeinde und keiner merkt es.

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  4. „Die Bürgergemeinde scheint ratlos“
    mehr erwarte ich auch nicht…
    im Aargau hat es keine suggemüsli jeden tag in
    der gleichen strasse, keine fest installierte radarfallen.
    nein im Aargau hat es Schugger in privaten Pw s auch des
    nachts unterwegs, da hast du verloren wenn du müll im auto
    hast.

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