«Buy-Local»: Ein Label soll die kleinen Läden in der Region retten

Genug gejammert: Eine Gruppe von unabhängigen Ladenbetreibern lanciert ein Label für lokale Geschäfte und sagt dem Lädeli-Sterben den Kampf an. «Buy-Local» soll die Kundinnen und Kunden sensibilisieren und Kräfte bündeln.

(Bild: Nils Fisch)

Genug gejammert: Eine Gruppe von unabhängigen Ladenbetreibern lanciert ein Label für lokale Geschäfte und sagt dem Lädeli-Sterben den Kampf an. «Buy Local» soll die Kundinnen und Kunden sensibilisieren und Kräfte bündeln.

Die kleinen, unabhängigen Läden in der Region kämpfen ums Überleben. Viele Geschäfte haben im vergangenen Jahr aufgegeben, andere wechselten den Standort oder die Strategie, um ihren Laden zu retten. Gequält werden die Gewerbetreibenden vor allem von drei Problemen: den steigenden Mieten, dem Preisdruck und dem Online-Handel.

Der Druck auf die Geschäfte wächst seit Jahren, das Klagen war und ist entsprechend gross. Genug vom Jammern haben nun sieben Ladenbetreiber aus der Region, sie haben sich zum Verein Buy-Local zusammengeschlossen und lancieren ein gleichnamiges Label für unabhängige Geschäfte in der Region.

«Gemeinsam ist man stärker»

Das Ziel des Vereins ist getreu dem Motto «gemeinsam ist man stärker» ein Netzwerk von kleinen Geschäften. Wer mitmacht, profitiert von gemeinsamen Aktionen, gemeinsamer Werbung und Empfehlungen der anderen Mitglieder. «Einer allein kann nicht so viel Geld für Werbung aufbringen, gemeinsam lässt sich aber viel mehr Aufmerksamkeit erreichen», sagt Maya Itin, Genossenschafterin beim Buchladen Rapunzel in Liestal und Mitglied der Kerngruppe des Vereins.

Finanziert werden sollen die Werbematerialien und Aktionen aus der Vereinskasse, die durch die Mitgliederbeiträge gespiesen wird. Die Mitglieder erhalten dafür neben Zugang zum Netzwerk auch ein Label: Buy-Local. Der Verein vergleicht es mit einem Bio-Label. Buy Local verpflichte die Ladenbesitzer zu den Qualitätsmerkmalen des Vereins, der Kunde erhalte im Gegenzug die Garantie, dass er seine Stadt, sein Dorf und das lokale Gewerbe unterstützt, sagt Nathalie Steinle, Inhaberin vom Interieur-Geschäft Purpur in Basel und ebenfalls Mitglied der Kerngruppe.

Woher das Produkt stammt, steht dabei nicht im Vordergrund, sagt Itin: «Bücher werden beispielsweise nicht in der Region produziert, der Buchladen schafft dennoch Arbeitsplätze vor Ort im Gegensatz zum Internet-Versandhandel.» Es gehe darum, dass die Kunden darauf sensibilisiert werden, was die kleinen Geschäfte für die Region tun, ergänzt Steinle. Das Logo, das als Kleber an die Schaufenster der Mitglieder-Geschäfte kommen wird, soll das Bewusstsein dafür stärken. «Wir wollen den Wert des Einkaufens in den Vordergrund bringen und nicht den Preis des Produktes», sagt Steinle.

Bücher, Tücher, Lampen – alle Geschäfte sind willkommen

Die bisherigen Mitglieder von Buy-Local sind zurzeit fünf Buchläden und zwei Interieur-Geschäfte, der Verein steht aber allen unabhängige Geschäftsbesitzern offen – egal, ob der Metzger aus Allschwil, der Lampenladen aus Sissach oder der Schuhladen in der Innenstadt.

«Unser Fernziel ist, dass dem Verein Läden aus der ganzen Schweiz beitreten», sagt Itin. Nun gilt es aber erstmal die Geschäfte in der Region von der Kooperation zu überzeugen. «Schwierig ist das bisher nicht», sagt Steinle, «wir sind ja unterwegs und sprechen mit anderen Ladenbesitzern. Bisher kommt die Idee nur gut an.» Offizieller Start ist am 12. Februar mit einer Informationsveranstaltung.

Die Idee zu Buy-Local hatte Isabelle Hof von der Buchhandlung Ganzoni in der Spalenvorstadt. Ganz neu ist sie nicht, Hof hat sich vielmehr von ähnlichen Netzwerken in Deutschland und den USA inspirieren lassen, wo das Label bereits im Einsatz steht. Was mitunter ein Grund ist, dass man einen englischen Namen gewählt hat, obwohl es für die Region gedacht ist.

«Man kann jammern, aber man kann auch sagen Stopp, sich auf die Hinterbeine stellen und was gegen das Lädelisterben tun, das ist unser Versuch.»

Nathalie Steinle

Ob Buy-Local zum Erfolg wird, ist schwierig vorauszusagen. Die Initiantinnen und Initianten glauben allerdings daran. «Vielleicht wird es nicht in Umsatzzahlen messbar sein», sagt Itin, «aber es beschwingt einen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl, und man merkt, dass man nicht die einzige ist, die kämpfen muss, um zu bestehen.»

Auf jeden Fall ist es aber auch ein Impuls, ein Zeichen, sagt Itin, dass man nicht stehen bleibe, und das sei gerade für kleine Geschäfte wichtig, die um Aufmerksamkeit und Kunden kämpfen müssen. Oder wie es Nathalie Steinle sagt: «Man kann jammern, aber man kann auch sagen Stopp, sich auf die Hinterbeine stellen und was gegen das Lädelisterben tun. Das ist unser Versuch.»

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Für Geschäftsinhaber, die mitmachen wollen: «Buy Local» veranstaltet einen Informationsabend am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 19.30 Uhr im Unternehmen Mitte, Salon im 1. Stock. Moderation: Roger Ehret. Die Organisatoren bitten um Anmeldung.
Wer das Projekt unterstützen will, aber keinen Laden hat, kann dies auch als Gönner tun. Mehr Infos zum Label, Gönnerschaften und dem Verein unter: buy-local.ch

Die bisherigen Mitglieder von Buy Local:

buecherganzoni.ch Für Leute, die lesen und auslesen
buecherwurm.ch
Die Buchhandlung mit den Spezialgebieten China, Japan und Märchen
livingroom-basel.ch
Exklusive Möbel, Wohnaccessoires und Schmuck
purpur-basel.ch
Orientalisches Interieur, Deko, Musik & vieles mehr!
buchhandlung-reinach.ch
Die Buchhandlung in der Stadt vor der Stadt!
rapunzel-liestal.ch
Ihre Buchhandlung am Bahnhof Liestal
bbvv.ch/annemariepfister
Wir kennen uns aus in verlagsneuen und antiquarischen Büchern!

Konversation

  1. Bei unserer Initiative sind alle unabhängigen Geschäfte willkommen, die ihren Geschäftssitz in der jeweiligen Region haben. Wir bieten nicht nur Arbeitsplätze sondern wir zahlen unsere Steuern hier und tragen zur Wertschöpfung in der Region bei. Ausserdem ist es uns ein Anliegen, mit unseren individuellen Geschäften die Innenstädte und Quartiere zu beleben und mit zu gestalten.

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  2. die idee ist gut, nur diese läden . ch,
    sind händler, keine lädei
    wie wärs mit bauern lädeli, dem türken, chinesen
    und thai lädeli von neben an inkl. dem italiener
    um die ecke ohne .ch
    also zeigt was ihr draufhabt in der region, aber bitte
    nicht noch mehr buchhändler.ch bei denen ich auch
    per mail bestellen kann- danke.

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  3. und ich dachte schon, es gehe auch darum die ganze Produktionskette möglichst Lokal zu halten. So ist mir das zu wenig. Da kann ich mit dem gleichen Argument ja auch im H&M einkaufen. Diese Läden sind genauso lokal vor Ort und schaffen Arbeitsplätze…

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