Das rätselhafte Basler Brummen ist ein globales Phänomen

Anwohner im St.-Johann-Quartier plagt ein mysteriöses Brummen. Betroffene wohnen fast einen Kilometer voneinander entfernt. Ein schwacher Trost: Sie sind mit ihrem Problem alles andere als allein.

Es brummt rund um den Globus. Auch in Basel-Stadt. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen, schlaflose Nächte, physische und psychische Zusammenbrüche: Ein tiefer Brummton raubt Bewohnerinnnen und Bewohnern im Basler St.-Johann-Quartier den letzten Nerv, wie die «Basler Zeitung» berichtete. Einige Menschen ziehen gar aus ihren geliebten Wohnungen aus, weil an Schlaf – oder ein normales Leben im Wachzustand – wegen des Lärms nicht mehr zu denken ist.

Die Betroffenen im BaZ-Artikel wohnten östlich des neuen Biozentrums an der Wilhelm His-Strasse, nur wenige Schritte vom Rheinufer entfernt. Nun haben sich bei der TagesWoche weitere Betroffene gemeldet. Sie wohnen westlich des Biozentrums – ein Mann an der Hebelstrasse, ein Leidender mit seiner Frau am St.-Johanns-Ring. Luftlinie zu den Brumm-Opfern aus der BaZ: rund 750 Meter. Alle beschreiben exakt dasselbe Phänomen.

«Wie ein Schiffshorn tief unter der Erde»

Es möge vielleicht seltsam klingen, so ein Leser* gegenüber der TagesWoche, «aber ich kann bestätigen: Die Symptome Kopfweh, Schlaflosigkeit und Herzrhythmusprobleme treffen auch auf mich und meine Lebenspartnerin zu». Dafür verantwortlich sei das Brummen. Es mache sie beide «ratlos, weil es dafür kaum rationale Gründe gibt. Wir haben auch nicht den geringsten Hang zu Angstneurosen oder Hypochondrie.» 

Wenn es brummt, fühle es sich an, als sei man «radioaktiver Strahlung» ausgesetzt. Deshalb würden auch sie erwägen, wegzuziehen: «Irgendetwas ist hier nicht koscher.» 

Doch was? Über die Ursache der Brummtöne können sie ebenfalls nur spekulieren. Im Verdacht steht, wie bei manchen Anwohnern, an erster Stelle die Baustelle beim Biozentrum, die im Quartier für Vibrationen sorgt.

Alles ist möglich, nichts ist sicher

«Es klingt wie ein Schiffshorn, das tief unter der Erde ertönt», sagt ein weiterer vom Brummen geplagter Leser. Die Geräusche seien zum ersten Mal im Jahr 2016 zu hören gewesen. «Wir waren im Haus sicher, dass es etwas mit der Fernheizung zu tun hat.» Nach langem Hin und Her hätten die IWB jemanden vorbeigeschickt. «Der schraubte etwas an den Heizungen herum, liess etwas Druck ab.» Genützt hat es nichts: «Das Geräusch ist noch da. Es kommt aus dem Boden!»

Im Verdacht stehen nicht nur die IWB – auch der Leser an der Hebelstrasse hat das Gefühl, die Baustelle müsse «etwas ausgelöst» haben. Nur was? Die IWB wollen es nicht sein, und das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) hat bis jetzt keine Quelle gefunden, wie die «Basler Zeitung» berichtete. Messungen seien längst im Gange. Aber bisher konnte die Ursache des Brummens nicht gefunden werden.

«The Hum» – Basel brummt nicht allein

Es wird die Leidtragenden im St. Johann nicht trösten, aber sie sind alles andere als allein: Das Brummen ist ein globales Phänomen, hat gar einen Namen. «The Hum», oder auf Deutsch «Brummton-Phänomen», nennt sich die gehäufte Wahrnehmung von tiefen, niederfrequenten Tönen oder Geräuschen. Es kommt laut der BBC immer wieder vor.

In den 1970er-Jahren wurden Brummtöne in Grossbritannien laut und häufig – in den USA ist es der «Taos Hum», in England der «Bristol Hum», in Kanada der «Windsor Hum». Das Phänomen beschäftigt die Menschen immer wieder. In manchen Fällen gehen Experten von Ohrproblemen (Tinnitus) der Brummton-Klagenden aus – oder es werden psychologische Probleme diagnostiziert. 

Doch viele Brummton-Phänomene sind keine Einbildung, sondern messbar. So, wie es der Basler Fall ebenfalls sein soll. Den Bewohnern des St. Johann ist zu wünschen, dass es ihnen ergehen wird wie den Menschen, die unter dem «Seattle Hum» gelitten haben. Der ist mittlerweile verstummt: Die verantwortliche Firma, einmal gefunden, hat dem Brummen mit neuen Schalldämpfern auf ihren Maschinen den Garaus gemacht.

*Namen der Redaktion bekannt

Wer sich für eine Arbeit zum Brummton-Phänomen interessiert (Englisch): Deming, David. The Hum: An Anomalous Sound Heard Around the World. Journal of Scientific Exploration, Vol. 18, No. 4, pp. 571–595, 2004.

Konversation

  1. Bei uns Wasgenring wiederholtes Brummen. Sonntag um 23 Uhr. Morgens von 2-7 Uhr. Ganz klar Fernheizung. Dicke Leitungen im Keller. zwei Stockwerke tiefer. Hier 1. Stock.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Ein Kollege hatte dieses Problem auch. Als Ägyptologe wusste er sich Abhilfe zu schaffen. Er konnte einen Hohlraum unterhalb des Gebäudes lokalisieren. Er stellt seitdem wöchentlich Honig in einen kleinen Zugang zu diesem Hohlraum. Seither ist das Problem verschwunden.

    Danke Empfehlen (1 )
  3. Eine Kollegin hatte das auch mal. Grund waren Ameisenstrassen, die die Fassade hoch führten. Ein beherzter Insektizideinsatz hat Abhilfe geschaffen. Sie ist jetzt auf dem Hörnli.

    Danke Empfehlen (1 )
    1. Und das ‚humen‘ (Brummen) ist weg? Haben Sie sich darüber vergewissert? Dass die Kollegin es nicht mehr hört erscheint mir nach Ihren Schilderungen durchaus verständlich und nicht übernatürlich oder rätselhaft. Oder hat man das Insektizid eingesetzt, weil sie es gemerkt hatte und nur so getan als wären die Ameisen Ziel des Einsatzes? Also wer ist da vorbei gekommen, wieder die von der ‚IWB‘? Wissen Sie für was das B von IWB in Wirklichkeit steht? Ich muss jetzt abbrechen…

      Danke Empfehlen (1 )
    2. Ja, Nandu, das „human“, wie Sie es bezeichnen, ist tatsächlich weg. Ich konnte mich auf dem Hörnli vergewissern. Zum Insektizid und zu den Abkürzungen darf ich leider nichts Genaueres sagen – Sie verstehen.

      Danke Empfehlen (1 )
  4. Bei uns Wasgenring 74 nachts unregelmässiges Brummen. Die alte Frau nebenan hatte es bestätigt. Hab Kühlschrank, PC abgeschaltet, half nichts. Ich arbeite meist nachts, wegen den starken Immisionen: Abgase Autos und Rauchern nah den Fenstern.
    Auch einseitiger temporärer Tinnitus wegen jahrelanger Exposition in allernächster Nähe von zu lauten Computerventilatoren war nicht der Grund. Es liegt an der Überlagerung diverser Störquellen: Klimaanlage im Laden unten sowie im Kellern, Kühler am Automat draussen, Heizanlage sowie Elektrozähler, meist alt. wohnte vorher in Basler Vorort 38 Jahre lang, hier 25 Jahre(unfreiwillig…). Erhol mich zzt von 6 Monate alten Hustenreizproblemen. Werde gelegentlich auf dem Balkon eine Luftmessanlage mit WIFI installieren-kostet nur 100 Euro. Die offizielle liegt weit weg an gut belüfteter Stelle beim Kinderverkehrsgarten.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Vergessen: Arbeitete schon viel früher nachts als die neue Heizanlage montiert wurde. Erst ab dann ist mir das Brummen aufgefallen. Die alte Frau war offenbar sensibler. NB: Hatte immer ein sehr gutes Gehör.

      Danke Empfehlen (0 )
  5. Wir hatten das vor Jahren auch mal an der Amerbachstrasse. Während Wochen konnte ich kaum schlafen. Es stellte sich als Problem der Fernheizung heraus und konnte durch einen Ventilwechsel ausgelöscht werden. Allerdings wurden erst Schritte eingeleitet, nachdem ich nach mehrmaligem flehen schliesslich mit Mietminderung gedroht habe…

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Also doch, wie bei uns am Wasgenring 74. Jetzt kein Brummen mehr-war tagsüber nicht hörbar. Es ist eine Wohltat. Hat grossen Einfluss auf die Gesundheit neben all den anderen Immissionen.

      Danke Empfehlen (0 )
    2. Ja, es war nur nachts hörbar und ist auch nicht allen aufgefallen. Ich stand nachts stundenlang im Treppenhaus und habe gesucht, aber nichts gefunden. Bis eine Nachbarin mir ein Rohr im Keller gezeigt hat, dass den Brummton abgab.

      Danke Empfehlen (0 )
    3. War auch tags hörbar. weiss nicht wann es behoben wurde. vor 1/2 oder 1 Jahr war das Brummen noch da. Ich meine die IWB wollen das nicht an die Glocke hängen aus Haftgründen.

      Danke Empfehlen (0 )
  6. Himmelstrompeten ? Tiefe Frequenzen über längere Zeiträume können gesundheitsschädlich sein. Manche Menschen sind auch empfindlich auf elektromagnetische Wellen. Wir haben jede Menge unterirdische Verbindungen in der Stadt und Leitungen wo solche Störungen übertragen werden können, weit Auseinanderliegede Störorte sind deswegen nicht erstaunlich.

    Danke Empfehlen (0 )
  7. „Wenn es brummt, fühle es sich an, als sei man «radioaktiver Strahlung» ausgesetzt.“

    Auch wenn es sich um ein „Zitat“ handelt, steht nirgends geschrieben, dass man solchen Unsinn auch abdrucken muss. Etwas mehr kritischer Journalismus und etwas weniger Blick würde der TaWo sicher nicht schaden.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Wer radioaktive Strahlung spürt sollte sich Gedanken machen ob er sich nicht für den Nobelpreis nominieren lassen soll.

      Danke Empfehlen (1 )
  8. Das Brummen kommt vermutlich von der Elektroinstallation. Es ist entweder 50Hz (Netzfrequenz) oder 100Hz (zwei mal Netzfrequenz). Bei meinen Eltern an der Klingelbergstrasse kommt es eindeutig aus dem Sicherungskasten, von einem sogenannten „Schütz“, eine Art Relais, welche bei der Umstellung zwischen Hoch- und Niedertarif verwendung findet. Auch Transformatoren und Motoren brummen. Da ist nichts unheimlich oder unerklärlich, ausser man weiss nicht wo die Geräte stecken. Die Schwingungen können sich natürlich auch über Mauern weiterverbreiten, so dass es auch an Orten brummt wo keine Elektroinstallationen zu finden sind. Wenn es auf anderen Frequenzen brummt, vielleicht sehr tief, ist auch eine Luftströmung möglich, die einen ganzen Raum wie eine gigantische Orgelpfeife in Schwingung versetzt. Das Phänomen tritt nicht gehäuft auf. Nur die meisten beachten es nicht, aber wenn sie irgendwo davon lesen, merken sie es auch, und melden sich. So entsteht der falsche Eindruck einer plötzlichen Häufung.

    Danke Empfehlen (5 )
Alle Kommentare anzeigen (20)

Nächster Artikel