Der Kulturminister hat eine Schwäche für den Nazi-Staat

Der neue kroatische Kulturminister lobt einen Film, indem der Holocaust relativiert wird. Trotz weiterer Entgleisungen und anhaltender Rücktrittsforderungen hält die Regierung an Zlatko Hasanbegović fest.

Culture Minister Zlatko Hasanbegovic after a long-awaited speech about the scandal with a photograph where allegedly wears Ustasha cap 11.02.2016., Croatia, Zagreb - Culture Minister Zlatko Hasanbegovic after a long-awaited speech about the scandal with a photograph where allegedly, according to the weekly magazine News, wears Ustasha cap, has not officially responded to questions from reporters, but issued a statement to the media claiming that he is the opponent of any totalitarian regime and that his statements were taken out of context and that it is a political manipulation. He was also called out for an article in which he extolled the Ustasha, but he argues that he is not original author of the text. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY PatrikxMacek/PIXSELL Culture Ministers Zlatko Hasanbegovic After a Long awaited Speech About The Scandal With a Photo Where allegedly Wears Ustasha Cap 11 02 2016 Croatia Zagreb Culture Ministers Zlatko Hasanbegovic After a Long awaited Speech About The Scandal With a Photo Where allegedly According to The Weekly Magazine News Wears Ustasha Cap has Not officially responded to Questions from Reporters but issued a Statement to The Media claiming Thatcher he IS The opponent of Any totalitarian Regime and Thatcher His Statements Were Taken out of Context and Thatcher IT IS a Political Manipulation he what Thus called out for to Article in Which he extolled The Ustasha but he argues Thatcher he IS Not Original author of The Text PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY PatrikxMacek PIXSELL

(Bild: imago)

Der neue kroatische Kulturminister lobt einen Film, indem der Holocaust relativiert wird. Trotz weiterer Entgleisungen und anhaltender Rücktrittsforderungen hält die Regierung an Zlatko Hasanbegović fest.

Noch nicht einmal 100 Tage ist Kroatiens neue Regierung aus rechtskonservativer HDZ und wirtschaftsliberaler MOST im Amt, schon hat sie eine Kaskade von Skandalen produziert. Im Zentrum der Kritik steht der Kulturminister Zlatko Hasanbegović. Am Montag lobte er den Film «Jasenovac – Die Wahrheit» mit den Worten: «Solche Filme sind hilfreich, weil sie sich mit Tabuthemen befassen». Tatsächlich bricht der Film ein Tabu, aber hilfreich ist das nicht.

Das Machwerk stellt die Opferzahlen des Vernichtungslagers Jasenovac im «Unabhängigen Staat Kroatien» (Nezavisna Država Hrvatska, NDH) in Frage. Der NDH-Staat war ein Vasallenstaat der Nationalsozialisten von 1941 bis 1945, in dem Juden, Serben, und Roma von den Ustascha, den kroatischen Faschisten systematisch verfolgt und vernichtet wurden.

Die Historiker der Gedenkstätte Jasenovac haben die Namen und Todesdaten von 83’145 Menschen gesammelt, die vom Ustascharegime in dem Lager ermordet wurden. In einer detaillierten Liste führen sie 47’627 Serben, 16’173 Roma, 13’116 Juden, 4255 Kroaten und 1128 Muslime auf. Die Historiker rechnen damit, dass weitere Recherchen noch mehr Opfer zum Vorschein bringen.

Revisionistischer Historiker…

Den «Jasenovac»-Regisseur Jakov Sedlar beeindrucken diese Fakten wenig. Er erklärte am Dienstag im Interview mit dem kroatischen Fernsehsender HRT, dass die Zahl der Opfer übertrieben sei: «Ich glaube wir sprechen über 20’000 bis 40’000 Opfer.» Damit unterstützt er die Thesen rechter kroatischer Historiker, die Jasenovac als Arbeitslager und nicht als Vernichtungslager einordnen wollen. Einer dieser Historiker ist der Kulturminister Zlakto Hasanbegović.

Obwohl der Untertitel des Films «Die Wahrheit» lautet, scheint es der Regisseur mit ebendieser nicht besonders ernst zu nehmen. Wie das Onlinemagazin «Lupiga» herausfand, handelte es sich bei historischen Zeitungsartikeln, die im Film zur Beweisführung herangezogen werden, um Fälschungen. Der Wahrheit wurde mit Photoshop nachgeholfen. Während der Regisseur die Verbrechen der Faschisten relativiert, schimpft er seine Kritiker im Interview mit dem TV-Sender N1 als «Liberalfaschisten».

Viele Kulturschaffende in Kroatien befürchten, dass sich die neue Regierung in der Kulturpolitik das Nachbarland Ungarn zum Vorbild nimmt und vor allem «nationalistische Kultur» fördern wird. Bereits wurden Schlüsselpositionen in vielen Bereichen neu besetzt.

…mit rechtsextremer Vergangenheit

Den Kulturminister halten viele allein schon wegen seiner rechtsextremen Vergangenheit für unzumutbar. Die Wochenzeitung «Novosti» druckte ein Bild, das ihn im Jahr 1996 mit einer Ustascha-Mütze zeigt. Hasanbegović bezeichnete das Foto als Fälschung und witterte eine Verschwörung, hinter der er die serbische Minderheit in Kroatien vermutet: «Das ist ein weiterer Schritt in einer Reihe von Versuchen, mich moralisch zu diskreditieren und politisch zu liquidieren. Die «Novosti» wird vom serbischen Nationalrat beeinflusst.»

Das Foto war aber schon früher in der rechtsextremen Publikation «Nezavisna Država Hrvatska» («Unabhängiger Staat Kroatien») erschienen. Nachdem der Kulturminister das nicht mehr leugnen konnte, passte er seine Verteidigungsstrategie an und erklärte öffentlich: «Die peripheren Aussagen zu nutzen und selektiv einzusetzen, die ich während meiner Studienzeit machte, ist eine politische Manipulation.» Man könnte es auch so ausdrücken: Der Minister hat gelogen.

So unbeteiligt wie Hasanbegović nun tut, war er nicht. Sein Name findet sich im Impressum der rechtsextremen Zeitung. Er hat zudem Artikel geschrieben, in denen er die Ustascha unmissverständlich als Helden und Opfer stilisiert. 

Befreier? Kriegsvebrecher!

Es scheint nicht so, als habe sich Hasanbegović in den vergangenen 20 Jahren radikal verändert. Als Historiker konzentriert er sich vor allem darauf, die Verbrechen der Ustascha zu relativieren. Dabei setzt er sich gemäss eigener Aussage dafür ein, auch die Perspektive der Achsenmächte ernst zu nehmen und nicht immer nur die der Alliierten. Die derzeitige Perspektive der Geschichtswissenschaften werde laut dem Kulturminister von einer «israelischen Lobby» kontrolliert, die ihr eigenes Narrativ durchsetze.

Ausserdem ist Hasanbegović Mitglied des sogenannten Bleiburger Ehrenzugs, der jedes Jahr im österreichischen Kärnten der Ustascha-Milizionäre gedenkt, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden. Titos Volksbefreiungsarmee, die das Land von Nazis und Ustascha befreit hat, hält er für Kriegsverbrecher, den Antifaschismus für eine Floskel.

Zudem vertritt er die These, dass Kroaten und bosnische Muslime eine Nation bildeten, aber eben unterschiedlichen Religionen angehörten. Die meisten bosnischen Muslime lehnen diese Interpretation entschieden ab. Der faschistische NDH-Diktator Ante Pavelić nutzte seinerzeit diese These, um Muslime dem Vernichtungsapparat seiner Ustascha zuzuführen.

Selber Angehöriger der muslimischen Minderheit

Hasanbegović versucht, die bosnische SS-Division Handschar in ein neues Licht zu rücken. Den SS-Hauptsturmführer Husein Đozo nannte er in einem Interview mit der bosnischen Tageszeitung «Oslobođenje» eine der «markantesten und interessantesten Persönlichkeiten der bosnischen Muslime». Die Freiwilligen-Division wurde 1943 aufgestellt, nachdem SS-Reichsführer Heinrich Himmler öffentlich erklärt hatte, dass sich die Weltanschauung des Nationalsozialismus in der «Judenfrage» mit der des Islams decke.

Ironischerweise ist Zlatko Hasanbegović als Muslim der einzige Angehörige einer Minderheit im kroatischen Kabinett. Er beschuldigte seine Kritiker, ihn aufgrund seiner religiösen Zugehörigkeit zu attackieren. Der kroatische Mufti Aziz Hasanović tat diese Interpretation allerdings als unberechtigt ab.

In einer Erklärung schrieb die Islamische Gemeinschaft Kroatiens: «Die Angriffe auf Hasanbegović als islamophob oder antiislamisch zu bezeichnen, ist nicht gerechtfertigt und schändlich.» Die Islamische Gemeinschaft sei politisch neutral und stelle sich nicht hinter den Minister, steht weiter in der Erklärung.

Als Kulturminister für Gedenkstätten zuständig

Am kommenden 22. April findet wie jedes Jahr die Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Jasenovac statt, an der auch Vertreter der verfolgten Gruppen teilnehmen. Am Montag, 4. April, erklärte allerdings die jüdische Gemeinde von Kroatien, dass sie in diesem Jahr nicht an der Gedenkveranstaltung teilnehmen werde. Begründet hat sie diesen Entscheid mit der derzeitigen Banalisierung des Faschismus in Kroatien.

Kritiker monieren, die jüdische Gemeinde solle besser mit den betreffenden Stellen zusammenarbeiten, statt die Veranstaltung zu boykottieren. Das Problem dabei: Der Verantwortliche für Gedenkstätten ist der Kulturminister Zlatko Hasanbegović, dessen Rücktritt Vertreter der jüdischen Gemeinde bereits mehrfach gefordert haben.

Es ist beeindruckend wie es Hasanbegović es binnen weniger Wochen geschafft hat, einen grossen Teil der kroatischen Gesellschaft gegen sich aufzubringen. Umso mehr erstaunt es, dass die Regierung weiter an ihrem Kulturminister festhält. Viele Kroatien befürchten nun, dass unter der neuen Regierung der Nationalismuss der 1990er-Jahre wieder aufkommt. Wie die Beispiele Ungarn und Polen zeigen, wird die EU gegen diese Tendenzen wohl nichts unternehmen.

Konversation

  1. Leider ist diese Meinung in Kroatien heuzutage kein Einzelfall. Wenn man im Kroatien Urlaub von der Küste mal landeinwärts fährt sieht man überall die Symbole der Ustascha Faschisten. Auf Häuserwänden, T-Shirts usw..
    Ich war schon ziemlich erschrocken was da mittlerweile (wieder) los ist. Von der Liste meiner Urlaubsländer ist Kroatien jetzt gestrichen.

    Anzusehen auch in der Doku die letztens auf Arte lief: http://www.arte.tv/guide/de/064507-000-A/rechts-zwo-drei-driftet-europa-ab
    Auf 1:02 vorspulen dann kann man sich das Drama in Kroatien anschauen.

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    1. Sie haben absolut Recht. Es gibt viel Nazi-Gedankengut im Inland. Vor allem in Gebieten welche in den 90ern besetzt waren. Es liegt einerseits an der Erziehung bzw. vom Elternhaus, andererseits hat die Kirche sicherlich ihren (negativen) Einfluss und auch die schlechte Wirtschaftslage bzw. die allg. Depression führt zu solchen Bildern die Sie sehen mussten.

      Ich fände es schade, wenn Sie das Land abschreiben und von Ihrer Liste streichen, denn Kroatien hat viel mehr zu bieten als rechtes Gedankengut. Bedenken Sie bitte, das das Land effektiv politisch gespalten ist.
      Sie werden in Südserbien leider auch eher auf Nazi-Gedankengut treffen als das im Norden der Fall ist. Ich hoffe sie geben den Balkanländern in ein paar Jahren wieder eine neue Chance. 😉

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  2. Ich muss Ihnen Unrecht geben. Erstens gibt es in Serbien keine serbische Parteien mehr. Vucic war in der radikalen Partei und wurde zur US-Marionette. Alle Parteien sind gekauft von der Finanzmafia. Milosevic lehnte es ab den IWF anzunehmen und wurde zum Feindbild. Ich bin alles andere als ein Freund der serbischen Politiker. Sie können also gleich damit aufhören. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Westen bewusst überall die Politiker sprich ihre Marionetten radikalisiert und bewusst Hass schürt im Balkan. Das kommt aber davon, weil ich differenziert die Dinge betrachte und nicht emptional. Zu HDZ Ustaschabewegung als konservativ zu bezeichnen ist schon Realitätfremd. Erwähnen sie doch, dass es in Kroatien verboten ist, serbische Musik im öffentlichen Radio zu spielen obwohl die serbische Musikszene die belannteste in der Region ist. Zu Vukovar sind sie im Unrecht. Sie können gerne die kroatische Verfassung lesen. Dazu hibt es mehrere Berichte im Netz. Zu Seselj möchte ich kein Wort verlieren, weil ich kein Fan von ihm bin. Ich kann aber sagen, dass die Serben über 60 Personen nach Den Haag geschickt haben. Also vom Glaushaus zu sprechen ist einfach nur ignorant. Serbien wurde Opfer der Finanzmafia, IWF und der NATO! Sie leben doch nicht immernoch im Mainstream der 90ern? Mittlerweilen ist alles aufgedeckt und bekannt, dass die CIA und Deutschland Jugoslawien bewusst zerstört haben. Dabei haben sie die selben verbündete Vasallen missbraucht wie im 1.WK und 2. WK. Das können sie leugnen wie sie wollen, das wird aber jeder, der die Geschichte kennt wissen. Zu Kroatien muss man nur Jasenovac erwähnen und 700 000 Todesopfer. Wer muss dafür geradestehen?

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    1. Am 12. April 2009 hat, gestützt auf den Verfassungsartikel zum Schutz der Minderheiten, die Stadt Vukovar bzw. der Stadtrat (bestehend aus 29 Personen, davon 8 Serben) beschlossen, die serbisch-kyrillische Schrift in Vukovar auf offizieller Ebene wieder einzuführen. 13 Sozialdemokraten waren GEGEN diesen Entscheid, 11 Befürworter waren aus …–>der HDZ.

      Nun gut, ich teile Ihre Meinung das die HDZ sicherlich nicht nur aus konservativen Kräften besteht. Sie ist jedoch nicht mit der Ustaschabewegung gleichzusetzen, ebenso wenig wie die SDP mit der kommunistischen Partei Jugoslawiens zu verwechseln ist. Allgemein sollte man dazu bemerken, dass sich der politische Jargon in den letzten 20 Jahren ausschliesslich auf der Ebene Ustaschas, Cetniks und Partisanen bewegt. Auf diesem Niveau sollten wir uns zumindest in der Schweiz in einer Diskussion nicht bewegen.

      Was serbische Musik im kroatischen öffentlichen Radio angeht: WTF 😀 Sie werden doch wohl nicht wirklich behaupten, das serbische Musik in Kroatien verboten ist? Ein Radiosender wird ähnlich einem TV-Sender das spielen und zeigen, was ihm Quoten einbringt.
      Die Jugend im Balkan verbringt ihre Zeit auf YouTube wo ihnen irgendwelche vollbusigen Serbinnen ein Lied über Untreue vorsingen, während die 45+ Bevölkerung eben das Radio einschaltet und nicht unbedingt auf serbische Musik steht. Dafür muss man sich nicht entschuldigen, im Gegenteil, in Belgrad lechzen die Menschen nach einem Gibonni oder Oliver.

      Was ist aufgedeckt und bekannt? Es gibt viel Schundliteratur zum Thema Jugoslawien auch wenn ich Ihnen ihre Meinung nicht abstreiten will und kann. Klar gab es viele Interessenskonflikte aber aufgedeckt und bekannt ist da nichts wirklich. 🙂

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  3. Das ganze hat erst die ultranationalistin und Präsidentin Kolinda Kitarovic zum rollen gebracht. Sie wurde von der NATO bewusst installiert um wieder ärger auf dem Balkan zu schüren. Mit Militärparaden und regelmässiger Hetzerei gegen Serbien wird in Kroatien der Nationalismus bewusst gefördert. Das erinnert an den 2. WK und wir steuern gerade auf den 3. WK zu. Übrigens hat Kitarovic gleich die kyrillische Schrift in Vukovar abgeschaft und verboten obwohl 38% Serben in Vukovar leben. In der kroatischen Verfassung steht, dass in Regionen wo mehr als 33% nichtkroatische Bürger leben, das recht auf eigene Schrift haben. Liebe Tageswoche ihr könnt das gerne überprüfen! Die NATO schürt bewusst Hass und Radikalismus im Kosovo, Bosnien und Kroatien. SFDRS macht dieses faschistische Spiel mit den Albanern sogar mit und gewährt ihnen immer mehr Aufmerksamkeit und Sendezeit. Serbien muss Sterbien (Kleinrusse). Dem Vatikan und der NATO wirds freuen. Sie werden sich an meine Worte erinnern. Wer die Geschichte kennt, den wundern die ISIS Soldaten in Bosnien, Kosovo und die Radikalisierung in Kroatien keinesfalls. Schon im 1.WK und 2.WK waren das alles Vasalle und Verbündete.

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    1. Ich kritisiere gerne die kroatische Regierung aber ihr Kommentar ist undifferenziert. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Während in Serbien Vucics und Seseljs Propaganda uns politische Spielchen treiben, werfen Sie Kroatien Nationalismus vor.
      Die konservative HDZ hat übrigens 2007 noch das Gesetz FÜR die kyrillische Schrift in Vukovar unterzeichnet. Nach Ausschreitungen in Vukovar war es die sozialdemokratische SDP, welche die doppelsprachigen Plättchen aus dem Verkehr zog.
      Tut nichts zur Sache. Zum Artikel: Hasanbegovic ist unterste Schublade, der Artikel ist top recherchiert. Leider gibt es auf dem Balkan noch zu viele Menschen, die in der Vergangenheit leben. Der Exodus der ansässigen Jugend ist und war vorprogrammiert.

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