Dexter Doom & The Love Boat Orchestra

Kapitän Dexter Doom und seine Tanzkapelle «The Loveboat Orchestra» legen in der Kuppel zur Taufe an.

Überbordender Frontmann: Dexter Doom & the Loveboat Orchestra

Kapitän Dexter Doom und seine Tanzkapelle «The Loveboat Orchestra» legen in der Kuppel zur Taufe an.

In einer stürmischen Nacht, während eines mindestens ebenso tosenden Konzerts, soll das Unglück passiert sein: Unter ungeklärten Umständen sei Bandleader und Vorzeige-Crooner Dexter Doom über Bord des Kreuzfahrtschiffs gegangen, wo er und sein «Loveboat Orchestra» eben noch für Furore gesorgt hatten. Traumatisiert vom Verlust des verschwundenen Gründers und Mentors meidet seine experimentelle Kapelle seither die Weltmeere und buhlt nun ausschliesslich auf dem festen Boden der sieben Kontinente um «Rum und Ehre». So zumindest lautet die launige Legende, die sich «Dexter Doom & The Loveboat Orchestra» selber angedichtet haben – und welche die leicht schwankenden Leitplanken für ihre «skandalöse Liftmusik» bildet.

Schräge Vögel

Tatsächlich wird die neunköpfige Schweizer Combo von Sänger und MC Sebastian Bolli angeführt, der einst aus Mostindien gen Basel zog und sich in der Wahlheimat neben seiner Rolle als Bandleader auch einen Namen als stilsicherer Konzertveranstalter – ob Gipsy oder Funk, Indie-Rock oder Electro-Pop – gemacht hat. Auch wenn Bolli standhaft behauptet, «auf keinen Fall Dexter Doom zu sein», hat der hochgewachsene Hutträger eine illustre Schar schräger Vögel in Massanzügen um sich versammelt, die bei ihren gemeinsamen Auftritten ein feuchtfröhliches Feier-Feuerwerk zünden.

Aber Obacht! Bei seinem «Loveboat Orchestra» handelt es sich nicht einfach um Amateure: Ob an Orgel, Trompete oder Posaune, hinter den Orchestermitgliedern stecken allesamt waschechte Jazz-Virtuosen, die in schwindelerregendem Tempo von satter Balkan-Folklore zu beschwingt swingendem Easy-Listening, von schmelzendem Soul hin zum rasanten Ska-Stakkato wechseln, ohne auch nur eine Sekunde die eigene Coolness aufs Spiel zu setzen.

Feuchtfröhliche Party

All dies beweisen die acht Mannen und Bläserdame Rita Ekes auch auf dem Album «Kingston We Have A Problem», einer kolossalen (Inter-)Kontinentalplatte, wo Mani Matter auf britisches Kinderlied, Russendisco auf Indianerweise trifft. Klar, dass ein solches Werk gebührend getauft werden will. Dank Titeln wie «The Liquor Zone (Where We All Belong)» oder «Vodka Stolichnaya» wird dem geneigten Publikum auch rasch klargemacht, wie diese musikalische Weltreise live aussehen soll: feuchtfröhlich und spritzig, bis der Schweiss in Bächen fliesst, ein Abend, bei dem kein Auge, aber dafür der Humor trocken bleibt.

Da auch die Landratten hiesiger Gefilde dem gesponnenen Dada-Garn dieser Seemänner gerne lauschen oder sich berauschen lassen, muss man bei der Premiere höchstens zweierlei befürchten: dass der Rum in der Kuppel, wo sich die Kapelle die Ehre gibt, vorzeitig ausgeht. Und dass man nach dem Auftritt der frohen Bootschaft bereits zu Silvester mit einer katerstrophalen Attacke von Seekrankheit erwachen könnte.

  • Plattentaufe: Kuppel, Binningerstrasse 14, Basel. 30. Dezember, 21 Uhr.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 23/12/11

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