Die 7 Bücher des Jahres

Unzählige Bücher werfen die Verlage jedes Jahr auf den Markt, bessere und schlechtere. Mit welchen Büchern haben wir uns 2011 im Sessel verkrochen? Welche Geschichte hat uns nicht mehr losgelassen, welche uns etwas gelehrt, welche uns zum Lachen gebracht? Eine äusserst subjektive Auswahl. Unzählige Bücher werfen die Verlage jedes Jahr auf den Markt, bessere und […]

Max Frisch.

Unzählige Bücher werfen die Verlage jedes Jahr auf den Markt, bessere und schlechtere. Mit welchen Büchern haben wir uns 2011 im Sessel verkrochen? Welche Geschichte hat uns nicht mehr losgelassen, welche uns etwas gelehrt, welche uns zum Lachen gebracht? Eine äusserst subjektive Auswahl.

Unzählige Bücher werfen die Verlage jedes Jahr auf den Markt, bessere und schlechtere. Mit welchen Büchern haben wir uns 2011 im Sessel verkrochen? Welche Geschichte hat uns nicht mehr losgelassen, welche uns etwas gelehrt, welche uns zum Lachen gebracht? Eine äusserst subjektive Auswahl.

Max-Frisch-Biografien

100 Jahre alt wäre Max Frisch 2011 geworden. Gleich mehrere Biografien feierten dieses Ereignis, darunter einerseits Beatrice von Matts «Mein Name ist Frisch», andererseits Julian Schütts «Max Frisch. Biografie eines Aufstiegs». Beide widmen sich in unterschiedlicher Weise der einen Frage: Wer war Max Frisch? Während Schütt anhand von bislang unbekannten Briefen, Notaten und Dokumenten zu rekonstruieren versucht, wie Frisch zum Weltautor wurde, erzählt von Matt aus persönlicher Perspektive: Die Literaturkritikerin hat den Schriftsteller über Jahrzehnte kritisch begleitet. So sind die stärksten Passagen ihres Buches jene, in denen sie ihre Begegnungen mit Frisch beschreibt. Wer mehr über Frisch erfahren will, tut gut daran, beide Bücher zu lesen. (kng)

Marc-Uwe Kling: «Das Känguru-Manifest»

Mit seinen «Känguru-Chroniken» gelang dem Slampoeten Marc-Uwe Kling 2009 der Durchbruch als Autor. Völlig zurecht, sind die Erzählungen, die sich der Berliner ausgedacht hat, doch zugleich clever, witzig und erfrischend absurd. Ausgangslage: Marc-Uwe, ein Kleinkünstler, der sich nicht so bezeichnet haben möchte, hat einen neuen Etagen-Nachbarn. Ein Känguru, das boxt, Nirvana hört und gerne an Demos geht. Es dauert gefühlte fünf Stunden, dann zieht das schmarotzende Tier bei Marc-Uwe ein. Natürlich ohne Miete zu zahlen. Und ohne ihn wirklich zu fragen. Wer Teil eins gelesen hat, für dessen Vertonung Kling 2010 mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet wurde, der ist reif für die Fortsetzung. Herrlich komisch, dieser Lesegenuss. (mac)

Catalin Dorian Florescu: «Jacob beschliesst zu lieben»

Im November wurde er mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet: Catalin Dorian Florescu. In seinem sprachgewaltigen Entwicklungs-Roman «Jacob beschliesst zu lieben» erzählt er eine Lebensgeschichte und wirft einen Blick in die Historie Europas. In diesem fesselnden Roman lässt der Autor alle menschlichen Tugenden und Untugenden unvermittelt aufeinanderprallen. Und setzt dabei zugleich den Banater Schwaben ein Denkmal, dieser kleinen, tapferen Minderheit, die in Osteuropa ums Überleben gekämpft hat. «Denn», so der Autor, «es geht auch um Prozesse der eigenen Selbstbestimmung, um meine eigene Gegenwart besser zu verstehen und zu bewältigen. Da ist es egal, ob die Geschichte vor 300 Jahren spielt und der heutige Leser im 21. Jahrhundert lebt. Wir treffen uns in der Sprache, nicht im Plot. Und die Sprache muss kräftig sein.» (bsc)

Rick Riordan: «Percy Jackson – die letzte Göttin»

Welches Jugendbuch sorgt für Gesprächsstoff auf den Pausenplätzen, wer folgt eigentlich Harry Potter? Percy Jackson ist zwar kein Zauberer, aber bei Jugendlichen äusserst beliebt. Wers verpasst hat, stelle sich vor, die griechischen Götter seien zu Leben erweckt worden. Percy Jackson ist der Sohn des göttlichen Poseidon, seine Mutter ein Mensch. Auf faszinierende Weise bringen die Abenteuer von Percy den Jugendlichen die griechische Mythologie näher ohne den trockenen Mief der Schulstube. Edutainment würde man es im Heimatland des Autors Rick Riordan nennen. In diesem Jahr erschien der fünfte und damit letzte Band dieser Reihe. Für Nachschub sorgt Rick Riordan umgehend, mit den neueren Reihen «The Heroes of Olympus» (römisch-griechische Mythologie) und den «Kane Chronicles» – wobei letzteres lose auf der ägyptischen Mythologie basiert. (mac) 

Alex Capus: «Leon und Louise»

Alex Capus ist mit «Leon und Louise» ein Risiko eingegangen. Wer den Klappentext liest, könnte meinen, das Klischee einer Liebesgeschichte in der Hand zu halten: Ein junges Paar verliebt sich, der Krieg bringt sie auseinander, sie halten einander für tot, leben ihr Leben, bis sie sich zufällig wiedertreffen. Dass diese über 300 Seiten lange Geschichte nicht kitschig ist, verdankt sie vor allem der Sprache des Autoren. Ein grosser Teil der Geschichte stimmt mit der Biografie von Capus‘ Grossvater überein, der Rest ist Imagination. Vielleicht ist es diese Hintergrundinformation, die dem Leser das Märchenhafte der Geschichte glaubhaft macht. Ein schönes Buch, wenn auch nicht Capus‘ bestes. (kng)

Doris Knecht: «Gruber geht»

Gruber ist Mitte dreissig, knallharter Manager – und wenn er sich nicht grad durchs Nachtleben kokst, säuft und vögelt, gefällt er sich schlicht und einfach selbst in seinem Zynismus: ein klassisches Arschloch eben. Doch dann erfährt Gruber, dass in ihm ein bösartiger Tumor wächst. Und plötzlich gerät Grubers Welt- und Menschenverachtung ins Wanken. Vielleicht ist da doch noch mehr als Sex, Drugs und Shareholder Value? Vielleicht wartet am Ende seines Lebens sogar noch die grosse Liebe, in Form einer Berliner DJane, die in ihrem ganzen Wesen den Gegenpol zu Gruber verkörpert? Doris Knecht, Soziologin, DJane, ehemalige Tagi-Kolumnistin, hat mit «Gruber geht» eine Art «Homo Faber»-Fabel 2.0 veröffentlicht: Ein Roman, der trotz seiner Behandlung ewiger Menschheitsthemen aktueller nicht sein könnte. Dass er dazu auch noch sehr, sehr gut ist, verdankt sich ihrem rasiermesserscharfen Blick auf die Gesellschaft, der entwaffnenden Ehrlichkeit seiner Mono- und Dialoge und nicht zuletzt dem unnachahmlichen Wiener Schmäh seiner Autorin. (tah)

Mikael Krogerus /Roman Tschäppeler: «Die Welt erklärt in drei Strichen»

«Das kleine Buch der grossen Veränderungen» nennen Krogerus und Tschäppeler ihr bei «Kein und Aber» erschienenes, drittes Werk im Untertitel. Und tatsächlich beschäftigt sich «Die Welt erklärt in drei Strichen» in erster Linie mit Veränderungen – von den unscheinbaren Verschiebungen im Alltag bis zu den grossen Umwälzungen der Weltgeschichte. All dies anhand von klugen, differenzierten, humorvollen Einführungs- und Überblickstexten, sowie 52 erstaunlich einfachen und einleuchtenden, grafischen Modellen. Zu Themen wie TV-Serien und Multitasking, Latte Macchiato und Grundeinkommen, Schwarmintelligenz und Weltuntergang. Themen eben, die die Welt beschäftigen, und zu berechtigten Fragen führen wie: Warum haben wir immer weniger Zeit? Wieso ist alles so kompliziert geworden? Oder: Wer regiert die Welt? All dies im praktischen Hosentaschenformat, klein aber fein, fürs Unterwegslesen besser geeignet als iPad, Kindle & Co.: Einfach genial, dieses Büchlein. (tah)

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