Die Cherry-Connection

Heute Sonntag tritt Sängerin Neneh Cherry im Grand Casino Basel auf. Guter Grund, die vielfältige Musikerfamilie aus Schweden etwas näher zu beleuchten. Frauen haben im männerdominierten Rap-Geschäft noch immer einen schweren Stand. Die Schwedin Neneh Cherry gehörte zu den frühen Ausnahmen, die schon in den 80er-Jahren den Männern die Stirn bot. So wie ennet des […]

Neneh Cherry.

Heute Sonntag tritt Sängerin Neneh Cherry im Grand Casino Basel auf. Guter Grund, die vielfältige Musikerfamilie aus Schweden etwas näher zu beleuchten.

Frauen haben im männerdominierten Rap-Geschäft noch immer einen schweren Stand. Die Schwedin Neneh Cherry gehörte zu den frühen Ausnahmen, die schon in den 80er-Jahren den Männern die Stirn bot. So wie ennet des Atlantiks Queen Latifah oder Salt’n’Pepa, meldete sich mit ihr auch in Europa eine wortstarke Frau zu Wort – und stiess weltweit auf Gehör.

Heute Sonntagabend, 30. Juni (20.30 Uhr), tritt Neneh Cherry im Grand Casino Basel auf. Sie tritt mit den, auf elektronischen Grooves fixierten Londoner Brüdern Ben und Tom Page auf, besser bekannt als Rocketnumbernine. Das Trio präsentiert sein gemeinsames Projekt erst zum dritten Mal weltweit – und die schillernde Sängerin Neneh Cherry, 49, schlägt damit ein weiteres Kapitel in ihrer langen Karriere auf. Wir drehen die Zeit zurück, erinnern an ihre grössten Augenblicke – und an ihr nicht minder eindrückliches familiäres Netzwerk.

1. Neneh Cherry: «Buffalo Stance», 1989

Ende der Achtzigerjahre, als das Hip-Hop-Genre gerade von der Masse entdeckt wurde, sich Clowns wie Vanilla Ice oder MC Hammer mit Klunkern schmückten und Frauen bestenfalls als Kotflügelschmuck dienten, tauchte Neneh Cherry mit «Buffalo Stance» auf. Damit zeigte sie den peinlichen Hitparaden-Reimern, wo der Hammer wirklich hängt. Elektroklänge und unwiderstehliche Tanzrhythmen kreuzte sie mit scharfen Raps. Was heute noch erfrischt, ebenso Nenehs Abgesang auf Machos. Gigolos bezeichnet sie als «Sukka» und erklärt im Refrain: «No moneyman can win my love, it’s sweetness that I’m thinking of.»

2. Neneh Cherry: «Woman», 1996

Ihre Liebe gewonnen hat kein Goldketten-Gigolo, sondern der britische Co-Komponist Cameron McVey: Die beiden sind seit «Buffalo Stance», dem ersten gemeinsamen Hit, ein Paar – und leben heute mit ihren drei Töchtern nach Stationen in Malaga, London und New York wieder vorwiegend in Stockholm. Die von Neneh Cherry geforderte «Sweetness» manifestierte sich folglich auch musikalisch: In beseelten Balladen wie «Woman», das sie gemeinsam mit ihrem Gatten schrieb.

3. Massive Attack: «Unfinished Sympathy», 1991

Kein Zufall, dass sich «Woman» wie ein Mitläufer des Trip-Hop anhört. Denn ihr Gatte prägte den Sound aus Bristol massgeblich mit: Cameron McVey. Er nahm Massive Attack vor deren Durchbruch unter seine Fittiche und trug damit auch ein Stück weit zum stilbildenden Sound bei. Auf der anderen Seite verpasste der britische Songwriter und Produzent Jonny Dollar sowohl Neneh Cherry als auch Massive Attack den letzten Schliff. Kein Wunder also auch, dass «Woman» von Neneh Cherry an «Unfinished Sympathy», gesungen von Shara Nelson, erinnert.

4. Neneh Cherry: «Manchild», 1989

Der zweite Hit ihres Debütalbums: Ein wenig sanfter als «Buffalo Stance», aber nicht weniger eindringlich. So schlug auch «Manchild» ein wie eine Bombe und liess selbst auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans die Tanzflächen vibrieren. Was Madonna, stets auf der Suche nach den neusten Trends, nicht entging. 1990 veröffentlichte sie die Single «Justify My Love» – ein Stück Erotik, dessen Beat verdächtig stark an Neneh Cherrys «Manchild» erinnert.

5. Don Cherry & Terry Riley: «Untiteld», 1975

Die musikalische Neugierde wurde Neneh Cherry quasi in die Wiege gelegt: Ihr leiblicher Vater war Amahdu Jah, ein Musiker aus Sierra Leone. Aufgewachsen ist sie aber bei ihrer Mutter, der schwedischen Malerin Monika Karlsson, sowie bei ihrem Stiefvater, Don Cherry, der es als Jazztrompeter bereits zu Weltruhm gebracht hatte, als Neneh in die junge Hip-Hop-Szene eintauchte und eine Generation nach ihm ebenfalls elegant zwischen Avantgarde und Pop pendelte.

Natürlich spielte Don Cherry auch klassischen Swing, nachzuhören etwa in Form dieser Hommage an Thelonious Monk (mit Herbie Hancock am Klavier). Aber fast faszinierender hören sich seine Ausflüge in die Experimentalmusik an, zum Beispiel die Improvisationen mit dem kalifornischen Minimalmusiker Terry Riley. Schön, schräg und zugleich chillig.

6. Eagle Eye Cherry: «Save Tonight», 1998

Fehlt noch der dritte Cherry im Bund: Eagle Eye, Nenehs jüngerer Halbbruder. Er war gerade mal 12 Jahre jung, als ihn seine Eltern Don und Monika von Stockholm nach New York brachten und ihn dort in eine Musikschule schickten. Zunächst als Schlagzeuger tätig, wandte sich Eagle Eye zunehmend dem Songwriting zu und verbuchte mit seinem ersten Album auch gleich seinen grössten Hit: «Save Tonight».

7. Rip Rig + Panic (feat. Neneh Cherry): «You’re My Kind Of Climate», 1982

Vor, während und nach ihrer eindrücklichen Solokarriere hat Neneh Cherry immer wieder mit Kollaborationen aufhorchen lassen. Sei es im Duett mit Youssou N’Dour in «7 Seconds», in den Formationen CirKus (Elektrosoul) oder – im vergangenen Jahr – mit den Freejazzern von The Thing. In Basel präsentiert sie ihr neuestes Projekt, gemeinsam mit dem Londoner Elektronik-Groove-Duo Rocketnumbernine, die 2011 für Radiohead eröffnen durften und deren Debütalbum «MeYouWeYou» Ende Monat veröffentlicht wird.

Damit schliesst sich ein Kreis in Cherrys Karriere, die schon mit experimentellen Sounds begonnen hat. Sie war gerade mal 18-jährig, in London gelandet, als sie mit der Gruppe Rip Rig + Panic Stile wie Postpunk, Jazz und Funk kombinierte. Auch das: noch immer hörenswert.

 

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