Die Uni Basel schreibt an der Geschichte von Namibia mit

Die Geschichtschreibung Namibias ist geprägt von der Sicht der Weissen. Basler und namibische Studentinnen versuchen nun die andere Sicht der Geschichte zu zeigen – mit Fotos aus Privatsammlungen. Eine erste Ausstellung eröffnet diesen Freitag im Zentrum für Afrikastudien am Klosterberg. Die internationale Ausstellung «Photographs beyond ruins» ermöglicht einen einzigartigen, alternativen Blick auf die Geschichte einer […]

Cecilie Geises als Captain des All Red Netball Teams Usakos auf dem Sportplatz der old location.

Die Geschichtschreibung Namibias ist geprägt von der Sicht der Weissen. Basler und namibische Studentinnen versuchen nun die andere Sicht der Geschichte zu zeigen – mit Fotos aus Privatsammlungen. Eine erste Ausstellung eröffnet diesen Freitag im Zentrum für Afrikastudien am Klosterberg.

Die internationale Ausstellung «Photographs beyond ruins» ermöglicht einen einzigartigen, alternativen Blick auf die Geschichte einer Kleinstadt in Namibia in den 1920er- bis 1960er-Jahren. Die Szenerie ist Usakos, die Protagonistin Cecilie Geises, das Ziel eine neue Geschichte.

Die Bilder aus der privaten Fotosammlung von Cecilie Geises erzählt die Geschichte von Usakos. Aufgrund seiner natürlichen Wasserquellen und geographischen Lage am Rande der Namibischen Wüste wurde die Kleinstadt im frühen 20. Jahrhundert zum Zentrum der damals einflussreichen Eisenbahngesellschaft OMEG (Otavi Mines and Railway Company). Dies führte bis in die 1950er-Jahre zu einem stetigen wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt. Es hielt allerdings nicht lange: In den 1960er-Jahren wurde Windhoek, die heutige Hauptstadt, das neue Eisenbahnzentrum. Viele Arbeiter folgten der Bahn und verliessen Usakos.

Der wirtschaftliche Abschwung in Usakos fiel zeitgleich mit der rücksichtslosen Umsetzung der Apartheidgesetze der Kolonialmacht Südafrika (1915-1990) zusammen. Mitte der 1950er-Jahre begann die Planung für eine radikale Umgestaltung der Stadt, wobei die Bevölkerung nach ethnischen Gruppen in eigene Quartiere (townships) zwangsweise umgesiedelt wurde. Cecilie Geises, die diese bewegte Zeit der Zwangsumsiedlung durch die Apartheid miterlebte, zeigt mit ihren Fotografien ihr Leben in der old location von Usakos.

Eine ganz besondere Stärke der Fotosammlung besteht darin, dass es sich hier immer um Bilder von Individuen, namentlich bekannten Menschen handelt, die von lokalen Fotografen aufgenommen wurden und daher nicht – wie in vielen öffentlichen archivarischen Sammlungen – als Mitglieder einer Gruppe, Ethnie oder eines Stammes dargestellt werden.

«Usakos – Photographs Beyond Ruins» ist ein internationales Projekt des Zentrums für Afrikastudien Basel, das von Studierenden und Dozierenden der Universitäten Namibias und Basels in Zusammenarbeit mit einer Kuratorin und einem Fotografen aus Kapstadt (Südafrika) entstanden ist. Es besteht aus insgesamt drei Ausstellungen, wovon eine als Dauerausstellung in Usakos (Namibia) selbst gezeigt wird. Diejenige in Basel ist eine von zwei Wanderausstellungen, die durch Südafrika und Europa ziehen. Hier in Basel wird sie zum ersten Mal mit den Ergebnissen der gemeinsam betriebenen studentischen Forschung aus Namibia präsentiert.

Konversation

Nächster Artikel