«E-Bike-Fahrer sind sich der Gefahr nicht bewusst»

Unser Community-Mitglied und Lastwagen-Chauffeur Martin Krumm findet, dass E-Bike-Fahrer besonders vorsichtig sein sollten, weil ihre Stromvelos kaum von normalen, langsameren Fahrrädern zu unterscheiden sind. Was denken Sie? Beteiligen Sie sich an unserer ersten Debatte im neuen Gewand!

(Bild: Nils Fisch)

Unser Community-Mitglied Martin Krumm findet, dass E-Bike-Fahrer besonders vorsichtig sein sollten, weil ihre Stromvelos kaum von normalen, langsameren Fahrrädern zu unterscheiden sind. Was denken Sie? Beteiligen Sie sich an unserer ersten Debatte im neuen Gewand!

Das E-Bike – welch ein grossartiges Fortbewegungsmittel. Sieht aus wie ein Velo, ist genau gleich zu bedienen, aber viel schneller.

Und da liegen auch die Gefahren – diese Bikes werden in den Köpfen der Automobilisten immer noch als Velo wahrgenommen. Im Strassenverkehr entscheiden oft Sekundenbruchteile, wie wir uns verhalten. Geleitet wird dies über unser Sinnesorgan Nummer eins, das Auge.

Das Auge nimmt das E-Bike durch die Bewegung des Menschen als Velo wahr; beide werden mit den Beinen betrieben. Einziger gravierender Unterschied ist die Geschwindigkeit. Für Menschen ist es schwer, die E-Bikes von Velos zu unterscheiden. Darum appelliere ich auch an die E-Bike-Fahrer, nicht mit Highspeed auf Kreuzungen zuzufahren und nicht die «Mödeli» von den Velofahrern zu übernehmen – Stichwort Rotlicht und Vortrittsregel.

Der Automobilist wird es euch danken.

Was denken Sie zum Thema E-Bikes? Sind sie gefährlicher als normale Fahrräder? Diskutieren Sie mit in unserer neuen Debatte!

Konversation

  1. Lieber Herr Krumm
    Ich habe die Debatte mit Interesse verfolgt. Bei Ihrem Start-Statement befürchtete ich, dass es hier auch um das gegenseitige Ausspielen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer geht.
    Ihr letzter Beitrag zeigte mir aber deutlich, dass es um das gegenseitige Wahrnehmen und respektieren geht.

    Vor sehr vielen Jahren war ich mit meinen Vater im Tessin in den Tälern hinter Locarno am Wandern. Wir wanderten von einem Tal über die Hügel in das nächste. Da uns das letzte Postauto vor der Nase weggefahren war, machten wir Autostop. Weit und breit kein Auto nur ab und zu ein LKW, weil dort eine Staumauer gebaut wurde. So stoppten wir einen solchen. Die Fahrt war herrlich, so weit über dem Boden, diese Sicht! Es kam mir vor, wie wenn ich über dem Boden schwebe.

    Mein nächste nähere Begegnung mit einem LKW war eher ein grosser Schrecken. Das war hier in Basel. Ich fuhr auf der damaligen Ringstrasse mit dem Velo oder Töffli. Da überholte mich so ein Brummi und spurte wieder ein – zu früh – ich war eingeklemmt zwischen dem Fahrzeug und dem Anhänger. Mit einem mutigen Sprung konnte ich mich mitsamt Velo auf das Trottoir retten. Inzwischen wurde ja der tote Winkel erkannt und die Spiegel entsprechend verbessert.

    Ausser dem LKW, wo ich nur einmal Mitfahrerin war, bin ich alle Kategorien selber gefahren mit ganz unterschiedlichen Fahrzeugen. Ich finde, dass mir das eine gute Hilfe im Verkehr ist, weil ich da die Fahrweise und die Möglichkeit in brenzligen Situationen zu reagieren so viel besser abschätzen kann.

    Seit nunmehr über 25 Jahren fahre ich nur noch Velo und habe während einiger Jahre mit einem Posttöffli Zeitungen vertragen.
    Seit ca. 4 Jahren habe ich nun auch ein e-bike. Ich habe es gekauft, weil ich aus gesundheitlichen Gründen keine Kraft mehr hatte, grössere Strecken mit dem Velo zu fahren.
    Aus meiner Sicht finde ich die e-bikes nicht gefährlicher als andere Fahrzeuge. Es kommt wie bei jedem Fahrzeugtyp auf den Halter an, der das fährt. Ja, ich bin schneller, allerdings sind die Bremsen auch sagenhaft gut und zuverlässig, wie ich das bei einem „normalen Velo“ noch nie erlebt hatte.

    Jetzt, wo es mir wieder viel besser geht, hatte ich immer mehr das Gefühl, dass zwischen mit und dem Velo (e-bike) und mir etwas störend ist. Ja, das ist die Unterstützungshilfe. So habe ich mir nun spontan ein Rennvelo gekauft. Hier stimmt es wieder. Und oh Wunder – ich bin praktisch gleich schnell wie mit dem e-bike. Allerdings bietet das e-bike und auch stabiler gebaute Velos viel mehr Spurstabilität.

    Das Wichtigste im Verkehr, finde ich, dass man klar zu erkennen gibt, was man im Sinn hat. Wenn ich als e-bikerin ein Velo überholen will, muss ich schon schauen, ob ich damit kein Auto ausbremse. Oder wenn ich auf die äussere Spur wechsle, schaue ich, neben dem Zeichen geben, in die Richtung des Autos vor dem ich die Spur überqueren will. Dann merke ich schnell, ob es mich durchlassen will oder nicht. Ueberhaupt finde ich Augenkontakt sehr hilfreich. Ich mache da sehr gute Erfahrungen.

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  2. Dank an alle die sich hier aktiv beteiligen. Es geht mir in erster Linie darum das wir gegenseitig von einander lernen und nicht E-Bike-Bashing zu betreiben. Ich bin täglich mit dem LKW unterwegs und sehe manch brenzlige Situatione miterlebt. Ich gehöre im Strassenverkehr zu den „stärksten“ und als solcher muss ich auch auf die „schwächeren“ aufpassen. Es braucht einige Meter um 32 Tonnen zum Stillstand zu bringen und genau so braucht es auch seine Zeit um diese Masse wieder in Bewegung zu setzen. Der Verkehr wurde in den vergangenen Jahren immer dichter und manche älteren Menschen sind heutzutage etwas am Limit was den Stress und Beobachtung angeht.
    Wenn diese Debatte dazu führt das wir uns gegenseitig wieder etwas mehr in die Augen schauen, dann haben wir schon das Ziel erreicht.
    Augenkontakt baut Gefahren ab !!!
    Zum Thema Verkehrsunterrichet vom Schuuger. Was Hänschen nicht lehrt, lernt Hans nimmer mehr. Ich habe gelehrnt nicht neben einem stehenden LKW vorbei zu fahren. Im nachhinein kann ich es von der Seite des Chauffeurs betrachtet sehen und muss dankbar für diese Aussage sein.
    Jeder Tote oder Schwerverletzte im Strassenverkehr ist einer zu viel und vergesst nicht….. 2-Räder, egal ob muskel-,elektrisch- oder benzinbetrieben, haben keine Knautschzone die Leben schützen kann.

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  3. Mit Ihren Aussagen „E-Bikes – so tun, als würde man Fahrrad fahren“ und „Etwas für ganz schwache, in mancherlei Hinsicht“ stehen Sie mit dieser Aussage wieder einmal alleine weit im Schilf, wie Sie selber sehen können.

    Wenn etwas ganz, ganz schwach ist, dann sind es die tausenden von bequemen Automobilisten, die zwei Mal täglich aus der Agglo in die Innenstadt fahren und zurück, immer schön klimatisiert, Sommer wie Winter.

    Vor jedem, der bewusst auf ein (E)-Bike oder den ÖV umsteigt ziehe ich den Hut. Wer dies nicht tut obwohl er könnte, den finde ich schwach – in mancherlei Hinsicht!

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  4. Eventuell ein etwas pragmatischerer Ansatz?

    Einfach 5 Minunten früher aus dem Haus gehen.!

    Dann kann Mann und Frau sich auch ab und zu, ab all den freudigen Dingen, wie:
    -dem Rentner der noch fit genug ist, für`s Fahrrad
    -dem schnittigen Sportwagen, den ich auch gerne fahren möchte
    -den Eltern, die ihr Kind am Fussgängerstreifen instruieren
    -dem Fahrradfahrer, dessen Hund parallel auf dem Trottoir läuft
    -dem Pärchen im Auto, das das Grünlicht verschläft, weil es mit Lachen beschäftigt ist

    -Dem Auto, das rechtzeitig noch bremsen kann
    -Dem Brummi, der an dem Fussgängerstreifen anhält

    -Den vielen entspannten Menschen

    -und eventuell ab meinem Optimismus

    In dem Sinne:

    Slow down, take it easy……

    oder auch:

    Chill dis Läbe, Aldee

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  5. Ich habe Verständnis für Herr Krumms Argument, halte es aber für zu einfach. Selber bin ich ein herkömmlicher, aber sehr schneller Radfahrer. Schon mehrere Male habe ich E-Bike überholts und musste durch meine Fahrweise des Öfteren erleben, dass unachtsame Autofahrer die Situation falsch einschätzen.

    Meiner Meinung nach hat sich durch die Verbreitung von E-Bikes nicht unbedingt die Höchstgeschwindigkeit von Radfahrer stark erhöht, sondern der Anteil an schnell fahrenden Radfahrer ist gewachsen. Die Radfahrer allgemein zu verantwortlichem Fahren auffordern ist bestimmt nicht falsch, allerdings kann ich diese Aufforderung nur an alle anderen Verkehrsteilnehmer zurück geben.

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  6. Ich lebe motorlos und muss M. Krumm recht geben. E-Bikers sind sich oft der Geschwindigkeit und Gewicht ihres Gefährts nicht bewusst. Das zeigt sich z.B., wenn sie in einer Kurve des Velowegs auf der Gegenfahrbahn daher kommen, weil sie die Fliehkräfte unterschätzt haben.
    Ganz allgemein muss ich leider sagen, dass seit dem Aufkommen der E-Bikes die Velowege unsicherer geworden sind. Und das ist schade, weicht man als Velofahrer ganz bewusst auf diese aus und nimmt sogar Umwege in Kauf, der Sicherheit wegen. Aber nun haben die Rastlosen, hektisch getriebenen Zeitgenossen auch noch den Veloweg entdeckt…

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  7. @Hürlimann Gibt’s diesen Unterricht vom Schugger also nicht mehr? Ich als Velopendler sehe nicht, dass sich Autofahrer in der Stadt allzuoft rücksichtslos verhalten. Vor allem im Vergleich zu Velofahrern, von denen 3/4 keine Verkehrsregeln zu kennen scheint. Das Respektieren von Vortritt, roten Ampeln, Fussgängerstreifen, Fahrverboten etc. ist wohl eher ein Velofahrerproblem. Selbst ein Kind auf dem Rücksitz hindert nicht daran, bei rot auf eine befahrene Kreuzung zu fahren – das erlebe ich mehrmals wöchentlich. Auch unplugged bikers sind da nicht sehr vorbildlich.

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  8. Basel first, Angelo Rizzi
    Vielleicht hatten Sie die Gelegenheit noch nie, aber sie würden sich wundern, wie viele in Geschäftsparkhäusern abgestellte Autos BS-Nummern haben.

    Und Basel ist eine Kleinstadt.

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  9. @ der oliver; wenn ich das richtig interpretiere, gilt dann auch: viele Autofahrer sind sich aber nicht bewusst, dass man in einer mit Fussgängern, Schulkindern und Velos stark frequentierten Strasse nicht mit über 25 kmh mit dem Auto an allen vorbeirasen kann.
    Ich glaube, da wären sehr viele einverstanden!
    Ansonsten kann ich mich nur dem Kommentar von Alois Karl Hürlimann anschliessen.

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