Ein Leben im Banne des #

Ilenia Toma kauft weder Klamotten noch Zahnbürsten, jedenfalls kaum. Was sie trägt, wird ihr zur Verfügung gestellt. Ilenia, die Birsfelderin, die man besser als ilivanilli kennt, ist Bloggerin. Bald schon will sie davon leben.

Ilenia Toma ihrem Allerheiligsten, fotografiert von Freundin und Fotografin Jen Ries.

(Bild: Jen Ries)

Ilenia Toma kauft weder Klamotten noch Zahnbürsten, jedenfalls kaum. Was sie trägt, wird ihr zur Verfügung gestellt. Ilenia, die Birsfelderin, die man besser als ilivanilli kennt, ist Bloggerin. Bald schon will sie davon leben.

Die Kellnerin serviert den Kaffee samt Keks und Wasserglas auf einem Schiefertablett. Ilenia Toma und Jen Ries grinsen sich an: «Mega schön.» Schon verrenken sie sich mit ihren Smartphones, suchen den besten Winkel, knipsen. Sekunden später ist das beste Bild auf Instagram, #ilivanilli, 19’000 Follower. Das Fotografieren von allem, sagt Ilenia grinsend, gehöre dazu.

Ilenia Toma, die in Birsfelden aufwuchs und da immer noch lebt, Mutter Französin, Vater Italiener, ist Mode- und Design-Bloggerin. Nicht zwischendurch und so nebenbei als Hobby, sondern richtig. Zwar hat sie noch einen «day job», wie sie ihren Beruf nennt: Sie führt einen Coiffeur-Salon mit ihrer Mutter.

Doch wenn ihre Pläne aufgehen, lebt sie schon bald vom Bloggen – «und Coiffeuse bin ich dann nur noch zum Hobby». Gerade hat sie einen grossen Schritt dafür getan: das Redesign ihrer Website, ilivanilli.com, Launch ist am 3. Oktober 2015 in Birsfelden. Als sie vor vier Jahren zu bloggen begann, hatte sie von Computern keine Ahnung, ihre erste Site, sagt sie, sei dilettantisch gewesen.

In ganz Europa unterwegs

Auf ihrem Blog schreibt sie über Mode und Accessoires, über Schuhe und gelegentlich über Kosmetika. Vielleicht kann sie die beworbenen Artikel behalten, vielleicht nicht. Manches kauft sie sich durchaus noch selbst, die Bluse von Isabel Marant oder die Tasche von Céline etwa. Doch das meiste, das Ilenia trägt, wird ihr geschenkt, zugestellt per Post oder überreicht an einer Fashion Week, zu denen sie immer öfter eingeladen wird.

Von Adidas kommen monatlich Pakete, mit dem Mode-Brand Tommy Hilfiger hatte sie ihre erste grosse Kooperation. Sie bekommt Tees und Peelings zugesandt, Sonnenbrillen und natürlich Kleidung, alles und stets unverbindlich. «Was mir nicht entspricht, zeige ich nicht, ganz einfach.»

Ihr Hashtag ist zu einem Markenzeichen geworden. Ilenia, die ihre Haare nur einmal in der Woche wäscht und in die Ferien schon gar keine Bürste mitnimmt, hat sogar einen Hashtag tätowiert, auf der Innenseite ihres linken Oberarms, dahinter das Datum, an dem Simon Nygard ihr Boyfriend wurde. In Schnörkelschrift steht darunter «ilivanilli», auf dem Oberschenkel trägt sie eine Rose aus Tinte, am Handgelenk ihr Sternzeichen.

Simon ist Finne, Model, Schmuckdesigner; kennengelernt haben sie sich über Instagram. «Zusammen bilden wir eine Symbiose», sagt Ilenia, die seinen Schmuck trägt, er die Frisur, die sie ihm verpasst, und Jen, Jen Ries, die Fotografin aus Liestal, fotografiert das alles. Auch das: eine Symbiose, die als Kooperation begann und in eine dicke Freundschaft mündete.

Ziel: oberste Liga

Ilenia sagt: «Alles ist ein Laufsteg für mich.» Nun könnte man meinen, sie trüge die Nase etwas hoch, doch damit täte man ihr unrecht. Extrovertiert, das ist sie auf jeden Fall. Sie zeigt sich gern, an Selbstbewusstsein mangelt es ihr nicht. Doch den Gang auf diesem schmalen Grat zwischen sympathischem Mädchen von nebenan und Fashionista schafft sie spielend. Ilenia gibt nicht vor zu sein, was sie nicht ist.

Noch erhält sie zwar kaum Honorare für die Promotion in ihrem Blog und auf Instagram, doch das soll sich schon bald ändern. «Ich will in der obersten Liga mitspielen», verrät sie dann, der Kaffee ist längst kalt, so sehr hat sie sich in Wallung geredet. «Ich will davon leben können, um die Welt reisen, geniessen – und dabei ich selbst bleiben.» Darum schrieb sie auch von Beginn weg stets auf Englisch. Nach und nach sprangen immer mehr Firmen auf den Ilenia-Zug, sie arbeitet mit Labels wie Deyk und FashionVestis, mit Y.A.S. und Jonak.

Zum Star geboren?

Dass das funktionieren kann, beweisen Dutzende Blogger rund um den Globus, manch einer ist dadurch zum Hashtag-Millionär geworden. Das würde sie in Kauf nehmen, selbstredend, doch darum geht es ihr nicht. Sie sucht weniger die Anerkennung als das Abenteuer, weniger den Ruhm, als dass sie einen Ort hat, ihre Inspiration auszuleben.

Wenn Ilenia als Kind gefragt wurde, was sie werden wolle, wenn sie einmal gross sei, so lautete die Antwort immer gleich: ein Star. Ob das klappen wird? «Klar», schiesst es aus ihr heraus, «und wenn nicht, bin ich wenigstens eine Verliererin, die es versucht hat.» So geradlinig ist sie in allem, was sie anpackt. Schliesslich träumt sie nachts sogar vom Bloggen. Und das – träumen wie bloggen – sei grenzenlos.

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Blog Launch Event, Samstag, 3. Oktober 2015, Roxy Bar Birsfelden, 16 Uhr, offen für jedermann.

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