Ein Turm mit Bar ziert den Neubau des Naturhistorischen Museums

Das Siegerprojekt für den Neubau des Naturhistorischen Museums Basel und des Staatsarchivs ist gekürt: Das Zürcher Architekturbüro EM2N gewinnt mit einem schlichten Bau aus Glas und Ziegelsteinen. Eröffnung ist frühestens im Jahr 2022.

(Bild: Visualisierung © EM2N)

Das Siegerprojekt für den Neubau des Naturhistorischen Museums Basel und des Staatsarchivs ist gekürt: Das Zürcher Architekturbüro EM2N gewinnt mit einem schlichten Bau aus Glas und Ziegelsteinen. Eröffnung ist frühestens im Jahr 2022.

EM2N heisst das Architekturbüro, das dem Naturhistorischen Museum Basel (NMB) und dem Staatsarchiv eine neue Hülle bauen wird. Die Zürcher Architekten gewannen den anonymen Wettbewerb mit ihrem Projekt «Zasamane»: ein Bau aus Ziegelsteinen und Glas, mit einem Turm, der die schmale und lange Parzelle an der Entenweidstrasse zur Luzernerring-Brücke hin abschliessen wird (siehe auch Bildstrecke).

Auf den ersten Blick wirkt der Bau schlicht – doch es geht ja «um die Funktion, nicht um das Gebäude», wie Christian Meyer, der Direktor des Naturhistorischen Museums, noch vor der Medienkonferenz am Mittwoch bemerkte. Und die Funktionalität sollte sichergestellt sein, bis hin zu den Sicherheitsvorkehrungen, die den Neubau und seine Nutzer zur Bahnlinie hin vor elektromagnetischer Strahlung und vor Explosionsgefahr schützen, wie Thomas Blanckarts, der Leiter des Hochbauamtes, versichert.

Vordergründig aber geht es darum, den beiden unterschiedlichen Institutionen ein gemässes Dach über dem Kopf zu bieten. Dabei galt es die unterschiedlichen Anforderungen und Nutzungswünsche zu berücksichtigen: Beide Institutionen brauchen genügend Raum für ihre Sammlungen, das NMB geeignete Räumlichkeiten für seine Ausstellungen, das Staatsarchiv einen Lesesaal.

Synergien nutzen

Regierungspräsident Guy Morin betonte zwar die Synergien, die man nutzen könne – doch diese werden sich wohl hauptsächlich auf infrastrukturelle Belange beziehen. Das heisst: ein gemeinsamer Eingangsbereich beispielsweise, eine gemeinsame Aula, dazu eine Bar im obersten Stock des Turms, die öffentlich werden soll.

Trotzdem gingen EM2N von einem Haus aus, nicht von zwei, sagte Architekt Daniel Niggli. Der Turm stehe exemplarisch als Zeichen für beide.

Kernstück des Gebäudes wird – zumindest für die Besucher – der Eingangsbereich werden. Dieser soll laut Architekten weniger den Institutionen als der Stadt gehören. Von da weg führt im Turm das Treppenhaus ins Staatsarchiv, das den obersten Stock einnehmen wird: ein rundum verglastes Stockwerk, das die Nutzer mit genügend Tageslicht versorgt.

Zwei Treppenhäuser, zehn Stockwerke

Ein zweites Treppenhaus am anderen Ende der Eingangshalle bringt die Besucher des NMB von Stockwerk zu Stockwerk. Von beiden Treppenhäusern weg sind immer wieder Einblicke in die jeweils andere Institution möglich, was das Haus durchlässiger erscheinen lassen soll.

Zehn Stockwerke wird das Haus erhalten: Fünf über und fünf unter der Erde. Das Untergeschoss wird vor allem als Lager genutzt werden, denn auch darum ging es beim Neubau-Plan. Beide Institutionen leiden aktuell unter Platznot, das NMB teilt sich auf zwei Standorte auf, das Staatsarchiv gleich auf vier verschiedene. Der Neubau sei notwendig, wenn sowohl Staatsarchiv wie NMB ihre staatlichen Aufträge erfüllen wollen, erklärte Morin: «Wir müssen einen Schritt ins 21. Jahrhundert machen.» Vom Grossen Rat sind die 190 Millionen, die alles zusammen kosten wird, denn auch bereits abgesegnet.

Zentral an der Peripherie

Hans-Peter Wessels, der Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements, verteidigte dafür ungefragt den Standortentscheid: Der Vogesenplatz sei durchaus noch zentral gelegen, «an einer zentralen Stelle der Peripherie» zumindest. «Basel darf ruhig etwas grösser denken – es muss nicht alles im unmittelbaren Stadtzentrum platziert werden.» Die Regierung erhofft sich durch dieses Projekt, der «aufstrebenden Entwicklung des Stadtquartiers St. Johann (…) weitere positive Impulse» zu geben.

Statt den Münsterhügel zu erklimmen, wird man also künftig mit Bus oder Tram zum Säbelzahntiger fahren. Frühestens 2022 wird das der Fall sein, ab 2018 hofft man, bauen zu können. Das NMB will die Besucher dann nicht nur mit einer neuen Hülle, sondern auch mit neuen Inhalten überraschen. Neben den gewohnten Ausstellungen sollen die Sammlung, die rund 7 Millionen Objekte umfasst, wie auch die wissenschaftliche Arbeit sichtbarer gemacht werden.

Während des Umzugs von Museum und Archiv werden beide Institutionen schliessen müssen – kurzzeitig, hoffentlich, doch ist noch nicht abschätzbar, wie lange. Spätestens danach wird es auch um die künftige Nutzung der freigewordenen Gebäude gehen. Das Staatsarchiv wird – so der heutige Plan – vom Präsidialdepartement in Anspruch genommen, in den Berri-Bau sollte, wenn alles glatt geht, das Antikenmuseum inklusive Skulpturhalle zügeln.

Darauf angesprochen, wie fix diese Pläne sind, sagte Morin, die ganze Rechnung für den Neubau beim Bahnhof St. Johann basiere auch auf der Nachnutzung der heutigen Räume. Da diese bereits vom Parlament abgesegnet worden sei, gehe er nicht davon aus, dass die Pläne nicht umgesetzt werden würden. Oder kurz: «Es gibt keine Alternativen.»

Das Siegerprojekt «Zasamane» des Architekturbüros EM2N ist in einem anonymen Wettbewerb aus insgesamt 125 Einsendungen gekürt worden. 22 Teams daraus wurden von der Jury ausgewählt und eingeladen, Ende 2014 wurden schliesslich 21 Projektbeiträge eingereicht.
Mit EM2N will man nun in die Vorprojektphase starten. Die Realisierung ist ab 2018 geplant – vorbehaltlich der Bewilligung des Baukredits durch den Grossen Rat. Das Kostendach für das Gesamtprojekt ist durch den Regierungsrat 2013 auf 190 Millionen Franken festgelegt worden.

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Die Wettbewerbsergebnisse sind vom 20. August bis zum 13. September im Naturhistorischen Museum ausgestellt. Der Jurybericht und die Visualisierungen des Siegerprojektes sind auf der Website des Hochbauamtes abrufbar.

Konversation

  1. Der gute alte Bauhaus-Stil, immer noch aktuell!
    Nur etwas Hundertwasser (Formen und Farben) wäre noch spezieller gewesen.
    Aber dafür hat unsere nüchterne Zeit leider keinen Spielraum mehr.

    Liebe Architekten, lernt wieder spielen!
    Seit Jugendstil ist uns das Spielerische am Bau abhanden gekommen.

    Danke Empfehlen (0 )
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