Endlose Promenaden und ein Küstentram

Ostende ist kein städtebauliches Juwel. Ein attraktives Reiseziel ist es trotzdem – nicht zuletzt wegen des Küstentrams.

Vom Stadtbild her gibt sich Ostende etwas locker.

(Bild: Martin Stohler)

Ostende ist kein städtebauliches Juwel. Ein attraktives Reiseziel ist es trotzdem – nicht zuletzt wegen des Küstentrams.

Wer nach Ostende reist, sucht nicht die Einsamkeit. Seit das Seebad an der belgischen Küste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahn erschlossen wurde, finden im Sommer Scharen von Touristen den Weg hierhin.

Hauptattraktion ist das Meer mit seinen ausgedehnten Hafen- und Strandpromenaden. Weiter gibt es in Ostende eine Pferderennbahn und ein Casino. Zudem warten zahlreiche Restaurants, Cafés und Bars auf Gäste. Auch an Shoppingmöglichkeiten fehlt es nicht.

Vaterstadt von James Ensor

Freunde des Skurrilen kommen an der Vlaanderenstraat 27 auf ihre Kosten. Dort steht das Haus, in dem einst James Ensor (1860–1949) wohnte. Es ist heute ein kleines Museum, das zeigt, wie der eigenwillige Maler lebte und von welchen Objekten er sich inspirieren liess.

Mehr von Ensors Schaffen ist im Kunstmuseum aan Zee (Mu.ZEE) zu sehen. Dieses bringt seinen kleinen, aber feinen Ensor-Fundus zusammen mit Werken des Malers Léon Spilliaert (1881–1946) in einem kürzlich eröffneten Flügel gekonnt zur Geltung.

In nächster Nähe des Mu.ZEE, das sich etwas abseits der Touristenmeile befindet, gibt es im Übrigen auch zwei, drei kleine Lokale, in denen man gut und wohlfeil essen kann.

Ausflüge mit der Strassenbahn

Dank des Küstentrams ist Ostende Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Ausflüge. Diese Strassenbahn verbindet mehrere Küstenorte miteinander und lädt zu Entdeckungsfahrten ein.

Wer sich auf eine Zeitreise begeben will, steigt in das Tram Richtung De Panne und fährt nach Raversijde. Dort taucht man im archäologischen Museum mit seinen rekonstruierten Häuschen tief in die Welt eines Fischerdorfes im 15. Jahrhundert ein.

Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich das Atlantikwall-Museum. Seine Bunker waren einst Teil eines gigantischen Walls, der das Nazi-Imperium zu einer einzigen Festung machen sollte.

Vor hundert Jahren ein Kriegsschauplatz

Bereits im Ersten Weltkrieg war das neutrale Belgien stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Was dies für die Küstenregion bedeutete, erfährt man beim Städtchen Nieuwpoort im Museum «Westfront Nieuwpoort».

Man kann aber auch einfach durch Nieuwpoort flanieren und anschliessend Moules mit den unvermeidlichen Pommes frites essen, zum Beispiel in der Brasserie de Pelikaan beim Marktplatz.

Meer und Strand

Naturfreunden sei eine Tramfahrt nach Knokke empfohlen. Von dort geht es beim Bahnhof mit dem Bus 13 weiter zum Besucherzentrum Zwin, von wo aus verschiedene Spaziergänge durch die Dünen- und Polderlandschaft möglich sind.

Ja, natürlich, fast hätte ich das Wichtigste vergessen: das Meer. Es ist hier der Herrschaft der Gezeiten unterworfen. Kinder bauen hier Sandburgen, lassen Drachen steigen oder surfen mit dem Wind über die Wellen. An heissen Tagen bringt das Meer Erfrischung. An kühleren Tagen erfreut man sich bei einer Wanderung – etwa von De Haan aan Zee in den Nachbarort Wenduine – an seinem Rauschen.

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Auskundschaften: Mit dem Küstentram von Ortschaft zu Ortschaft. Es gibt Tages- und Mehrtagesbillette, die für die ganze Strecke gültig sind. Fahrstrecken und weitere Infos finden Sie hier.

Ausschreiten: Die belgische Küste ist von einem dichten Netz gut ausgeschilderter Wanderwege überzogen. Auf der Website Le Littoral finden sich dazu weiterführende Informationen.

Ausschlafen: In Ostende und in den Küstenorten gibt es Hotels und Bettenburgen zuhauf. Wer den kleineren Rahmen liebt, ist im schmucken Touristenort De Haan gut bedient, zum Beispiel im Hotel Escapade oder im Strandhotel.

Auswärts essen: Restaurants und Essgelegenheiten gibt es in Ostende und an der Küste wie Sand am Meer. Wer einen Ausflug nach Middelkerke unternimmt, sollte sich das günstige Mittagsmenü mit Meersicht im Casino-Restaurant nicht entgehen lassen.

Konversation

  1. Ich danke für diesen Blick auf eine auch historisch sehr interessante Stadt, die wegen ihrer mehrheitlich flämischen Einwohner eher als Oostende geschrieben wird…, oder werden sollte?

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