Erst der Giraffenbody macht das Buschi herzig

Geburtswehen führen einer Frau vor Augen, was wirklich zählt im Leben: Babykleider einkaufen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Treffen sich eine Wirtschaftlerin, eine Historikerin und eine Journalistin im Park. Mit dabei: Baby Krattiger, Baby Sarasin und Baby Fopp. Sagt die eine: «Jö, Timo hat einen schönen Giraffenbody», sagt die andere: «Ja, den habe ich aus dem Biolädeli.» Und schon sind sie in einer ergiebigen Diskussion über Buschikleider.
Spannend, oder? Früher, als die drei noch Studentinnen waren, hatten sie den Kopf noch in den Wolken. Damals stritten sie sich darüber, ob Entwicklungshelfer Gutmenschen mit Helfersyndrom oder als soziale Wesen getarnte Kolonialisten sind. Und ob jeder Mensch von Natur aus bisexuell ist.

Dann kamen die Geburtswehen und damit mehr Bodenständigkeit. Wenn die Frau mal so richtig auf den eigenen Körper zurückgeworfen wird, begreift sie das Wesentliche im Leben. So rast sie sofort in den nächsten Kinderladen, kaum hat sie einmal einen Nachmittag für sich. 

Ob Eltern Kinderkleider toll finden oder nicht, nackt können sie ihr Buschi ja nicht herumkrabbeln lassen, im Herbst zumindest nicht. Falls sie dabei ihr Budget schonen wollen: Es gibt in der Region zahlreiche Occasionsläden für Kinderkleider. Eine handverlesene Auswahl finden Sie auf unserer Kinderkleider-Karte.

Kleider verweigern sich nie

Wäre es nicht viel befriedigender, eine Serie zu schauen, eine Runde spazieren zu gehen oder gar die Zeitung zu lesen? Aber nein! Nichts gibt einem mehr das Gefühl, alles im Griff zu haben, als einzukaufen. Denn nur beim Einkaufen kriegt man, was man begehrt. Das Kind mag einem den Kuss verwehren, die Chefin die Lohnerhöhung, aber ein Kleidungsstück verweigert sich nie. Ausser, man hat es sich in den Kopf gesetzt, eine enge Röhrenjeans zu wollen. Oder einen Bikini. Dann ist der Eroberungserfolg überhaupt nicht garantiert: Der Stoff sperrt sich, der Bund spannt und man fühlt man sich wie ein Michelin-Frauchen.  

Buschikleider dagegen passen immer.  Oder haben sie schon einmal gedacht: «Dieses Baby sieht in diesem Body aber unvorteilhaft aus?»  Nun gut, haben Sie vielleicht. Aber die Mutter weiss das ja nicht, für sie sieht ihr eigen Fleisch und Blut immer herzig aus. Okay, auch das ist reine Beschönigung. Manchmal erkennen Mütter sehr wohl, dass ihr Kind abstossend ist, wenn es quengelt zum Beispiel. (Für Baby Fopp gilt das selbstverständlich nicht. Das ist immer herzig.)

Das Design, das Design

Vielleicht müssen Mütter gerade deshalb immer über Kinderkleider reden, um zu kaschieren, wie widerlich ihr Kind sein kann. Ein x-beliebiges Kleidungsstück von einem Grossverteiler kann das natürlich nicht leisten. Für die Babyverherzigung muss ein ganz besonderer Body her, am besten handgenäht, aus der Boutique, ohne giftige Farben. Und das Design – das Wichtigste ist das Design. Kindgerecht soll es sein und bunt. So krabbeln alle Biobuschis momentan mit Bodys mit farbigen Giraffen und Affen drauf herum.

Die lachenden Tierchen strahlen diese Heiterkeit aus, diese Geborgenheit, nach denen Erwachsene sich in ihren Psychotherapien sehnen, und die sie ihren Kindern genauso wenig bieten können wie ihre eigenen Eltern es bei ihnen konnten. Doch wenigstens den Kleiderherstellern ist geholfen, denn von Klein auf geben die Mütter ihren Buschis mit, was zählt im Leben: Wer den herzigsten Giraffenbody der Stadt hat.

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