Europaweit steigt der Wirkstoff-Anteil in illegalen Drogen

Der Stoff, der auf dem europäischen Drogenmarkt gehandelt wird, ist so rein, wie seit längerem nicht mehr. Der gleiche Trend wird in der Schweiz beobachtet. Gleichzeitig kommen in Europa immer mehr legale, gefährliche Drogen auf den Markt.

Wer illegale Drogen konsumiert, muss heute damit rechnen, dass der Stoff sehr wirksam ist. Leicht kann deshalb eine Überdosis eingenommen werden, was fatale Folgen haben kann (Themenbild) (Bild: sda)

Der Stoff, der auf dem europäischen Drogenmarkt gehandelt wird, ist so rein, wie seit längerem nicht mehr. Der gleiche Trend wird in der Schweiz beobachtet. Gleichzeitig kommen in Europa immer mehr legale, gefährliche Drogen auf den Markt.

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) hat am Donnerstag ihren Bericht 2015 veröffentlicht. Die Fachleute haben festgestellt, dass der Reinheitsgrad von Heroin, Kokain und Amphetaminen im letzten Jahr angestiegen ist. Zuvor war eine gegenteilige Entwicklung beobachtet worden: Während einigen Jahren enthielten die Drogen immer weniger Wirkstoff.

Auch in Ecstasy-Pillen und in Cannabisprodukten sei ein höherer Anteil der Wirkstoffe festgestellt worden, schreibt die EMCDDA in einer Mitteilung zum Bericht.

Nimmt ein Drogenkonsument oder eine -konsumentin also an, der Stoff enthalte nur wenig Wirkstoff, ist die Gefahr gross, dass er oder sie eine Überdosis bekommt. Nicht nur Unwohlsein und Übelkeit können die Folge sein. Vor allem bei Heroin kann eine Überdosis schwerwiegende Folgen haben, bis hin zum Tod.

Schwierig zu interpretieren

Es sei schwierig zu interpretieren, weshalb der Reinheitsgrad in jüngster Zeit zugenommen habe, schreibt die Beobachtungsstelle. Möglicherweise könnte die Entwicklung Ausdruck davon sein, dass die Drogenproduktion effizienter geworden sei. Vielleicht hätten auch Produktion und Schmuggel «gewisse Hindernisse überwunden».

Klar sei, dass dies nicht zum ersten Mal so sei, sondern – mit Ausnahme der Ecstasy-Pillen – schon vor einigen Jahren beobachtet werden konnte. Da sich aber der Drogenmarkt im Verborgenen abspiele, seien keine genauen Zahlen zu Angebot und Preisen verfügbar. Diese würden Interpretationen erleichtern.

In der Schweiz befassen sich laut Mitteilung zwei Stellen mit dem Reinheitsgrad von Drogen. Die schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) analysiert polizeilich beschlagnahmte Drogen. Weitere Angaben liefert das Drug Checking von Streetwork in Zürich und von Rave it Save in Bern.

Beide Quellen zeigen laut Mitteilung ein ähnliches Muster in den Trends, wie sie europaweit beobachtet werden. Einzig beim THC-Wert in Cannabis-Produkten gibt es gemäss SGRM-Analysen keine Übereinstimmung: In der Schweiz hätten sich diese Werte in den letzten vier Jahren kaum verändert.

Neue legale Substanzen

Die EU-Drogenbeobachtungsstelle zeigte sich in ihrem Bericht zudem besorgt über die rasante Zunahme neuer, legaler Drogen. Laut dem Jahresbericht kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich zwei neue psychoaktive Substanzen, sogenannte Legal Highs, pro Woche auf den Markt.

2014 seien 101 neue legale Drogen gezählt worden, 2013 seien es 81 gewesen. Insgesamt sind der EBDD 450 dieser Substanzen bekannt. Sogar ein begrenzter Konsum dieser Drogen sei wegen ihrer hohen Giftigkeit bedenklich, warnte die Behörde.

Legal Highs enthalten chemische Substanzen, die ähnliche Wirkungen entfalten wie illegale Drogen wie etwa Ecstasy oder Kokain. Sie werden meist im Internet vertrieben – oft anonym und mit virtuellen Währungen wie Bitcoin bezahlbar.

«Relativ positiv» wertete die Behörde die Entwicklung bei den traditionellen illegalen Drogen wie Heroin, das eine stagnierende Nachfrage erlebe. Allerdings warnte die Drogenbeobachtungsstelle, dass die steigende Opium-Produktion in Afghanistan die Nachfrage in Europa wieder verstärken könnte.

Konversation

  1. Als halber Experte – Es gibt ja viele Leute, die noch mehr davon wissen – wehre ich mich gegen den Übertitelteil „noch gefährlicher“. Dass der Wirkstoff-Anteil steigt, ist auch eine Folge davon, dass weniger gemischt wird. Teilweise sind ja diese Mischstoffe gefährliche Substanzen, die teilweise unberechenbar sind. Andererseits ist es schon so, dass der erhöhte THC-Wert in Cannabisprodukten diese zu harten Drogen macht.. Der offenere Umgang mit Drogen und auch die kontrollierte Abgabe aber hat im Allgemeinen dazu geführt, dass es viel weniger tödliche Unfälle als in den 70er Jahren in dieser Szene gibt. Also kein Grund zur Panik!

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