Expats haben Mühe, in der Schweiz anzukommen

Aus dem Ausland stammende Fachkräfte empfinden es als schwierig, in der Schweiz Freunde zu finden. Zudem nehmen sie die Schweizer Bevölkerung nicht nur als freundlich wahr, wie eine Umfrage zeigt.

Mit der Orientierung nach der Ankunft am Flughafen dürften die wenigsten Expats Mühe haben - als schwieriger erweist sich dagegen die Integration in die Schweizer Bevölkerung. (Archivbild) (Bild: sda)

Aus dem Ausland stammende Fachkräfte empfinden es als schwierig, in der Schweiz Freunde zu finden. Zudem nehmen sie die Schweizer Bevölkerung nicht nur als freundlich wahr, wie eine Umfrage zeigt.

Auf der Rangliste der von Expats am Besten eingestuften Zielländer rangiert die Schweiz gemäss der diesjährigen Internations-Umfrage zwar weiterhin weit vorne auf Rang 14. Insbesondere die Lebensqualität in der Schweiz, sprich die persönliche Sicherheit, das Transportwesen, die medizinische Versorgung und die Reisemöglichkeiten werden als hervorragend beurteilt.

Zudem sind ausländische Fachkräfte, die für einige Jahre einen Arbeitsplatz in der Schweiz annehmen, meist auch finanziell besser gestellt als in ihrem Heimatland: Acht von zehn vom Expat-Portal Internations befragte Personen erhalten ein höheres Gehalt. Und auch verglichen mit dem Verdienst von Expats in anderen Ländern kann die Schweiz gut mithalten.

Allerdings wird der hohe Lohn durch die Lebenshaltungskosten wieder relativiert. So klagen die ausländischen Fachkräte hierzulande insbesondere über die mangelnde Verfügbarkeit von erschwinglichem Wohnraum und die teure Kinderbetreuung.




Die Attraktivität der Schweiz leidet gemäss der Internations-Umfrage aber auch wegen der schwierigen Eingewöhnung nach dem Zuzug in die Schweiz. Sechs von zehn Befragten fällt es schwer, Freunde in der Schweizer Bevölkerung zu finden. Und nur gerade 43 Prozent der Expats beschreiben die Schweizerinnen und Schweizer als freundlich.

Die Schwierigkeiten bei der Integration und die abweisende Haltung der Schweizerinnen und Schweizer sind es denn auch, welche die Attraktivität der Schweiz als Zielland für Expats in den letzten Jahren sinken liess, wie Internations am Montag in einer Mitteilung schrieb. Als die Organisation die gleiche Umfrage vor einem Jahr durchführte, rangierte die Schweiz noch auf Platz 4.

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In der Umfrage bei weltweit über 14’000 Expats hat sich Ecuador als bestes Zielland für ausländische Fachkräfte herauskristallisiert. Hinter dem südamerikanischen Land rangieren Mexiko, Malta, Singapur, Luxemburg, Neuseeland und Thailand. Insgesamt wurden 64 Zielländer bewertet, wobei sich Kuwait, Griechenland und Nigeria als die unbeliebtesten Destinationen erwiesen haben.

Internations betreibt ein weltweites Netzwerk für Expats und zählt nach eigenen Angaben 1,8 Millionen Mitglieder. Neben einer Internetplattform gehören zum Angebot der Organisation auch Veranstaltungen, an denen sich die im Ausland tätigen Fachkräfte mit Gleichgesinnten treffen und vernetzen können.

Konversation

  1. So, keine Schweizer Freunde? Vielleicht würde es ja helfen, wenn mehr von den sogenannten Expats – das gilt vor allem für diejenigen englischer Zunge – sich gelegentlich einmal in einen Deutschkurs bemühen würden…

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    1. Die Einheimischen sprechen doch alle diese komische Halskrankheit, „Chuchichäschtli-Brabbel“ – Hochdeutsch redet doch kaum einer.
      Wozu also dieser Deutschkurs hier in der Gegend?
      Ausserdem macht man sich mit Hochdeutsch hier nur unbeliebt.

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  2. Lasst uns alle einen Expat adoptieren! Nach ein paar Jahren ist der dann weg – zurück bleibt seine teure Wohnung, die an den nächsten Expat geht. Derweil bauen wir eine Kiss-Zone bei der International School, auf dass der Stau von SUVs die Strasse nicht zu sehr verstopft

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  3. An sich ist die Unterstützung durch solche Netzwerke schon begrüssenswert, aber ich stelle mir andrerseits die Frage, obs vielleicht besser funktionieren würde, wenn es sie nicht gäbe und wenn die Expats nicht nur ’sich unter ihresgleichen‘ vernetzen müssen, sondern sich in ihrer alltäglichen Umgebung finden müssen, ohne Englisch und SUV, weil Fussgängerzone…
    Als sie noch Studenten waren hatten sie die Expatnetzwerke auch nicht, ebensowenig den gleichnamigen Status, und siehe: sie überlebten.

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