Falscher Film? Der Bohlen ist da!

Lebensgross steht er da, mitten in der Gerbergasse, Dieter «Proll» Bohlen. (Bild: Hans-Jörg Walter) Es gibt sie auch bei uns. Die grossmäuligen Schwafler, die von Fernsehstationen (auch staatlichen) dafür bezahlt werden, dem Publikum auf die Nerven zu gehen. Die Schweizer Schwätzer sehen wir ausserhalb des Fernsehers höchstens in der «Schweizer Illustrierten», wo wir weiterblättern können, […]

Lebensgross steht er da, mitten in der Gerbergasse, Dieter «Proll» Bohlen.

Lebensgross steht er da, mitten in der Gerbergasse, Dieter «Proll» Bohlen.

Lebensgross steht er da, mitten in der Gerbergasse, Dieter «Proll» Bohlen. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Es gibt sie auch bei uns. Die grossmäuligen Schwafler, die von Fernsehstationen (auch staatlichen) dafür bezahlt werden, dem Publikum auf die Nerven zu gehen. Die Schweizer Schwätzer sehen wir ausserhalb des Fernsehers höchstens in der «Schweizer Illustrierten», wo wir weiterblättern können, sofern wir das «People Magazin» nicht gekauft haben, um zu sehen, wie die Fernsehmenschen im trauten Heim ihre Füsse auf den Sofatisch legen und nichts zu sagen haben. Nie aber begegnen sie uns lebensgross auf Karton auf der Strasse, wo wir nie mit ihnen rechnen würden und auch nicht weiterblättern können.

RTL-Juror Dieter Bohlen («Du hast weniger Töne getroffen, als ein peruanischer Nackthund Haare am Arsch hat») hat jetzt ein Tabu gebrochen – inzwischen auch hier bei uns, wo wir im schlimmsten Fall Roman Kilchsperger oder Sven Epiney als Pappfiguren erwarten müssten. Sicher aber nicht diesen Bohlen, der wehrlose Jugendliche vor Millionen-Publikum fertigmacht, bloss weil sie schreckliche Töne von sich geben und meinen, sie hätten das Zeug zum Superstar (DSDS). Dieser Bohlen, der Frauen heiratet, die aussehen wie seine Ex-Frauen, aber so jung sind wie diese, als sie noch nicht alt waren. Dieser Bohlen, dessen Vermögen auf 160 Millionen Euro geschätzt wird, was unanständig ist, wenn man bedenkt, wie er es «verdient» hat (Modern Talking).

… und der Laden läuft

Genau der Bohlen lacht einem neuerdings in der Gerbergasse – gegenüber dem Läckerli-Huus – an, tonlos, aber penetrant und wirbt für die Herrenmode-Marke «Camp David». Ein ungehobelter Passant hat Bohlen in der kurzen Zeit seines bisherigen Basel-Aufenthaltes ein politisch vollkommen unkorrektes Schnäuzchen auf die Oberlippe gekratzt, sonst aber ist der blonde Pop-Titan («You’re my heart, you’re my soul»), wie er in Deutschland ernsthaft genannt wird, bisher unbeschädigt (und klein gewachsen) – und lacht und lacht, als ob es kein morgen gäbe. Ein morgen gibt es aber, vor allem für Gianni Guida.

Gianni Guida ist der Chef des Ladens «Impressione Fashion», vor dem sich das Karton-Spektakel abspielt, und er sagt: «Die Kollektion läuft besser, seit Dieter Bohlen vor dem Geschäft steht.» In Begeisterungsschübe wegen des titanischen Werbeträgers sei bisher aber kein Kunde ausgebrochen, es ginge einzig und allein um die Kollektion, dieses «Camp David».

Könnte der Karton-Bohlen sprechen und nicht nur grinsen, könnte er wiederholen, was er bereits einem schlechten, jugendlichen Sänger im Fernsehen an den Kopf geworfen hat: «Du bist wie eine Wolke. Wenn du dich verziehst, könnte es noch ein schöner Tag werden.» Er könnte es zu sich selber sagen, im Stillen, nachts, wenn er auf dem Boutiqueboden schläft.

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