Fanmärsche ohne Ausschreitungen aber mit Sachbeschädigungen

Rund um den Cupfinal vom Ostermontag in Bern ist es zu zahlreichen Sachbeschädigungen gekommen. Ein Grossaufgebot der Polizei konnte aber Konfrontationen der beiden Fanlager verhindern.

Polizisten riegeln den Bundesplatz ab (Bild: sda)

Rund um den Cupfinal vom Ostermontag in Bern ist es zu zahlreichen Sachbeschädigungen gekommen. Ein Grossaufgebot der Polizei konnte aber Konfrontationen der beiden Fanlager verhindern.

Der Berner Polizeidirektor Reto Nause zog am Montagabend eine, wie er selber schrieb, «äusserst kritische Bilanz». „Die Eigenverantwortung und Selbstkontrolle der Fans haben nicht wirklich funktioniert.

So wurde entgegen den Abmachungen von den vereinbarten Routen abgewichen. Das gewalttätige Verhalten einzelner Fans sowie die Sachbeschädigungen sind schlicht inakzeptabel“, wird Nause in einem am Montagabend veröffentlichten Communique wörtlich zitiert.

Zwar hätten die Einsatzkräfte eine Konfrontation der Fangruppen in der Innenstadt vor Anpfiff des Spiels verhindern können. Entlang der Marschrouten sei es jedoch zu zahlreichen Vandalenakten und Pöbeleien gekommen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht bekannt. Wie es künftig mit dem Cupfinal in Bern weitergeht, will die Stadtberner Regierung nach einem Cup-Debriefing mit dem Schweizerischen Fussballverband und den Klubs entscheiden.

Zürcher Fans verzögern Abmarsch

Die Anreise der Fans erfolgte gestaffelt in zwei Etappen. Am Morgen trafen ab 9.30 Uhr zunächst die Anhänger des FC Zürich mit drei Extrazügen am Berner Hauptbahnhof ein. Sie mussten den Bahnhof über den Westausgang via «Welle» verlassen, um sich in der Altstadt zum Start des Fanmarsches zu versammeln.

Dabei kam es aber zu Verzögerungen. Die Zürcher Fans machten auf dem Bundesplatz und dem benachbarten Bärenplatz halt und weigerten sich zunächst, wie vorgesehen zum Münsterplatz weiter zu marschieren, wo sie um 11.00 Uhr den Fanwalk hätten starten sollen.

Polizeigrenadiere riegelten die Zugänge zum Waisenhausplatz – wo später die Basler Fans eintreffen sollten – aber rigoros ab. Auch wurde ein Wasserwerfer in Stellung gebracht, ohne jedoch zum Einsatz zu kommen. Den Einsatzkräften gelang es in der Folge, die Zürcher zum Fortsetzen des Fanwalks zu bewegen.

Basler Extrazüge zurückgehalten

Wegen der Verzögerung in der Innenstadt wurden die Extrazüge mit den Basler Fans kurz vor Bern gestoppt. Sie trafen erst gegen Mittag – rund 50 Minuten später als vorgesehen – im Berner Hauptbahnhof ein. Die Basler machten sich daraufhin zügig auf den Weg Richtung Stadion und wichen dabei leicht von der vorgesehenen Route ab, was die Polizei aber tolerierte.

Beide Fangruppen zündeten auf ihren jeweiligen Märschen zum Stadion Knall- und Rauchpetarden und machten mit Anfeuerungs- und Schmähgesängen auf sich aufmerksam. Laut Polizeiangaben kam es in der Innenstadt zu zahlreichen Sachbeschädigungen. So wurden unter anderem Schaufenster und Fensterscheiben eingeschlagen.

Gummischrot-Einsatz vor dem Stadion

Zu einem grösseren Scharmützel kam es dann vor dem Stadion. Zürcher Fans blockierten auf der Papiermühlestrasse den Mannschaftsbus des FC Basel. Weil sich zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Zuschauer auf dem Gelände befanden, habe man sich entschieden, die Blockade aufzulösen, teilte die Polizei mit.

Weil die Blockierer dem Aufruf, die Strasse freizugeben, nicht folgten, setzte die Polizei Wasserwerfer und – nachdem sie selbst angegriffen wurde – auch Gummischrot ein. Gleichzeitig hätten Anhänger des FC Basel versucht, zur Papiermühlestrasse zu gelangen.

Laut Polizei konnte die Situation schliesslich beruhigt wurden und die Fans dazu bewegt werden, ins Stadion zu gehen. Mehrere Personen wurden angehalten.

Der Abmarsch der Fans verlief dann nach dem Match ohne Probleme. Die Basler Fans wurden zum Bahnhof Wankdorf geleitet, wo Extrazüge bereitstanden, die Zürcher Fans bestiegen ihre Züge in Ostermundigen.

45 Personen festgenommen

Rund um das Spiel wurden 45 Personen festgenommen, wie die Berner Kantonspolizei am Montagabend bilanzierte. 15 Personen, darunter ein Jugendlicher, befanden sich am Montagabend noch in Polizeihaft.

Mehrere Personen, darunter einige Polizisten, wurden verletzt. Die medizinische Versorgung erfolgte grösstenteils vor Ort. Die Sachbeschädigungen in der Berner Innenstadt gehen gemäss Erkenntnissen der Polizei auf das Konto der FCZ-Anhänger. Abklärungen sind im Gange.

Konversation

  1. @Buschweiler: Man kann auch ohne Konkordat gegen Chaoten vorgehen. Aber eben: man muss es auch machen. Zu behaupten ohne wäre es noch viel schlimmer gekommen ist reine Spekulation. Ich finde das Konkordat ist eines Rechtsstaats nicht würdig und gut hat Basel sich nicht anstecken lassen.

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  2. @Roman: Ohne Hooligan-Konkordat mit drohenden Massnahmen wäre das Ganze wohl schlimmer ausgefallen. Der Sicherheitschef Nause hätte sich im Vorfeld etwas weniger weit aus dem Fenster lehnen sollen und sich der Rückendeckung der Kollegen versichern sollen. Der nachträgliche Krebsgang war wenig überzeugend.

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  3. Bern hat ein Hooligan Konkordat. Hat ja extrem viel gebracht. Bin beeindruckt. Ja, so was braucht Basel unbedingt auch..

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