Fast hundert Menschen in der Gewalt von Angreifern in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Bewaffnete am Mittwochabend ein von Ausländern frequentiertes Gästehaus gestürmt. Bis zu hundert Gäste sollen sich noch in dem Gebäude befinden.

Afghanische Sicherheitskräfte nach Angriff auf Gästehaus in Kabul (Bild: sda)

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Bewaffnete am Mittwochabend ein von Ausländern frequentiertes Gästehaus gestürmt. Bis zu hundert Gäste sollen sich noch in dem Gebäude befinden.

Die Polizei sperrte das Gebiet um das Gästehaus ab. Nach Aussagen mehrerer Polizisten vor Ort sollen sich die Angreifer noch im Gästehaus befinden. Ein Armeesprecher sagte die Sicherheitskräfte hätten mindestens 16 Personen aus dem Gebäude gerettet, darunter einen Ausländer.

Einem Geheimdienstvertreter zufolge sollte am Abend ein Konzert mit vorwiegend indischen und türkischen Gästen in dem Gebäude stattfinden. Ein Angestellter berichtete von mehreren blutbefleckten Körpern am Eingang des unweit der UNO-Niederlassung gelegenen Gästehauses.

Der Geheimdienstvertreter sagte, die Angreifer seien vor dem Konzert auf das Gelände gelangt, dabei aber auf Widerstand der Wächter gestossen. Ein Angestellter, der sich in einem Zimmer verbarrikadierte, berichtete von Schreien und Schüssen in den Fluren.

Im oberen Stockwerk habe eine afghanische Band gespielt, als der Angriff begann. Auch mehrere Prominente seien bei dem Konzert anwesend gewesen. Der Angestellte, dem später die Flucht gelang, sagte, er habe am Eingang mindestens fünf blutbefleckte Körper liegen sehen.

Wie ein AFP-Fotograf berichtete, waren die Strassen zum Gästehaus von zahlreichen Sicherheitskräften abgeriegelt, die nach dem Angriff eintrafen. Kabuls Polizeichef Abdul Rahman Rahimi eilte zum Ort des Geschehens. Er sagte, die Sicherheitskräfte würden auf heftige Gegenwehr aus dem Gebäude stossen.

Zum Angriff bekannte sich zunächst niemand. Die Taliban-Rebellen hatten im April ihre jährliche Frühjahrsoffensive begonnen. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind seit dem Ende des NATO-geführten Kampfeinsatzes zum Jahreswechsel auf sich gestellt.

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