Fossile Medienarbeit: Mammut und 20 Minuten

Basel war Austragungsort der Schweizer Klimmziehmeisterschaften 2011. Wussten Sie nicht? Dann lesen Sie wohl kein «20 Minuten». Recherchen beginnen manchmal damit, dass man an einem Samstagnachmittag vom Hunger aus dem Büro getrieben wird und auf der Suche nach einer Bratwurst am Eröffnungsevent eines neuen Bekleidungsgeschäfts an der Gerbergasse vorbeikommt. Ein magerer Teenager drückte sich an einem […]

Basel war Austragungsort der Schweizer Klimmziehmeisterschaften 2011. Wussten Sie nicht? Dann lesen Sie wohl kein «20 Minuten».

Recherchen beginnen manchmal damit, dass man an einem Samstagnachmittag vom Hunger aus dem Büro getrieben wird und auf der Suche nach einer Bratwurst am Eröffnungsevent eines neuen Bekleidungsgeschäfts an der Gerbergasse vorbeikommt. Ein magerer Teenager drückte sich an einem Eisengestell nach oben und erstaunlich viel Publikum sah ihm dabei zu. Eine Kamera filmte. Swiss-Pull-Up-Meisterschaften. Tolle Sache.

Tags darauf die grosse Enttäuschung: Die Schweizer Medien haben die ersten Schweizer Meisterschaften im Klimmziehen (Klimmzügeln?) weitgehend ignoriert. Ausser «20 Minuten». Auf der Website wurde der Anlass nicht nur mit einem Matchbericht, sondern auch einer üppigen Vorschau gewürdigt. In der Printausgabe gabs einen Frontanriss und einen Bericht im Lokalteil.

Eine runde Sache: Schliesslich schaltete der «Hauptsponsor» der Swiss Pull-up Association («since 2011»), die Bekleidungsfirma Mammut, die halbe Woche über ganzseitige Inserate im Basler Split. Zusätzlich zu einem grossen Inserat, das auf den Event hinwies und in der ganzen Deutschschweiz abgedruckt wurde. Kosten: Mehrere 10000 Franken.

Zufall, bestimmt.

Herr H., Head of Marketing and Sales Services Switzerland der Firma Mammut, schreibt in einer Email: «Es bestand keine Medienpartnerschaft. 20 Minuten haben wir dieselben Medienmitteilungen versandt wie allen andern Medien auch. Wir würden uns natürlich über eine Berichterstattung in der Tageswoche freuen. Bei Fragen immer gerne. Mit freundlichen Grüssen, H.» Co-Sponsor Exersuisse gibt keine Antwort. Die Sportredaktion von 20min.ch verneint jegliche Form der Absprache.

Falscher Alarm?

Das Telefon klingelt. Herr H. ist dran. Er hat schlechte Laune. «Ja, also was soll das Herumgestochere? Brauchen Sie Content für ihre Website?» Ich bejahe und frage ihn, wer hinter dem Verband steckt:

– Das ist ein Verein, wir sind niemandem Rechenschaft schuldig.
– Sind Sie im Verein?
– Ja.
– Im Vorstand?
– Ich bin im Verein.
– Ist der Verband eine PR-Idee von Mammut?
– Nein, er existiert losgelöst von Mammut. Wir wollen olympisch werden.
– Welche Funktion haben Sie bei Mammut?
– …
– Arbeiten Sie im PR-Bereich?
– Ich arbeite für die Länderorganisation Schweiz. Ist es verboten, dass Angestellte von Mammut in ihrer Freizeit einen Verein gründen?
– Es ist also eine private Angelegenheit?
– …
– Gibt es Mitglieder des Vorstands, die nicht für Mammut arbeiten?
– Ja.
– Kann ich mit diesen sprechen?
– Es gibt eine E-Mail-Adresse auf der Website.

Wir verblieben mit besten Wünschen an die Familie. Kurz darauf erreichte mich ein Mail der Autorin der Artikel auf 20 Minuten Online. Sie schrieb: «Es gab eine Zusammenarbeit im Bereich Online.» Auch Herr H. meldete sich nochmals: «Besten Dank für das freundliche Telefonat von vorhin. Gerne sende ich Ihnen attached noch unsere Medienmitteilung über die 1. Mammut Klimmzug Schweizermeisterschaft. Wir würden uns freuen, auch in der Tageswoche darüber zu lesen. Wenn nicht schon in diesem Jahr, dann vielleicht über die zweite Austragung im 2012?» 
Danke und Gruss, H., Vizepräsident Swiss Pull-up Association

Das werden wir. Versprochen.

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