Frauen sollen obligatorisch an Infotag der Armee müssen

Angesichts von Rekrutierungsproblemen soll die Armee mehr Frauen anziehen. Der Kommandant Heer, Daniel Baumgartner, wünscht sich, dass junge Frauen obligatorisch an einen Informationstag gehen müssen. Er denkt zudem über Lockerungen bei der Rekrutenschule nach.

Soldatin bei der Entladekontrolle: Der Kommandant Heer, Daniel Baumgartner, wünscht sich, dass der Frauenanteil in der Armee steigt. Und er hat Pläne, wie er das bewerkstelligen will. (Archivbild) (Bild: sda)

Angesichts von Rekrutierungsproblemen soll die Armee mehr Frauen anziehen. Der Kommandant Heer, Daniel Baumgartner, wünscht sich, dass junge Frauen obligatorisch an einen Informationstag gehen müssen. Er denkt zudem über Lockerungen bei der Rekrutenschule nach.

«Für mich wäre es wünschbar, wenn wir mittelfristig den Frauenanteil deutlich erhöhen könnten», sagt Korpskommandant Daniel Baumgartner im Interview mit der NZZ. Frauen würden anders denken und handeln als Männer, was der Armee gut täte.

Baumgartner möchte deshalb Frauen obligatorisch zu einem Informationstag aufbieten können. «Auch Frauen sollen wissen, was für Chancen die Armee bietet. Das ist für mich eine Frage der Gleichberechtigung.» Er wolle das Gespräch mit den Kantonen suchen, in deren Verantwortungsbereich ein solches Vorhaben fällt.

Überforderten Rekruten entgegenkommen

Die Armee kämpft mit einem Rekrutierungsproblem, wie der neue Armeechef Philippe Rebord anlässlich seiner Wahl im September ausführte. Die Gründe sind vielfältig: Zahlreiche Rekruten brechen die Rekrutenschule (RS) ab, viele rücken gar nie ein, rund 3000 junge Männer entscheiden sich von vornherein für den Zivildienst.

Heute würden 3000 Rekruten aus gesundheitlichen Gründen während der RS ausgemustert, 500 gingen in den Zivildienst, sagte Baumgartner. Während das «Problem» Zivildienst Sache der Politik sei, sehe er es als seine Aufgabe an, die Abgänge aus der RS «auf ein normales Niveau» zu bringen. Die Anforderungen der Armee überforderten viele. «Hier müssen wir mehr Rücksicht nehmen.»

Konkret schwebt Baumgartner etwa vor, den Start der RS zu erleichtern. Rekruten sollen sich besser erholen können. «Unsere Gesellschaft ist sich einen Dienstbetrieb von 6 Uhr bis 23 Uhr schlicht nicht mehr gewohnt.» Auch bei der Fitness wolle er ansetzen. Bevor Rekruten grossen körperlichen Belastungen ausgesetzt werden, müsse deren Muskulatur «gestärkt» werden.

Armee zahlt an zivile Ausbildung

Von einer «Weichspüler-RS» will Baumgartner aber nichts wissen. Es gehe um angepasste Leistungen. «Wir müssen die Jungen so nehmen, wie sie sind.» Aus ihnen müssten auch nicht nach 18 Tagen, sondern nach 18 Wochen Soldaten geformt werden. Zudem sei der Nachwuchs etwa in Sachen Informationstechnologie «unglaublich leistungsfähig».

Um die Kaderausbildung attraktiver zu machen, setzt Baumgartner derweil auf die sogenannten Ausbildungsgutschriften, die mit der Weiterentwicklung der Armee geschaffen wurden. Der Armee stünden mehrere Millionen Franken zur Verfügung, um die zivile Weiterbildung von Armeeangehörigen zu bezahlen, sagte er.

Höhere Unteroffiziere erhalten laut Baumgartner 12’900 Franken nach Abschluss ihres praktischen Dienstes für die Ausbildung gutgeschrieben, Zugführer 13’500 Franken. Für jeden weiteren Ausbildungsschritt werde nochmals bezahlt. Schon länger rechnen einige Bildungsstätten Militärdienst als Praktikum oder ECTS-Punkte an.

Ende Oktober waren 7600 Rekruten – unter ihnen 65 Frauen – zur Winter-RS eingerückt. Über das ganze Jahr waren es rund 21’800. Nach Armeeangaben wird es mit solchen Zahlen knapp, die Bestände zu füllen.

Konversation

  1. Ich stelle leider fest dass die meisten Kommentare nicht viel mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben. Sie sind einfach grundsätzlich gegen die Armee gerichtet.
    Warum sollte nicht Männer und Frauen obligatorisch an den Informationstag gehen?
    Frauen können sich dann freiwillig entscheiden ob sie sich dort engagieren möchten oder nicht.

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  2. @cesna. In welcher Armee haben Sie Dienst geleistet ? Welcher Rang ?
    Zu den 25 % Nichtschweizern: Die Armee hat schon genug Probleme mit eingebürgerten Schweizern; da werden dann mal kosovarische Abzeichen auf eine Uniform genäht oder von einem gestörten ehemaligen Südamerikaner grundlos ein Mädchen an einer Bushaltestelle erschossen. Brauchen wir das ? Ich glaube angesichts der hohen Zahl von ausgemusterten – weil zu gefährlich – eigenen nicht wirklich.
    Was nun die Fitness angeht: Die brauchts auch für Nerds, da die CH relativ hügelig ist. Eine Pistole zum Selbstschutz ist allemal angebracht; kennen Sie eine Armee die ohne Pistole auskommt ?
    PS: Die Dame auf dem Bild trägt das Abzeichen der Swisscoy/KFOR, hat also freiwillig Dienst getan im Kosovo, währenddem hier in der CH hunderte von Wichtigtuern den Doppeladler machen und von einer Fussballkarriere trüumen.

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  3. @ Chröttli:
    Ich überlege mir gerade, ob die kurdischen Frauenmilizen nicht attrraktiver sein könnten auch für hiesige Frauen.
    Diese Frauen haben den IS-Kämpfern auf jeden Fall einen Heidenrespekt abgenötigt.
    Ob man soich von denen mal was abgucken könnte?

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  4. @seiler
    war eine harmlose persiflage, mehr nicht 😉
    (aber effektiv: eine zwanghafte aufstockung mit wilden jungs und harten mädels liegt mir gradgarnid – und widerspricht völlig meiner vorstellung von «integration» und «gleichstellung» … lediglich gleichschaltung)

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  5. @kröte. Herr Cesna spricht von Nichtschweizern. Oder wollen Sie – einmal mehr – die Realität Ihrer Ideologie anpassen und die genannten Vorfälle bestreiten ?
    Wo ich etwas gegen Frauen gesagt haben soll ist mir auch schleierhaft; ich habe die Dame von der faktenfreien Bezeichnung „musealen Vorstellungen“ befreit und ihren freiwilligen Einsatz über die feigen Machos gestellt.

    Aber Hauptsache wieder mal willentlich missverstanden…

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  6. @seiler

    womöglich nicht ganz unter homologen vorzeichen – aber ich teile Ihre meinung.

    aber ja, es muss unter allen umständen vermieden werden, dass neueingebürgerte – von aufenthaltern ganz zu schweigen – in die armee integriert werden.
    (oder gar frauen – pfui spinne)

    man sollte sie alle für untauglich erklären – sonst wird das nie was mit dem einzigartigen schweizer «pièce de résistance»

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  7. Da muss ich euch allen widersprechen… M Cesna wird die Kriegsführung schleichend revolutionieren. Der Prozess ist bereits in vollem Gange, ihr wisst es nur noch nicht. Eigentlich ist M Cesna The Dark Knight.

    Nein ganz im Ernst, alle lachen über die Luftwaffe und ihre Bürozeiten insebsonder die die hier den Umgangston kritisieren und eine Armee auf Kuschelkurs fordern. Wo habt ihr euren Dienst geleistet würde mich mal interessieren… In den Zügen befinden sich derart verschiedene Menschen z.T. äussetst undisziplinierte sogar. Da kann man nicht bitti bätti machen.

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  8. @Cesna: ich weiss ja nicht wie sie zur Einsicht gelangen, dass körperliche Fitness heute kein Schwerpunkt mehr in einem militärischen Konflikt darstellt. Aber falls sie nicht dazu gekommen sind in den letzten paar Jahren Bilder aus Krisenregionen anzuschauen, auf Youtube können sie sich ein Bild des Gefechtsalltages aus Syrien, Ukraine und sonst wo machen. Sie dürften feststellen dass auch heute noch Lärm, Schlafentzug und körperliche Strapazen zum Alltag eines Krieges gehören wie dies seit Jahrhunderten schon der Fall ist und bis zum lang ersehnten Weltfrieden leider Gottes auch noch sein werden.

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  9. @ Hr. Seiler:
    Ich ergötze mich an ihrem patriotischen Statement.
    Aber könnte man sowas wie Kriegführung auch ohne Patriotismus betreiben?
    … so, wie man Ikea-Möbel zusammenschraubt, so, wie man in Weil einkaufen geht oder Zigaretten holen geht?
    Patriotismus hat leider den Nachteil, dass er an den Landesgrenzen endet.
    Dieser enge Raum ist vielen wohl endgültig zu klein.

    Ihre Frage kann ich beantworten: Die Heilsarmee.

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  10. Da haben Sie recht – diese „harte“ Rekrutenschule mit Schlaftentzug, Anbrüllen der Rekruten und langen Gewaltmärschen erinnert mich eher an „Asterix als Legionär“ als an moderne Kriegsführung… im unwahrscheinlichen Fall, dass die Schweiz je von einer fremden Macht angegriffen werden sollte, wird sich dies durch Bombardements aus der Luft abspielen oder in Form einer Cyber-Attacke. Dagegen wird wohl Rumrennen nicht so viel nützen…
    Ach ja, und wenn die Armee mehr Frauen ansprechen möchte, sollte sie es mal mit weniger Rumbrüllen probieren – das mögen Frauen nicht so sehr…

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