Grosse Marbella-Korruptionsaffäre mit milden Urteilen abgeschlossen

Einer der grössten Korruptionsskandale in der Geschichte Spaniens ist nach acht Jahren mit relativ milden Urteilen zu Ende gegangen. Im Prozess ging es um illegale Vergaben von Baulizenzen, Bestechung und Vetternwirtschaft im Ferien- und Millionärsparadies Marbella.

Ex-Bürgermeisterin von Marbella verlässt Gericht in Málaga (Archiv) (Bild: sda)

Einer der grössten Korruptionsskandale in der Geschichte Spaniens ist nach acht Jahren mit relativ milden Urteilen zu Ende gegangen. Im Prozess ging es um illegale Vergaben von Baulizenzen, Bestechung und Vetternwirtschaft im Ferien- und Millionärsparadies Marbella.

Die Verhandlungen im grössten spanischen Korruptionsskandal haben acht Jahre gedauert und endete mit vergleichsweise milden Urteilen. So wurde der frühere Stadtplanungsberater Marbellas Juan Antonio Roca am Freitag in Málaga als Hauptangeklagter zu elf Jahren Freiheitsentzug sowie zur Zahlung einer Geldstrafe von 240 Millionen Euro verurteilt.

Das Urteil liegt weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte vor dem Hintergrund der aktuellen Korruptionsskandale im Umfeld des Königshauses und der Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy 30 Jahre für Roca und «exemplarische Strafen» für die restlichen Angeklagten gefordert.

Die Ex-Bürgermeister Marisol Yagüe und Julián Muñoz – Ex-Partner der spanischen Star-Schlagersängerin Isabel Pantoja – kamen mit Haftstrafen von sechs und zwei Jahren davon. Für sie waren je 16 und zehn Jahre gefordert worden. Die Hauptangeklagten wurden gleichwohl unter anderem der Bestechung, des Betrugs, der Veruntreuung öffentlicher Geld und der Geldwäsche für schuldig befunden.

95 Personen auf der Anklagebank

Roca war der Kopf einer Organisation von Politikern, Unternehmern und Anwälten, die an der Costa del Sol seit Anfang der 1990er Jahre für illegale Baugenehmigungen Schmiergelder in geschätzter Gesamthöhe von mehr als zwei Milliarden Euro kassiert haben soll.

Insgesamt sassen 95 Menschen auf der Anklagebank, darunter auch Chefs von Fussballclubs und Stierkampf-Impresarios. Zum Abschluss des dreijährigen Verfahrens wurden allerdings viele freigesprochen.

2,4 Milliarden Euro beschlagnahmt

Nachdem Marbella dank der Gelder von Öl-Scheichs, Hollywood-Stars, finanzstarken Russen und anderen Ausländern jahrelang einen Bauboom erlebt hatte, flog der Skandal Ende 2005 auf. Im Zuge der Affäre erlebte Spanien ein Novum, als 2006 die Stadtverwaltung von Marbella aufgelöst wurde.

Im Laufe der Ermittlungen wurden nach übereinstimmenden Medienberichten unter anderem Objekte im Wert von 2,4 Milliarden Euro beschlagnahmt, darunter zwei Helikopter, 275 Kunstgegenstände, 103 reinrassige Pferde und viele Luxusfahrzeuge.

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