Ihre Meinung ist gefragt: Was soll die SRG bieten?

Die SRG will sich einer öffentlichen Debatte stellen, Politiker fordern jetzt schon Kürzungen in den Finanzen und im Angebot. Der mediale Service Public steht unter Beschuss. Uns interessiert jetzt Ihre Meinung.

SRG

(Bild: Christian Schnur)

Die SRG will sich einer öffentlichen Debatte stellen, Politiker fordern jetzt schon Kürzungen in den Finanzen und im Angebot. Der mediale Service Public steht unter Beschuss. Uns interessiert jetzt Ihre Meinung.


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Der Kampf um die SRG als Teil des sogenannten Service Public im Mediensektor ist nicht nur wirtschaftlich getrieben. Den harten Auseinandersetzungen seit dem Abstimmungskampf um die RTVG-Revision liegt die alte Fehde um das Konzept einer staatlichen Grundversorgung zugrunde, die weit über die elektronischen Medien hinausgeht. Das Prinzip der Gegner: Der Staat soll die Grundversorgung nur aufs Mindeste beschränken und der Privatwirtschaft den Rest überlassen.

Wie viel SRG verträgt die Schweiz?

Die SRG, die seitens Bund den Auftrag für die Grundversorgung via elektronische Medien innehat, formuliert für sich klar. Ihr obliegt die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Radio- und Fernsehprogrammen und die Sicherstellung der Meinungsvielfalt. Daraus leitet die SRG folgende Punkte ab:

Die SRG unterscheidet sich von kommerziellen Anbietern, weil sie

  • alle Sprachregionen sowie Mehr- und Minderheiten berücksichtigt,
  • die Vielfalt der Themen, Inhalte und Gestaltungsformen anbietet,
  • Kultur nicht nur abbildet, sondern auch Kultur schafft,
  • nicht das Streben nach Quote, sondern die Qualität, Glaubwürdigkeit und Relevanz in den Vordergrund stellt,
  • von politischen und wirtschaftlichen Interessen unabhängig ist. 

Die SRG ist allerdings nicht nur ein Betrieb mit insgesamt 24 Radio- und Fernsehstationen, sondern auch ein privater Verein, der von einer Vielzahl von Regionalgesellschaften getragen wird. Dazu bildet sie mit ihrem Bundesauftrag einen Block in der Schweizer Medienlandschaft, der sich – dem Medienwandel anpassend – vom Radiogerät und dem Fernsehbildschirm auch ins Internet verlagert. Da setzen die Gegner an: Die SRG sorge wohl für eine Grundversorgung, nur dominiere sie die Marktfelder mit einem massiven Wettbewerbsvorteil, der staatlichen Finanzierung.

Bund will Grundsatzdebatte erst 2016

Auch der Bundesrat begleitet die Entwicklung. Er hat für die Medien eine ausserparlamentarische Kommission eingesetzt, die Eidgenössische Medienkommission (EMEK): «Mit dem Einsetzen der Medienkommission reagierte der Bundesrat auf die Entwicklung der Medien in der Schweiz, welche sich in den letzten Jahren in einem rasanten Wandel befinden», heisst es im Eigenbeschrieb auf der Website.

Präsidiert wird die Kommission vom Zürcher Publizistikprofessor Otfried Jarren. Unter seiner Leitung soll die Kommission die Grundlagen für eine nationale Debatte über diesen Service Public im Jahr 2016 ausarbeiten. Die findet nicht zufällig ein Jahr nach der RTVG-Abstimmung statt; die Reihenfolge hatte das Parlament festgelegt. Das dauert nun einigen Parlamentariern zu lange; sie wollen schon diesen Sommer darüber debattieren.

Die Kommission setzt sich demnächst wieder mit dem Service Public im Bereich der Medien auseinander. So führt sie am 3. Juli in Bern eine Anhörung zum Thema durch. Ein Gast ist Dominik Kaiser, Gründer und CEO der 3 Plus TV Network AG, der mit Produktionen wie «Bauer sucht Frau» und den Schweizer Versionen der «Bachelor»-Formate vor allem auf Unterhaltung setzt. Der zweite Gast ist Kurt Schaad, Mitgründer und Verwaltungsratspräsident des Jugendsenders «joiz».

Konversation

  1. Viele unserer Zeitungen – indbesondere die NZZ – unterscheiden sich nicht von deutschen. Die sind NATO oder Atlantikbrücke-ausgerichtet. Eine SRG sollte das vermeiden.
    MfG
    Werner T. Meyer

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  2. leroy@ ja das sehe ich genau so. das buch „srg“ soll und darf eine gute geschichte sein. doch nun ist es an der zeit uns auf den weg zu neuen, nicht immer einfachen, doch oft spannenden ufern aufzumachen. der einzigartigkeit uns menschen zum guten und weniger guten bleibt 😉

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  3. Service public – mal zur Abwechslung auf französisch statt des üblichen Englisch in letzter Zeit.
    Und wie sagte man dem wohl früher?

    Früher war mal die wichtigste Funktion Folgende:
    Wenn die Sirenen ertönen soll man sofort den Radio einschalten und auf Informationen und Vorschriften warten, die ausgestrahlt werden. Dazu braucht es das Fernsehen eigentlich nicht.

    Die zweichtwichtigste Funktion sind das Ausstrahlen von Nachrichten. Sie sollten unabhängig sein und niemandem verpflichtet. Und weil wir in der Epoche der Bildlis leben, braucht es für viele dazu das Fernsehen auch.

    Warum brauchen wir eine Gebühr? Da es wichtig ist, dass Nachrichten ausgestrahlt werden können, die niemand verpflichtet sind, sind die Gebühren notwendig, dass keine Abhängigkeit von Werbung entsteht.
    Beim Radio ist das so – beim Fernsehen ist das nicht mehr gegeben.

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    1. Tja, was soll ich sagen. Ein „klassisches“ Radio im Sinne von „elektromagnetische Wellen in Frequenzmodulation (FM) in Schallwellen umwandeln“ habe ich nur noch im Auto. Zuhause passiert das via Internet, was im Störfall vermutlich ebenfalls gestört ist. Und wenn es läuft, spielt es keine lokalen Sender, sondern einen aus dem Land nördlich von uns. Ob der dann Notfallinformationen überträgt?

      Aber wir sind uns einig: Es braucht eine Gebühr, um qualifizierte Informationen und Nachrichten halbwegs neutral und unabhängig von Einschaltquoten zu produzieren. Und am besten auch noch in Standarddeutsch und nicht in Mundart, damit es auch jeder, der hier lebt versteht (das ist leider nicht selbstverständlich und der Grund, warum ich lokale Radios nicht höre – damit sind wir uns aber vermutlich nicht einig…)

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  4. Die Fernsehprogramme der SRG sind über Satellit empfangbar, allerdings braucht es eine Decoderkarte dafür, die problemlos mit schweizer Wohnsitz bestellt werden kann.

    Offizieller Grund für die Verschlüsselung: Die Senderechte für Filmmaterial wird nur für die Schweiz erworben.

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  5. Lieber Herr Cesna,

    in der Tat: Einfach ist letztlich nichts.
    Die Vernunft hat uns seit der Aufklärung mit der Naturwissenschaftlichen Methode (NWM) die Technisch-Wissenschaftliche Revolution und damit jede Menge von echten Fortschritten beschert, dazu aber auch viele neue Probleme, ohne Zweifel. Aber das war nur die halbe Miete, denn die Vernunft funktioniert ohne die emotionale Basis überhaupt nicht, wie uns die Neurowissenschaftler aufgezeigt haben. Und eben, ganz wesentliche Bereiche unserer Gesellschaft entziehen sich der NWM, weil es keine experimentelle Nachprüfung in isolierten Systemen geben kann.
    So kommt es, dass die klugen Imperative der Religion und Philosophie letztlich wirkungslos bleiben, wenn es um die hohen Grundwerte der Aufklärung geht! Insofern hat die Aufklärung glatt versagt. Friede und Gerechtigkeit, Brüderlichkeit und Gleichheit wurden nicht erreicht, höchstens in ein paar kleinen Gemeinschaften.
    Oder wie der Bayer sagt: Kenna dat me scho, aba megn dua ma net.

    Doch resignieren möchte ich nicht. Machen wir doch gelassen das Beste draus.
    Mein Motto heisst daher: Konstruktiv weiterwursteln!
    Das bringt mehr als Empörung, Sarkasmus oder Verbitterung darüber, dass die Wirklichkeit nicht geruht, unseren Vorstellungen zu entsprechen. Darin lag doch der Denkfehler der aufklärerischen Vernunft: Mit Information und Einsicht werde dann alles gut, wir brauchen nur den guten Regeln von Platon bis Kant zu folgen. Auch mit den Religionen konnten wir die gerechte Ordnung bisher nicht einrichten.

    Erst in neuerer Zeit haben die Klügsten erkannt, dass wir das menschliche Verhalten zuerst untersuchen und verstehen sollten, bevor wir Imperative herausposaunen. Kant musste auch erst mal alt werden, bevor er dies erkannt hatte: Unsere Institutionen müssen so eingerichtet werden, dass auch böswillige (etwa auf Eigennutz zum Schaden der Gemeinschaft bedachte) Menschen sie nicht missbrauchen können, schrieb er sinngemäss 1798.
    Oder modern gesagt: Zuerst brauchen wir eine robuste Sozialpsychologie und dann können wir uns um die Ideal kümmern. Die Entstehung der öffentlichen Meinung in einer demokratischen Gesellschaft, befreit von Manipulation ist dann noch eine andere Grossbaustelle der schwierigen Demokratie!

    Folgerichtig unternimmt der Neoliberalismus alles, um Regulierungen zu verhindern und schlecht zu reden. Als ob Freiheit in sich und alleine einen Sinn finden kann. Der neoliberale Freisinn ist insofern ganz schön Sinn-frei.

    Guter Punkt: Die Beruhigung des Volchs als Ziel! Das tun aber primär die Politiker, und die simpleren Medien trotten brav hinterher.
    Noch ein tiefer, innerer Widerspruch:
    Der Politiker soll voraussehend lenken helfen, wird aber, sobald er schlechte Nachrichten überbringt, gemäss langer Tradition kurzerhand geköpft. Dann ist endlich RUHE!
    Daher bleibe ich als Pragmatiker moderat optimistisch: Wenn wir nicht einmal versuchen, wenigstens an klaren Konzepten zu arbeiten, dann verlieren wir todsicher.

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  6. 100 Mio abtrennen und ein CH-NTV-Sender von Privaten-nicht Politikern!-aufbauen lassen, unter Mitwirkung des Publikums inkl. Internet. Die Politiker werdens verhindern, wetten?

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  7. @ chröttli:
    Gerade weil Fernsehen teuer ist, wäre doch die Qualität wichtig. Und ich vermute mal, eine Minute Belanglosigkeit zu produzieren kostet nicht weniger, als eine Minute mit Substanz. Ich meine, wir HABEN ja die guten Journis, klugen Köpfe, die etwas zu sagen haben, wir leisten uns tolle Auslandkorrespondenten, die einen sehr guten Job machen.

    Beim Radio schätze ich, dass mir als Hörerin etwas zugemutet wird, dass man mir zutraut, etwas zu verstehen, auch wenn es ein wenig komplexer ist. Man mutet mir zu, manchmal eine ganze Stunde ohne Musikunterbrechung zu einem einzigen Thema etwas zu hören, von vielen Seiten beleuchtet aber nicht auf reines Unterhaltungsformat heruntergeblödelt.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Leute sehr viel intelligenter sind, als ihnen zugetraut wird. Aber wenn ich für einfältig gehalten und entsprechend nur mit geistiger Schonkost versorgt werde, dann werde ich vielleicht tatsächlich mit der Zeit etwas träge im Kopf? Jedenfalls brauche ich dafür kein staatlich finanziertes Fernsehen, sondern das bekomme ich ja sonst überall.

    Und deshalb stimme ich @Martens zu: Quoten müssen egal sein!
    Service Public heisst nicht, dass es jedem gefallen muss, sondern dass diejenigen, die Interesse und ein gewisses geistiges Engagement aufbringen wollen um sich in dieser komplexen Gesellschaft zu orientieren und zu positionieren, ein Angebot bekommen, genau dies zu tun.

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