In der Schweiz sind immer mehr Menschen von Sozialhilfe abhängig

Die Zahl der Menschen, die die Sozialhilfe brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen, ist im Jahr 2011 erneut angestiegen. Insgesamt zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) 236’133 Bezügerinnen und Bezüger von Sozialhilfe. Das waren 5100 Personen mehr als 2010.

Die Zahl der Alleinstehenden, die von der Sozialhilfe abhängig sind, nimmt zu (Symbolbild) (Bild: sda)

Die Zahl der Menschen, die die Sozialhilfe brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen, ist im Jahr 2011 erneut angestiegen. Insgesamt zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) 236’133 Bezügerinnen und Bezüger von Sozialhilfe. Das waren 5100 Personen mehr als 2010.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg damit die Zahl der Sozialhilfebeziehenden um 2,2 Prozent an, wie der Schweizerischen Sozialhilfestatistik vom BFS zu entnehmen ist. Die so genannte Sozialhilfequote verharrte jedoch bei 3 Prozent, weil im selben Zeitraum die Bevölkerung ebenfalls zunahm.

Die schweizerische Sozialhilfelandschaft lässt sich in Ost und West unterteilen. Der Graben verläuft zwischen der Zentralschweiz und dem Kanton Bern. Westlich davon liegt die Sozialhilfequote bei mindestens 3,5 Prozent. In der Zentral- und Ostschweiz beläuft sie sich auf unter 2 Prozent.

Grosse Unterschiede

Einzig der Kanton Zürich liegt noch über dem schweizerischen Durchschnitt, zählt aber gemessen an der Bevölkerung weniger Sozialhilfebeziehende als Bern, Solothurn und die Westschweiz.

Das BFS erklärt die Unterschiede mit der geringeren Bevölkerungsdichte in der Ostschweiz. Diese wirke sich auch auf die Sozialhilfezahlen aus.

Die höchste Sozialhilfequote hat mit 6,7 Prozent der Kanton Neuenburg, gefolgt von Basel-Stadt mit 5,9 Prozent und dem Kanton Waadt mit 4,9 Prozent. Am tieferen Ende der Sozialhilfestatistik befinden sich die Kantone Appenzell Innerrhoden und Nidwalden mit je 0,9 Prozent.

Viele Alleinstehende

Das BFS macht in seiner Sozialhilfestatistik auch darauf aufmerksam, dass die Zahl der so genannten Mehrpersonen-Fälle seit dem Jahr 2008 stetig abnimmt. Mit anderen Worten steigt die Zahl der Ein-Personen-Fälle an – zuletzt auf 64 Prozent aller Sozialhilfefälle.

Jeder Fünfte ist dabei zwischen 18 und 25 Jahre jung. „Diese jungen Erwachsenen stehen in einer Übergangsphase zwischen Ausbildung, Beruf und Familie und sind finanziell auf sich selbst gestellt“, erklärt das BFS.

Eine weitere grosse Ein-Personen-Gruppe sind die 46- bis 64-Jährigen. „Es ist der Lebensabschnitt, in dem die ‚Familienphase‘ aus welchen Gründen auch immer dem Ende zugeht oder nie stattgefunden hat.“ Gemäss BFS sind sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Sozialhilfebeziehenden die Männer in der Überzahl.

Grosse Abhängigkeit

Eine weitere Zahl des BFS lässt aufhorchen: Über die Hälfte der Sozialhilfebeziehenden ist zu 100 Prozent von der Sozialhilfe abhängig. Dies ist bei zwei Dritteln aller alleinstehenden Bezügerinnen und Bezüger der Fall, aber nur bei einem Viertel der Alleinerziehenden oder Familien mit Kindern.

Zudem sind die Ein-Personen-Fälle und die Fälle von Alleinerziehenden mehrheitlich Schweizerinnen und Schweizer. Paare mit oder ohne Kinder, die Sozialhilfe beziehen sind mehrheitlich ausländischer Nationalität.

Konversation

  1. Genug Arbeit hätte es schon!
    Wie oft heisst es bei einem Projekt: „Das Gelf fehlt“ und es wird abgeblasen. Oder bei einem Projekt, das schon besteht, werden Menschen entlassen, weil offenbar nicht genug Geld da ist.
    Das betrifft vor allem Arbeitsplätze im zwischenmenschlichen und sozialen Bereich.
    Das ist einfach eine Lüge. Menschen die ohne Erwerbsarbeit sind, haben ja auch Geld zum Leben. Man denke nur an die Arbeitslosengelder, die Fürsorgeleistungen, IV-Leistungen und was es sonst noch alles gibt.

    Es ist schon eigenartig, wenn eine Mutter als arbeitslos gilt, wenn sie zuhause zwei, drei Kinder hat. Wenn sie erwerbsarbeitslos ist, schaut sie ihren Kindern selber, also macht eine wichtige Arbeit. Hat sie dann wieder eine Erwerbsarbeit gefunden, betreuen einfach andere Menschen ihre Kinder.

    Wir werden sehr bald nicht mehr darum herum kommen, alle Arbeit, wie Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gratisarbeit, usw. als gleichwertig zu behandeln, wenn nicht die Zukunft der Menschheit gefährdet werden soll.

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  2. Kann Ihnen nur zustimmen und möchte noch ergänzen. Das tolle Schengen Abkommen mit seiner Personenfreizügigkeit. 50 jährige Schweizer entlassen um die Stellen dann mit 30 jährigen Deutschen zu besetzen. Ja ja … unsere Wirtschaft (miss-)braucht die Zuwanderung. Aber das alles hat jetzt dann zum Glück ein Ende. Die Bevölkerung und die SVP haben es erkannt. Es fehlt nur noch die entsprechende Volksinitiative.

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  3. Sobald die Firmen aufhören nur 30-jährige mit zwanzig Jahren Berufserfahrung zu Dumpinlöhnen einzustellen und statt dessen ihre Personalpolitik bei Neueinstellungen soweit abändern, dass nicht nur das Gehalt sondern auch die Erfahrung bei einer neu zu besetzenden Stelle zählt, könnten wir wahrscheinlich mit einer Senkung der Sozialhilfebezügler rechnen.

    Wenn ich es schon lese…..
    Sie sind jung, ufffffffgställlllt, flexibel und wollen etwas erreichen?

    Stellen werden mit Praktikanten besetzt, denen man eigentlich einen Lohn zahlen müsste und ködert sie mit einem Zeugnis, am Ende des Praktikums für einen guten Start ins Berufsleben dienen soll. Diese Stellen brechen schon mal für den Arbeitsmarkt weg.

    Und da wundert man sich über Sozialhilfebezüger

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  4. Kann Ihnen nur Zustimmen. Hier ein Artikel mit mehr Informationen. Aber vorsicht er kommt von den Bösen weltwoche.ch/ausgaben/2007-14/artikel-2007-14-auslaenderanteil.html 🙂

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  5. Die Zahlen mögen in sich selber korrekt sein. Eine Aussage darüber was die Gründe sind dafür das mehr Menschen sozialhilfe beziehen beinhaltet der Artikel nicht.

    Die Tageswoche nimmt in Anspruch einen besseren Journalismus zu bieten. Einfach Zahlen des BFS zu wiederholen, kann man wohl kaum als Journalismus bezeichnen.

    Eine vertiefte Analyse über die Hintergründe des Problems hätte den Artikel wirklich lesenswert gemacht.

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  6. In dieser Zeit ist doch die IV auch viel restriktiver geworden! Womöglich gibt es auch deshalb mehr, die Sozialhilfe beziehen.

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