Initiative für mehr Ausbildungsplätze für Ärzte

An Schweizer Universitäten werden zu wenig Ärzte ausgebildet. Weil niemand dafür bezahlen will, werden aber kaum zusätzliche Studienplätze geschaffen. Eine Initiative soll dies nun ändern.

Ab dem 9. April werden Unterschriften gesammelt gegen den Ärztemangel (Symbolbild) (Bild: sda)

An Schweizer Universitäten werden zu wenig Ärzte ausgebildet. Weil niemand dafür bezahlen will, werden aber kaum zusätzliche Studienplätze geschaffen. Eine Initiative soll dies nun ändern.

Die Volksinitiative «Mehr Ausbildungsplätze Humanmedizin» will die Kantone verpflichten, so viele Ärztinnen und Ärzte auszubilden, wie in der Schweiz langfristig benötigt werden. Kommen die Kantone dieser Aufgabe nicht nach, sollen sie vom Bund dazu gezwungen werden können.

Ein Kollaps im Gesundheitswesen habe bisher durch den Import ausländischer Ärzte abgewendet werden können, schreiben die Initianten in einer Mitteilung vom Dienstag. Trotzdem müssten immer mehr Hausarztpraxen wegen fehlender Nachfolge geschlossen werden. Probleme gebe es auch in anderen Fachgebieten wie der Psychiatrie, der Gynäkologie und der Pädiatrie.

Genügend Interessenten

Dieser Fachkräftemangel werde sich weiter zuspitzen. Dabei gibt es nach Ansicht der Initianten in der Schweiz genügend motivierte Anwärterinnen und Anwärter auf ein Medizinstudium. Mehr als die Hälfte von ihnen werde jedoch wegen des Numerus Clausus von der Ausbildung ausgeschlossen.

Hinter der Initiative stehen junge Menschen verschiedener Studienrichtungen und Berufsgattungen. Sie wollen das Volksbegehren überparteilich halten und suchen daher vorerst nicht Unterstützung bei einer bestimmten Partei, sagte Sven Strebel, Sprecher des Initiativkomitees, auf Anfrage der sda. Es sei aber nicht verboten, Unterschriften zu sammeln.

Jedoch stehen die Initianten in Verhandlungen mit dem Ärzteverband FMH und weiteren Ärztevereinigungen, wie Strebel sagte. Ergebnisse lägen noch nicht vor. Im Patronatskomitee sitzen mehrere Dutzend Ärzte, unter ihnen der Berner Herzchirurg Thierry Carrel.

Der Startschuss für die Unterschriftensammlung soll am 9. April fallen. Gegen den Ärztemangel in der Schweiz kämpft auch die Initiative «Ja zur Hausarztmedizin».

Frage der Kosten

Dass in der Schweiz zu wenig Ärzte ausgebildet werden, ist unbestritten. Bund und Kantone haben darum letzten Sommer vereinbart, ab 2018/2019 rund 300 zusätzliche Ärztinnen und Ärzte pro Jahr auszubilden. Über die Frage, wer die Mehrkosten von jährlich 56 Millionen Franken übernehmen soll, kam keine Einigung zustande.

Am 8. März 2013 hat der Bundesrat entschieden, für die Periode 2013-2016 keine zusätzlichen Mittel für die Schaffung von Studienplätzen zur Verfügung zu stellen. In der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation für die folgende Periode soll der Ausbau der Humanmedizin aber ein Schwerpunkt bilden.

Konversation

  1. Der gute alte Hausarzt ist kaum mehr zu finden.
    Ich hatte jahrelang eine Aerztin, die wirklich Hausärztin war. Jeden Morgen hatte sie eine Stunde am Telefon für ihre Patienten, einerseits, um einen Termin abzumachen und andererseits als kurze Beratung und Sprechstunde am Telefon. Da sie ihre Patienten gut kannte, war es oft gar nicht nötig, dass man vorbeikam. Das Rezept, falls eins nötig war, schickte sie dann per Fax an die nächste Apotheke. In der Hausarztmedizin durch die KK war ich da offinziell nicht.
    Seit wenigen Jahren ist sie pensionniert. Nach längerer Suche habe ich nun wieder eine „Hausärztin“. Sie arbeitet 60%. Telefonisch erreichbar ist sie kaum. Wenn ich sehe, dass mir ein Heilmittel ausgeht, muss ich extra wieder einen Termin abmachen. Ich verstehe da unter einem Hausarzt schon was anderes. Aber Hauptsache sie nennt sich „Hausarzt“, so komme ich zur Vergünstigung.
    Meine ehemalige Hausärztin half mir bei der Suche nach einem neuen Hausarzt. Nun ich sagte ihr, dass das jetzt solala gehe, aber das Gelbe vom Ei sei es nicht. Nun, wenn ich wirklich was habe, dann telefoniere ich weiterhin ihr. Sie berät mich gratis und sehr gut. Nur die Medikamente und Heilmittel muss ich selber bezahlen, weil sie keine Praxis mehr hat. Da sie sich unterdessen ins Bündnerland verzogen hat, machen wir das alles per Telefon. Und wenn sie wieder mal nach Basel kommt und ich sie sehe, ist die Freude auf beiden Seiten immer sehr gross.
    Solange sie noch mag, bin ich sehr gut versorgt. Wenn das nicht mehr geht …. ich weiss nicht so recht….

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  2. Genau das mein ich. Es ist doch unnötig zig Fachärzte zu haben, wenn ein guter Hausarzt viele Probleme selber lösen kann.
    Es ist aber leider so, dass Patienten direkt zum Spezialisten gehen, der viel höhere Taxen verrechne.
    Das hat eben die Folge, dass viele Spezialisten ausgebildet werden und die Kosten explodieren

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  3. @ Alesch Gian Wasescha,
    Dann stellt sich die blöde Frage, warum denn ein Facharzt soviel mehr verdienen muss?
    Der Hausarzt verantwortet und leistet als Generalist, jedenfalls mit genug Berufserfahrung, oft viel mehr für das Gesundheitswesen (eigentlich unser Allgemeingut, nicht Cash-cow) als ein überspezialisierter Facharzt.

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  4. Was fehlt sind nicht allgemein Humanmediziner sondern der gute alte Hausarzt, der schon viele Probleme beheben kann.
    Viele Studenten entscheiden sich jedoch für einen Spezialisten, vor allem der Finanzielle Anreiz und die Ubersichtbarkeit lockt.
    Dies führt dazu, dass Studienplätze blockiert werden, die dann Spezialisten werden, von denen es momentan genug hat. Jedoch fehlen die Allgemeinmediziner.

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