Jedes dritte Tram in Belgrad ist ein Drämmli aus Basel

Die BVB haben zwei Gelenkwagen nach Belgrad verfrachtet. Aber warum eigentlich? Und was sagen Bewohner zu unseren Drämmli? Unser Korrespondent in der serbischen Hauptstadt weiss es. Und nicht nur das. Das verblasste Emblem der BLT auf der Aussenseite zeugt davon, dass der Schindler-Gelenkmotorwagen schon lange Zeit auf den Schienen ist. Er ist ein wahrer Oldtimer […]

Die BVB haben zwei Gelenkwagen nach Belgrad verfrachtet. Aber warum eigentlich? Und was sagen Bewohner zu unseren Drämmli? Unser Korrespondent in der serbischen Hauptstadt weiss es. Und nicht nur das.

Das verblasste Emblem der BLT auf der Aussenseite zeugt davon, dass der Schindler-Gelenkmotorwagen schon lange Zeit auf den Schienen ist. Er ist ein wahrer Oldtimer aus den 1970er-Jahren – erlebt aber seit 2013 seinen dritten Frühling in Belgrad.

Auf der Tramlinie 12 fährt er die Bewohner der serbischen Hauptstadt vom Omladinski Stadion des OFK Belgrads bis zum Eingang der Halbinsel Ada Ciganlija. Und jedem verkündet er seine Herkunft, steht auf seinem Dach in deutscher und serbischer Sprache: «Die Schweiz und die Stadt Basel grüssen Belgrad.»

Basel gehört zu den grosszügigsten Spendern für den Personennahverkehr in Belgrad. Anfang dieses Jahres gingen bereits zwei grüne Düwag-Trams und 13 gelbe Schindler-Gelenktriebwagen nach Belgrad. Im Laufe des Jahres folgen weitere BVB-Motorwagen und 10 Anhänger.

«Die Trams haben sich als zuverlässig erwiesen und die Bürger mögen sie.»


Bürgermeister Sinisa Mali

Inzwischen kommt jede dritte Tram in der serbischen Hauptstadt aus Basel. Der Belgrader Bürgermeister Sinisa Mali zeigt sich darüber erfreut: «Die Trams haben sich als zuverlässig erwiesen und die Bürger mögen sie, weil wir mit ihnen einen guten Service bieten können.» Darüber hinaus bedankte sich der Bürgermeister bei der Schweizer Regierung, der Stadt Basel und den Bürgern Basels für diese Spende.

Auch beim städtischen Verkehrsunternehmen GSP Beograd freut man sich über die Drämmli. Die Unternehmenssprecherin Jelena Tmusic sagt: «Wir sind sehr zufrieden mit den Spenden aus Basel. Die Zusammenarbeit funktioniert seit 15 Jahren ausgezeichnet.»

Warum eigentlich nötig?

Angefangen hat die Zusammenarbeit kurz nach der Bombardierung der Stadt durch die Nato 1999. Die Bombardierung wie auch die Sanktionen gegen das ehemalige Jugoslawien hatten sich negativ auf den öffentlichen Nahverkehr in Belgrad ausgewirkt. Dem städtischen Verkehrsunternehmen mangelte es an Kraftstoff und Ersatzteilen für ihre veralteten Fahrzeuge. Die Qualität des Nahverkehrs sank immer weiter bis ins Jahr 2000, als er fast komplett erlag.

Die Rettung kam kurz nach dem Sturz des Milosevic-Regimes im Oktober 2000. Die Stadt Belgrad begann eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), welches bislang 4,5 Millionen Franken für das Programm «Trams for Belgrade» aufbrachte. 2001 rollten in der Folge bereits die ersten grünen Drämmli der BVB durch die Belgrader Strassen. 

Seit 2013 auch gelbe Drämmli in Belgrad unterwegs

Weitere Spenden aus Basel für die serbische Hauptstadt folgten in den Jahren 2002, 2005 und 2009. 2013 kamen zum ersten Mal die gelb-roten Wagen der BLT nach Belgrad und machten die Tramstrecken Belgrads damit etwas bunter. Das gesamte Projekt umfasst zwischen 2001 und 2016 52 Düwag-Gelenkwagen, 13 Gelenkwagen Schindler sowie 46 Anhänger.

Die Düwag wurden in den frühen 1970er-Jahren von der BVB angeschafft. Die Schindler-Gelenkmotorwagen der BLT wurden 1971 und 1976 beschafft. An den aktuellen Transportkosten leisten auch die Belgrader Verkehrsbetriebe einen Beitrag. Mit im Gepäck sind jeweils auch Ersatzteile für die Wagen. Nach den kommenden Lieferungen dieses Jahres endet das Projekt.

Die Japaner schicken Busse

Die Spenden für den öffentlichen Nahverkehr in Belgrad kommen nicht nur aus Basel, sondern auch aus anderen Ländern. Nach dem Sturz des Milosevic-Regimes spendeten Tschechien, Österreich, Griechenland, Deutschland, Slowenien und Italien Busse für die serbische Hauptstadt. Hervorzuheben ist Japan, das 2003 ganze 93 Busse des Modells MAN SG313 an Belgrad spendete.

Und wenn man das weiss, kann man auch über die Scherze der Fahrgäste lachen, die gerne sagen: «Belgrad ist wie eine Mischung aus dem Basel der 1970er-Jahre und dem Tokio der 1990er-Jahre.»

Wer die Basler Oldtimer-Drämmli vermisst, muss nicht auf sie verzichten. Dank «Wizzair» kann man schon für 35 Franken von Basel aus in die serbische Hauptstadt fliegen. Eine Tramfahrt in Belgrad kostet umgerechnet 80 Rappen.

Und so sieht der Abtransport der Drämmli nach Belgrad aus, festgehalten vom TagesWoche-Fotografen Alexander Preobrajenski:

Konversation

  1. Liebe spaletor hose, ich habe, wie Du das wünschst, lange über deine Beiträge nachgedacht und muss Dir gestehen: Ich kann beim besten Willen keinen Zusammenhang erkennen zwischen der Tatsache, dass es aus dem Balkan Menschen gibt, die sich bei uns kriminell aufführen und dafür auch bestraft werden und dem Entscheid der BVB und der BLT, ihre an sich noch funktionstüchtigen, aber für die hohen Passagieraufkommen in der Stadt zu kleinen Tramzüge nach Belgrad zu verfrachten. Das einzige, was man allenfalls hoffen kann ist, dass dank den guten Trams das Leben in Belgrad für die Menschen angenehmer wird, der öffentliche Verkehr in der Stadt zusätzliche Arbeitsplätze schafft und es darum weniger Menschen gibt, die aus Belgrad auswandern – wobei ich zugleich auch sagen muss, dass diejenigen SerbInnen aus Belgrad, die ich kenne, sich in der Schweiz ausgezeichnet eingelebt haben, seit Jahren hier arbeiten und dabei ausgezeichnete Arbeit leisten. Also nochmals: Trotz langem Nachdenken sehe ich keinen Zusammenhang. Könnte es sein, dass Deine offen eingestandene Angst vor dem roten Block, was immer Du damit meinst, Dir Dein Denkvermögen derart trübt, dass Du Zusammenhänge darstellst, wo es keine gibt? Dann müsstest Du vielleicht mal zum Doktor gehen und Dich auf Paranoia untersuchen lassen. Die ist heilbar, wenn man sie rechtzeitig erkennt und therapiert.

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  2. @hagenbach

    noch&nöcher die ewig unbeantwortbare frage.
    jedes haus, jede maschine, jedes auto und jedes tram wird grundsätzlich für eine wesentlich längere nutzungsperiode gebaut. begründet wird jeweils mit verminderten emissionen (lärm, gestank, feinstaub, abrieb etc), pfleglicherem unterhalt (?!), sicherheit und höherer effizienz (strom, öl, kohle, gas, rohstoff etc) bei plusminus stabilem komfort (bzw. erweiterter nutzung – siehe @mustedaganic)

    ohne den einbezug der realen! lebenszyklen macht das ganze von der bilanz her nur leider schlicht keinen sinn.
    es sei denn als auftrags- bzw. arbeitsbeschaffung.
    weiterverwendung andernorts (plus transportenergie) ist da noch eine recht sinnhafte lösung.

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  3. Ohne jetzt recherchiert zu haben, fallen mir spontan zwei Gründe ein: Sie sind wohl nicht behindertengerecht, wenn ich mich richtig erinnere (auch für Kinderwagen kaum) und sie werden vom Stromgebrauch her nicht den Ansprüchen genügen. In Belgrad würden sie auch neue Drämmli fahren, wenn die Anschaffungskosten stemmbar wären. Sag ich jetzt einfach mal.

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  4. Ich frage mich ja immer noch, warum diese funktionstüchtige Fahrzeuge nicht weiter verwendet werden. Die Düwag-Wagen werden ja unter Trämler als die besten Tramzüge bezeichnet, welche die BVB je hatte. Warum und wo besteht da ein Druck, sogenannt ‚modern‘ und ‚zeitgemäss‘ zu sein? Ersatzteile gibt es ja, der Betrieb scheint ja nicht so teuer zu sein, sonst könnten es sich dies die Belgrader nicht leisten. Oder muss hier aus einem anderen Grund Geld für neue Trams ausgegeben werden?

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    1. Es geht bei Neuanschaffungen immer darum, inwieweit die alten Maschinen, oder wie in diesem Fall, Tramkombinationen bereits abgeschrieben sind, buchhalterisch. Und in diesem Fall kann man sicher sein, dass diese bereits zu 100% abgeschrieben waren. Wie in jedem anderen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführten Betrieb werden nach der Abschreibungen Neuanschaffungen geprüft, und wenn diese effizienter, besser, und kostengünstiger betrieben werden können, werden diese angeschafft, sofern das Unternehmen gesund ist. In der Industrie werden alte Maschinen stets zu einem Schleuderpreis verkauft. Es gibt einen weltweiten Handel von alten Maschinen, oder Anlagen, welche so in Schwellen- oder Drittweltländer landen, und dort noch Jahre lang bestens weiter funktionieren. Emotionale Gründe, welche bei Tramliebhabern mitschwingen können, müssen halt dann den wirtschaftlichen Überlegungen weichen. Zugrunde gehen wird dabei keiner, und die paar Tränen trocknen schnell.

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  5. Klar, Belgrad ist Balkan, und das ist super so! Habe dort während meiner zehntägigen Reise durch die Ex-Jugoslawischen Republiken die beste aller Mahlzeiten aufgetischt bekommen. In ganz Serbien, wenn man einen Kaffee bestellt, kommt so ein im Kännchen drei Mal aufgekochter Wundermokka, und wenn man Limonade bestellt, echter frischgepresster Zitronensaft mit Wasser gemischt, Zucker kann man selbst dazuschütten, wenn man will. Die Leute alle ausnahmslos total freundlich. Züge pünktlich, Drämmli leider nicht benützt. (Höchstens etwas zu viele Mücken gab es da, das war wirklich ein grosses Problem in Belgrad, echt kriminell, wie die einen einfach stechen…) Liebe Spaletor Hose, ich empfehle Ihnen eine baldige Reise dorthin, vielleicht können Sie die Sache dann etwas entspannter sehen! (Und wenn Sie schon dabei sind: machen Sie doch auch einen Abstecher nach Dubrovnik, dort gab es auch noch so ein exzellentes Restaurant, ein bosnisches… hmmmjamm.) Nichts wie hin!

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  6. Eine schöne Geste, die ausgedienten Strassenbahnen nach Belgrad zu liefern.
    Warum das nicht von allen positiv gesehen wird, ist mir unverständlich. Ich denke, die Bevölkerung und die Stadt sind froh um jede Verbesserung der Infrastruktur durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Stadt.

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  7. @spalentor hose: Gratulation zum – vermutlich – 731. Pseudonym. Ihre Kommentare scheinen aber nicht wirklich geistreicher geworden zu sein, und ich frage mich, was Sie mit Ihrer destruktiven Art genau erreichen wollen…

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