Kritiker der Stadtentwicklung vernetzen sich

Am Sonntag trafen sich rund hundert Leute zum ersten Basler «Stadtspaziergang». Die Kundgebung führte von der Wasserstrasse bis zum neu besetzen Haus an der Schwarzwaldallee. Im Zentrum stand die Forderung nach günstigem und selbstverwaltetem Wohnraum. Ein Bagger, der bedrohlich auf Altbauten zurollt, war auf dem Flyer zu sehen. «Von Ort zu Ort der Verdrängung entgegen» […]

«Stadtspaziergang» gegen die offizielle Stadtentwicklung Basels

Am Sonntag trafen sich rund hundert Leute zum ersten Basler «Stadtspaziergang». Die Kundgebung führte von der Wasserstrasse bis zum neu besetzen Haus an der Schwarzwaldallee. Im Zentrum stand die Forderung nach günstigem und selbstverwaltetem Wohnraum.

Ein Bagger, der bedrohlich auf Altbauten zurollt, war auf dem Flyer zu sehen. «Von Ort zu Ort der Verdrängung entgegen» war passend dazu auf einem Transparent zu lesen. Unter diesem Motto fand am Sonntag eine Kundgebung unter dem Titel «Stadtspaziergang Nr.1» statt.

Es war daher kein Zufall, dass die Arbeiterhäuser an der Wasserstrasse, sie gehören zu den grossen Zankäpfeln der Stadtentwicklung, als Ausgangspunkt dienten. «Bis hierher sollen die Häuser der Genossenschaft Gnischter übergeben werden», meinte ein Redner während der Besammlung und zeigte dabei auf die Ecke der Häuserzeile. Die Zukunft des Hauses Nummer 39 gleich gegenüber vom Volta-Schulhaus ist nach wie vor ungewiss.

Kampf für die Erhaltung des Hauses an der Wasserstrasse 39

Kampf für die Erhaltung des Hauses an der Wasserstrasse 39 (Bild: Michel Schultheiss)

Bei Kaffee und Kuchen wurde das vom Verein Wasserstrasse Anfang Januar bekannt gegebene Anliegen des Vereins Wasserstrasse nochmals unterstrichen. «Wir hoffen, dass die Stadt ihre Absichtserklärung einhält», meinte ein Redner während der Besammlung.

Vom St. Johann ins Kleinbasel

Vom St. Johann aus bewegten sich die rund hundert Demonstrierenden ins Kleinbasel. Dabei ging die unbewilligte Kundgebung ohne Zwischenfälle über die Bühne. Beim Eckhaus an der Schwarzwaldallee 269 endete der «Spaziergang». Der ehemalige Rotlichtbetrieb ist seit gut drei Wochen vom «Kollektiv Schwarze Erle» besetzt.

«Es geht darum, die Leute zu vernetzen», meinte eine junge Bewohnerin der Wasserstrasse-Häuser, die den Stadtspaziergang mitorganisiert hatte. Dementsprechend hätten sich auch Leute vom Wagenplatz im Klybeck und der «Schwarzen Erle», aber auch viele andere Kritiker der Stadtentwicklung an der Aktion beteiligt.

Bedürfnis nach günstigem Wohnraum

Noch müsse man abwarten, wie der Grosse Rat demnächst über die Neuverteilung der Parzellen an der Wasserstrasse (und dementsprechend auch über das Schicksal von Haus Nummer 39) entscheiden wird. «Zum einen geht es darum, die Leute vor der Abstimmung im zu sensibilisieren, zum anderen möchten wir die Stadtentwicklung ganz allgemein thematisieren», hielt die Wasserstrasse-Bewohnerin fest. Somit sollen die Probleme in verschiedenen Teilen Basels nicht als isolierte Phänomene, sondern in einem Zusammenhang betrachtet werden, wie sie betonte.

«An vielen Orten wird aufgewertet, aber nur für diejenigen, die es sich leisten können»: Mit diesen Worten wurde im Demo-Flyer dem Bedürfnis nach günstigem Wohn- und Lebensraum Ausdruck verliehen. Basel solle nicht nur eine Stadt zum Arbeiten, auch gemeinschaftlicher Wohnraum müsse hier möglich sein, fügte eine andere Demonstrantin bei.

Zwischenhalt an der Klybeckstrasse

Zwischenhalt an der Klybeckstrasse (Bild: Michel Schultheiss)

Die «Stadtspaziergänger» legten auf ihrer Route zur Schwarzwaldallee an der Klybeckstrasse 101 einen Halt ein. Der Grund dafür ist die Liegenschaft, die durch den Lebensmittelladen «Alban Market» bekannt ist. Die «Genossenschaft Mietshäuser Syndikat» ist dabei, dieses Haus zu erwerben. Die Organisation wurde nach einem deutschen Vorbild aus den 1980er-Jahren gegründet und will als Plattform zum Austausch von Ideen zum selbstorganisierten Wohnen dienen.

Wie der Name «Stadtspaziergang Nr. 1» andeutet, soll es nicht der letzte gewesen sein. Das Ziel ist, diese Kundgebungen regelmässig durchzuführen. Beim nächsten Mal sollen nach den Bewohnern der Wasserstrasse auch andere Gruppen bei der Organisation zum Zuge kommen. Geplant ist, Genossenschaften sowie besetzte und vom Abriss bedrohte Häuser zu besuchen.

Konversation

  1. was ich gut verstehe ist, günstigen wohnraum zu erhalten, (den die stadt jahrzehntelang bewusst vernachlässigt hat). auch hausbesetzungen ungenutzter liegenschaften: super! wie man aber gegen neubauten sein kann, wo vorher keine wohnungen waren (oder die auch nicht von wagenleuten genutzt wurden), verstehe ich nicht. jede neubauwohnung mindert doch den druck auf die sarnierung einer günstigeren altbauwohnung. die, die also gegen diese ‚verdrängung‘ sind, sorgen dafür, dass ihr eigener wohnraum verteuert wird…
    zudem ist es normal, dass sich quartiere verändern. junge und weniger gut betuchte zogen schon immer in die günstigen quartiere, haben da investiert, wurden meistens wohlhabender, älter und mit dem das quartier. bis die jungen wieder ein neues quartier beleben…

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