Mehr Zuschauer für die Liga und das Fernsehen – beim FCB dagegen zeigt die Tendenz bergab

Der FC Basel verliert seit drei Jahren Zuschauer bei seinen Heimspielen, bleibt aber unangefochtene Nummer 1 in der Schweiz. Wieder mehr Zuschauer hat die Super League insgesamt: Nach einem mageren Jahr hat sie die Schallmauer von zwei Millionen wieder durchbrochen – und beschert auch dem Fernsehen bessere Zahlen.

Treues, aber wählerisches Stammpublikum: FCB-Fans beim Heimspiel gegen Lausanne am 15. April.

Den Status des sportlichen Leaders hat der FC Basel vorerst abtreten müssen, der Krösus im nationalen Fussball-Umfeld bleibt der Meisterschaftszweite jedoch. Zum Beispiel bei den Umsatzzahlen, die in Basel transparent gemacht werden (2017: 88,5 Millionen Franken), in Bern dagegen der Geheimhaltung unterliegen.

Nicht zu verbergen ist der Zuschauerboom, den die Young Boys auf ihrem Weg zum lang ersehnten Meistertitel erlebt haben. Um 4’542 Zuschauer im Schnitt steigerten die Berner das Interesse auf 21’973, was einem Plus von 26 Prozent entspricht. Mehr Leute kamen ins Stade de Suisse nur in der legendären Saison 2009/10, als der FCB die Berner in der Finalissima noch abfing. Damals hatte YB einen Besucherschnitt von 22’653.

Insgesamt frohlockt die Swiss Football League (SFL) über den Zuspruch bei den 180 Spielen der höchsten Liga. Erstmals seit der Rekordsaison 2012/13 mit 2’163’354 Zuschauern wurde wieder die Schallmauer von zwei Millionen durchbrochen. In den neun Stadien wurden im Schnitt 11’181 Besucher respektive verkaufte Tickets gezählt, was einer Steigerung zur Vorsaison (9’944) von 12,5 Prozent entspricht.

Die aktuellen Zuschauerzahlen der Super League  |  Die Langzeit-Statistik

Die bestbesuchte Partie war FCB-YB in der 14. Runde mit 32’456 Zuschauern im St. Jakob-Park mit seiner Kapazität von 37’500 bei nationalen Begegnungen. YB meldete in seinem 31’120 Plätze bietenden Stade de Suisse vier ausverkaufte Heimspiele. 

Sechs Vereine haben höhere Zuschauerzahlen als vergangene Saison; vier Klubs verzeichnen einen Rückgang. Dazu gehören auch der FC Basel und der FC Luzern, der trotz hervorragender Rückrunde und dem Erreichen eines europäischen Platzes ein Minus von 900 Zuschauern im Schnitt hinzunehmen hat.

Rückläufig – auf etlichen Ebenen die Tendenz beim FC Basel

Im Zuschauerranking unangefochten auf Platz 1 liegt seit der Erfindung der Super League im Jahr 2003 der FC Basel. Die aktuell 25’857 Zuschauer im Schnitt der 18 Heimspiele bedeuten allerdings erneut einen leichten Rückgang, diesmal um 2,6 Prozent. Ein Abwärtstrend, der nun ins dritte Jahr in Folge geht. Über 3000 Zuschauer pro Spiel im Joggeli hat der FCB im Schnitt seit der Saison 2014/15 (28’878) verloren.

Im gleichen Zug ist der Verkauf an Jahreskarten rückläufig. Aus dem detaillierten Jahresbericht für 2017, den der FCB seinen Mitgliedern zur Generalversammlung am kommenden Montag (18.30 Uhr, St.-Jakob-Park) vorgelegt hat, geht hervor, dass 22’343 Jahreskarten 5 Prozent weniger sind als im Jahr 2016.

Das ist im Vergleich immer noch eine aussergewöhnlich hohe Zahl, ist immer noch fast doppelt so hoch wie der Jahreskartenabsatz bei den Young Boys (12’350; Stand April) und würde in der Bundesliga einen Mittelfeldplatz bedeuten.

Massiv ist der Einbruch im Hospitality-Bereich, wo der FCB 30 Prozent der Kundschaft verloren hat und nur noch 1’183 Tickets an die Frau und den Mann gebracht hat. Mit einer personellen Aufstockung des Verkaufsteams und dem Ausbau des VIP-Angebots versucht der Klub Gegensteuer zu geben.

Unverändert hoch ist die Zahl der sogenannten «No Shows». Im Jahr 2017 kletterte sie auf 29 Prozent. Anders ausgedrückt: Durchschnittlich nutzen 7800 Personen ihre Jahresabo nicht. Das bedeutet nicht nur, dass viele Lücken auf den Rängen entstehen, sondern auch, dass bei einer durchschnittlichen Konsumation für 8,25 Franken pro Besucher in einer Saison 1,15 Millionen Franken nicht eingenommen werden.

https://tageswoche.ch/sport/der-fcb-umwirbt-sein-muede-gespieltes-stammpublikum/

Das SRF klettert aus dem Keller

Die Sättigung, in jüngerer Vergangenheit ein Beweggrund in Basel, dem Stadion fern zu bleiben, ist nach der titellosen Saison nicht mehr das Thema. Die Übertragung im Fernsehen bleibt aber ein Motiv dafür. Beim Schweizer Fernsehen wird man sich über mehr Zuschauer und einen höheren Marktanteil bei den Livespielen freuen, die grossmehrheitlich sonntags um 16 Uhr über SRF 2 ausgestrahlt werden. In der abgelaufenen Spielzeit wurden bei 27 Partien im Schnitt 165’000 Zuschauer gemessen (Marktanteil: 23,8 Prozent), was deutlich über den 137’000 (21,8 Prozent) der Vorsaison liegt.

Die von der Firma Mediapulse ermittelten Zahlen waren vergangene Saison, in der sich früh die achte Meisterschaft in Serie für den FC Basel abgezeichnet hatte, in den Keller gegangen. Am 25. August 2016 waren 240’000 Zuschauer bei Thun–Basel (Marktanteil: 38 Prozent) der Spitzenwert. Eine weitere Saison zuvor war die letzte Runde mit FCB-GC und der Pokalübergabe mit immerhin 315’000 SeherInnen der Hingucker gewesen.

In der gerade abgelaufenen Saison wollten am Ostermontag 377’000 Zuschauer YB-FCB sehen, was einem Marktanteil von knapp 46 Prozent entsprach. Auf Platz 2 landete die November-Partie FCB-YB (340’000). Noch einmal 337’000 Fernsehzuschauer lockte die meisterschaftsentscheidende Partie YB-Luzern am 28. April. Am 13. Mai jedoch wollten bei YB-Lugano mit Pokalüberreichung und anschliessender Meistersause nur noch 155’000 am Bildschirm dabei sein.

Eine Woche später verzeichnete SRF beim Kehraus der Saison den absoluten Minuswert: 33’000 Zuschauer schalteten bei St. Gallen–Lausanne ein, was einem Marktanteil von 2,6 Prozent entsprach. Allerdings wurde diese Partie bei SRF Info ausgestrahlt, dem Ausweichkanal, der in solchen Fällen stets niedrigere Quoten erzeugt.

Das Livespiel im Free-TV – der Schweizer Luxus

Livespiele im Free-TV in jeder Runde sind in der Schweiz ein gebührenfinanzierter Luxus, den es sonst in keinem anderen europäischen Land mehr gibt, wo der Liga-Fussball mit seltenen Ausnahmen nur hinter einer Bezahlschranke zu haben ist. In dem seit der Saison 2017/18 laufenden neuen Vermarktungsvertrag zwischen SFL sowie Ringier/Infront und Teleclub/Cinetrade (Swisscom) hält die SRG eine Sub-Lizenz, die pro Jahr rund fünf Millionen Franken kosten dürfte.

Der Cupfinal am 27. Mai zwischen dem FCZ und YB kam mit durchschnittlich 295’000 Zuschauern nicht an die Super-League-Bestmarke heran, erreichte aber den gleichen Marktanteil von 46 Prozent. Am Abend zuvor generierte das Champions-League-Endspiel Real Madrid gegen Liverpool 512’000 Zuschauer.

Das sind Zahlen, die laut SRF-Jahresbilanz 2017 im Sportbereich nur von Roger Federer (Wimbledon-Final mit 534’000 Zuschauern), den Ski-WM-Abfahrten von Frauen und Männern mit jeweils rund einer Million übertroffen wurden – und von dem Barrage-Spiel der Fussball-Nationalmannschaft gegen Nordirland, das 1,18 Millionen Menschen verfolgten.

https://tageswoche.ch/gesellschaft/sport-im-schweizer-fernsehen-eine-liebesbeziehung-seit-der-ersten-stunde/

Konversation

  1. Trotz Saisonkarte besuche ich auch längst nicht mehr jedes Heimspiel. Schlechter Fan – vielleicht, aber damit kann ich leben. Ich möchte tolle Spiele sehen, aber kein lustloses, defensives Gekicke mit jeweils einem Stürmer und neun Verteidigern pro Heimspiel. So oder so – zwei andere Entwicklungen um das Joggeli sind ebenfalls konstant – das Bier wird immer teurer und die Ausschankqualität immer schlechter.

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