Mit dem Velo am Grossen Sankt Bernhard die Skifahrer überholen

Warum warten, bis der Schnee weg ist? Mit der richtigen Einstellung schafft es ein Gümmeler auch so über den Grossen Sankt Bernhard bis ans Meer.

Super, die Verkehrsplaner machen wirklich Lust auf mehr.

(Bild: Olivier Christe)

Warum warten, bis der Schnee weg ist? Mit der richtigen Einstellung schafft es ein Gümmeler auch so über den Grossen Sankt Bernhard bis ans Meer.

Die Wetter-App sagte es voraus: Es warten weder Fisch noch Vogel auf uns, wenn wir mit dem Velo über den Grossen St. Bernhard in den Süden fahren. Nicht warm, nicht kalt. Also fahren wir einfach los. Nach Asti, nach Genua, ans Meer. Ans schöne, schöne, blaue Meer. Eine starke Idee!

» Ohne Umschweife zu den Reisebildern.

Super, steht an der Passausfahrt auf dem Verkehrsschild, das seit vielen Jahren zum Skigebiet weist, von dem aber nur noch ein paar Bauruinen zeugen. Ausgefuchste Marketing-Ideen funktionieren halt nicht immer. Touren- und Extremskifahrer stellen den Parkplatz trotzdem zu. Diejenigen, die sich ins Hannibal-Couloir am Mont Vélan wagen, wissen genau: Stürzen verboten – endet meist tödlich. Schon Hannibal verlor damals einen grossen Teil seines Heers und seiner Kriegselefanten hier oben, am Fuss des Couloirs, im Schnee.

Hie und da ein Kopfschütteln

Als wir vom Parkplatz Super St. Bernard unseren Weg fortsetzen, kommen wir uns selbst wie Elefanten vor: irgendwie deplatziert. Aber die drahtigen Skitüreler, denen wir begegnen, sind meist nett mit uns. Nur ab und zu flüstert ein Ehepaar sich etwas zu: «Neue Mode … Unterländer …Hauptsache anders …» Wir wünschen ihnen freundlich die Sonne an den Hals – unsere beste Freundin, wenn sie den Skifahrern den Schnee weg und uns die Strasse  freischmilzt. Die Interessen sind ungleich verteilt.

Im Gegensatz zu Hannibal erreichen wir unser Etappen-Ziel ohne Verluste. Zuerst Aosta, dann Ivrea, dann geht’s östlich an Turin vorbei ins Piemont, und da: Asti. Was die Stadt ausmacht, bringt das Wlan-Passwort unserer kleinen Herberge auf den Punkt: «asticapitaledeivinibianchierossi».

Geschafft!

Zeit, etwas Luft zu holen. Oder uns die unendliche Geschichte des Wirts anzuhören, der 1993 dem Papst die Hand geschüttelt haben will. Und der uns den Rat gibt, für unsere weitere Route bloss keinen der Tipps zu befolgen, mit denen uns ein «Giro»-fanatischer Taxifahrer an der Kaffeebar versorgt, während draussen sein Taxi mitten auf der Strasse wartet.

Wir hören auf unseren Gastgeber und Genua kommt näher und näher. Wir nehmen es hin, das Auf und Ab in den Hügeln des Piemonts, den Dauerregen, unsere immer wieder einkehrende Energieflaute. Und dann sehen wir es: das Meer. Das schöne, schöne, blaue Meer.



Zu jeder Vetotour gehört ein sorgfältiges Abwägen der Risiken.

Zu jeder Vetotour gehört ein sorgfältiges Abwägen der Risiken. (Bild: Olivier Christe)



Interdisziplinäre Plaudereien machen winterliche Velotouren besonders nett.

Interdisziplinäre Plaudereien machen winterliche Velotouren besonders nett. (Bild: Olivier Christe)



«Hee, Unterländer, wir gehen ja auch nicht an der Bahnhofsstrasse Skifahren!»

«Hee, Unterländer, wir gehen ja auch nicht an der Bahnhofsstrasse Skifahren!» (Bild: Olivier Christe)



Oh grosser Sonnengott! Mögest du (ohne Rücksicht auf Mensch und Natur) unseren Weg freischmelzen.

Oh grosser Sonnengott! Mögest du (ohne Rücksicht auf Mensch und Natur) unseren Weg frei schmelzen. (Bild: Olivier Christe)



Die Todeszone rückt näher. Fahren wird undenkbar. Der Pass ist in Reichweite.

Die Todeszone rückt näher. Fahren wird undenkbar. Der Pass ist in Reichweite. (Bild: Olivier Christe)



Der Übergang von Sonnen- in Schattenhänge verursachte bedeutende Zeitverluste.

Der Übergang von Sonnen- in Schattenhänge verursachte bedeutende Zeitverluste. (Bild: Olivier Christe)



Das Gesetz der Strasse ist unerbittlich. Nur die Stärksten überleben.

Das Gesetz der Strasse ist unerbittlich. Nur die Stärksten überleben. (Bild: Olivier Christe)



Asti, Zeit zum Luft holen. Neue Abzugssysteme garantieren ungestörten Schlaf, selbst bei schlechtem Atem des Bettnachbars.

Asti, Zeit zum Luft holen. Neue Abzugssysteme garantieren ungestörten Schlaf, selbst bei schlechtem Atem des Bettnachbars. (Bild: Olivier Christe)



Bis heute ist nicht restlos aufgeklärt, ob sich die Hände unseres Wirts (Mann mit Krawatte) und des Papsts (Mann mit Pileolus) wirklich berührten.

Bis heute ist nicht restlos aufgeklärt, ob sich die Hände unseres Wirts (Mann mit Krawatte) und des Papsts (Mann mit Pileolus) wirklich berührten. (Bild: Olivier Christe)



Besser als jeder Energieriegel: Cioccolata calda macht müde Burschen wieder munter.

Besser als jeder Energieriegel: Cioccolata calda macht müde Burschen wieder munter. (Bild: Olivier Christe)



Die Dame auf dem Bild wurde nach dieser Portion Energy Plus mehrfach von der italienischen Polizei geblitzt.

Die Dame auf dem Bild wurde nach dieser Portion Energy Plus mehrfach von der italienischen Polizei geblitzt. (Bild: Olivier Christe)



Radeln, radeln und fleissig in die Ferne schauen. Wie schön dieses Piemont doch ist.

Radeln, radeln und fleissig in die Ferne schauen. Wie schön dieses Piemont doch ist. (Bild: Olivier Christe)



Beim Anblick von Genua und dem Meer brachen alle Dämme. Körper und Geist entzogen sich jedem Willen.

Beim Anblick von Genua und dem Meer brachen alle Dämme. Körper und Geist entzogen sich jedem Willen. (Bild: Olivier Christe)

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