Nationalrat will Verbot von Wegwerf-Plastiksäcken

Die kleinen weissen Wegwerf-Plastiksäcke sollen in der Schweiz verboten werden. Der Nationalrat hat am Dienstag eine Motion von Dominique de Buman (CVP/FR) mit 110 zu 73 Stimmen angenommen. Nun muss sich der Ständerat dazu äussern.

Ein Mann trägt zwei Wegwerf-Plastiksäcke - diese sollen verboten werden, verlangt eine vom Nationalrat angenommene Motion (Archiv) (Bild: sda)

Die kleinen weissen Wegwerf-Plastiksäcke sollen in der Schweiz verboten werden. Der Nationalrat hat am Dienstag eine Motion von Dominique de Buman (CVP/FR) mit 110 zu 73 Stimmen angenommen. Nun muss sich der Ständerat dazu äussern.

De Buman argumentierte, dass ein Verbot zwar nur ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz wäre. Auch sei die Situation in der Schweiz nicht derart gravierend wie in anderen Ländern. Trotzdem solle die Politik ein Zeichen setzen und sich zu einem besseren Schutz der Ressourcen bekennen.

In Frankreich, wo ein Verbot gelte, seien 90 Prozent der Konsumenten damit zufrieden, sagte de Buman. Achtlos weggeworfene Plastiksäcke seien zudem gefährlich für Fische sowie für Tiere, welche solche Säcke essen würden. Bereits im Jahr 2008 hatte de Buman mit einer Motion ein Verbot von Wegwerf-Säcken verlangt.

Bundesrätin Doris Leuthard stellte sich gegen ein Verbot. Sie sagte, dass die durch Plastiksäcke entstehende Umweltbelastung nicht erheblich sei. Ein Verbot wäre nicht verhältnismässig. Die Abfallentsorgung funktioniere in der Schweiz gut und die Kehrichtsverbrennungsanlagen müssten frei gesetzte Energie zur Produktion von Wärme und Strom nutzen.

Auch der Ressourcenverbrauch sei relativ klein, sagte Leuthard. Die rund 3000 Tonnen an Plastiksäcken entsprächen nur knapp einem halben Prozent des jährlichen Verbrauchs von rund 850’000 Tonnen Kunststoffen in der Schweiz. Ausserdem habe der Papiersack als Alternative in seiner Ökobilanz nicht nur Pluspunkte. So sei der Wasserverbrauch bei der Papierherstellung hoch.

Konversation

  1. In Indien habe ich wirklich gelernt warum Plastik ein Problem ist: Strassen, Felder, Wälder – einfach alles! – ist übersät mit Plastiksäcken. Und lokal habe ich gesehen dass man dann hier und da durch „plastic free zones“ etwas daran verbessern will. Zwei Schritte weiter ist dann aber ein Stand wo man Tee in Plastikbecherchen kaufen kann – und ein Abfalleimer existiert nicht einmal… Unter diesen Bedingungen ist für mich „Kampf dem sinnlosen Plastikmüll“ eine absolut dringende Forderung! Und aus diesem Grund steht der Kampf gegen Plastiksäcke auch international auf der Agenda – zu Recht.

    Nur ist das ja wirklich nicht unsere Situation in der Schweiz – zum Glück! Erstens gibt es überall Abfallkübel, und viele Leute benutzen die auch. Von besoffenen Nachtschwärmern oder hartnäckigen Abfallgebühren-Sparern mal abgesehen. Und ausserdem gab’s so eine Initiative ja schon mal: Seither kosten Plastiksäcke bei Migros, Coop & Co. einen kleinen Betrag. (Was dann aber gleich anschliessend wieder umgangen wird – mit „kleinen Säckli“ hinter der Kasse – die man natürlich auch mal wieder abschaffen könnte…)

    Ein generelles Verbot von Plastiksäcken ist bei uns also eigentlich nur „Symbol-Politik“, mit geringem Nutzen und unsinnigen Nebenwirkungen, von der ich herzlich wenig halte!

    Vielleicht etwa so nützlich wie das Glühbirnen-Verbot (keiner Industrie schadet’s, aber einige machen ein gutes Geschäft – während man zugleich wirklich griffige Energiespar-Massnahmen vermeidet…), oder die Bemühungen, noch den hintersten und letzten Raucher aus seinem Versteck zu zerren und ihm die Zigarette aus dem Mund zu reissen…

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  2. Einen faltbaren Stoffsack (oder zwei) immer dabeihaben, Gemüse offen kaufen und ohne Sack in den Einkaufskorb legen, verpacktes Gemüse meiden, zahlen, aufs Velo sitzen und heimfahren. Ja!, und das geht auch bei grösseren Einkäufen für die Familie, …..klar, ist bissel anstrengend, aber nicht abbaubare Plastiksäcke sind noch um Einiges anstrengender!

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  3. Was wird es dann an den Gemüse- und Früchteständen geben, um die Ware im Offenverkauf hineinzutun? – Eben doch dann Papiersäcke?
    Ausserdem ist fast alles, was nicht offen verkauft ist auch schon in Plastik.
    Allgemein ist fast alles was man kauft schon sehr grosszügig verpackt, Kartonschalen, Plastikschalen und alles umhüllt mit Plastik.
    Ich habe das Gefühl, dass man viel mehr an Plastik und auch anderem sparen könnte, wenn es sparsam verpackt angeboten würde. Das gilt für Lebensmittel und anderes.
    Ausserdem nehme ich die Plastiksäckli immer nach hause und nehme sie wieder mit. Die lassen sich nämlich auch ein paarmal gebrauchen.

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  4. Was bitte sollen das für „Argumente“ von Frau Leuthard sein?! Spielt es eine Rolle wie viel Prozent vom ganzen Kunststoffverbrauchs die Plastiksäcke ausmachen?! 3000 Tonnen sind 3000 Tonnen!

    In einer Gesellschaft mit fähigen Politikern wären ohnehin sämtliche unnötigen Wegwerfartikel (und es gibt praktisch keine nötigen) verboten.

    Das Argument mit dem Wasserverbrauch für Papiersäcke ist ja wohl auch ein Witz, die Papiersäcke sollten ja eben nicht nur einmal gebraucht werden und können recycelt werden!

    Und dass es nicht genug Abfall zum Verbrennen haben soll, ist erstens ziemlich unglaubwürdig (lass mich aber eines besseren belehren) und zweitens auch ziemlich pervers, wäre es nicht etwas intelligenter weniger Strom zum verbrauchen?
    Ausserdem sagt Sie es seien ja nur so wenig Prozent dass es nicht ins Gewicht fällt, benutzt dieses Argument aber nur einseitig!

    Und solche Leute sitzen im Bundesrat, wieder ein Beweis dafür dass Intelligenz nichts mit Weisheit zu tun hat.

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  5. Aber Frau Leuthard, wieso Papiertüten benutzen, für SFr. 2.– gibt bei MIGROS, DENNER,etc. die praktischen Säcke aus 100% recyclierbaren PET. Diese sind robust, vielfach benutzbar, sogar mit einer Schultertragvorrichtung versehen und sind auch in Frankreich seit dem Verbot der Wegerfplastiksäcken sehr beliebt.

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