Patientendaten bald digital statt auf Papier

Patientendaten auf Papier gehören bald der Vergangenheit an. Spätestens in zehn Jahren soll das Gesundheitswesen digitalisiert sein. Dann können Fachpersonen jederzeit auf medizinische Informationen eines Patienten zugreifen, wenn dieser damit einverstanden ist.

Karteikarten mit Patientendossiers gehören bald der Vergangenheit an. Künftig sollen Ärzte und Spitäler Patientendaten digital erfassen. (Symbolbild) (Bild: sda)

Patientendaten auf Papier gehören bald der Vergangenheit an. Spätestens in zehn Jahren soll das Gesundheitswesen digitalisiert sein. Dann können Fachpersonen jederzeit auf medizinische Informationen eines Patienten zugreifen, wenn dieser damit einverstanden ist.

Immer mehr Leute buchen Reisen über das iPhone, es wird online eingekauft und auch Zahlungen werden immer häufiger über das E-Banking abgewickelt. «Im Gesundheitswesen hinken wir jedoch hinterher», sagte Adrian Schmid, Leiter der Geschäftsstelle «eHealth Suisse», am Mittwoch in Zürich vor den Medien.

Noch immer bearbeite die Mehrheit der Ärzte die Daten auf Papier. Die Kommunikation erfolge zu 41 Prozent per Fax, zu 26 Prozent per Post. Eine reibungslose Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Patienten sowie unter den Leistungserbringern sei jedoch für Qualität und Patientensicherheit von grosser Bedeutung.

So hat laut Schmid heute niemand einen genauen Überblick über die Abgabe von Medikamenten. Das führe dazu, dass vier bis sechs Prozent der Spitaleintritte auf Medikationsfehler zurückzuführen seien. Mit der Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) soll die Quote um rund 50 Prozent verringert werden.

Die eidgenössischen Räte haben im Juni die Einführung des EPD beschlossen. Bis Anfang 2017 will der Bund die rechtlichen Grundlagen zum Aufbau des Patientendossiers schaffen, wie Salome von Greyerz, Abteilungsleiterin Gesundheitsstrategien im Bundesamt für Gesundheit (BAG), ausführte.

Das EPD ist jedoch «kein nationales Grossprojekt». Die medizinischen Daten werden dezentral gespeichert, sollen aber unabhängig von Zeit und Ort überall abrufbar sein. Die dezentrale Lösung erlaube es, den unterschiedlichen regionalen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, sagte Schmid.

Mit der Festlegung einheitlicher Standards will der Bund jedoch verhindern, dass viel Geld in Systeme investiert wird, die untereinander nicht kompatibel sind und sich nicht vernetzen lassen. Für den Aufbau von EPD stellt der Bund den Kantonen rund 30 Millionen Franken zur Verfügung.

Patienten entscheiden selber über Daten

Damit Gesundheitsfachpersonen auf das EPD zugreifen können, müssen sie sich zu einer sogenannten Stammgemeinschaft zusammenschliessen. Die Teilnahme der Spitäler ist innerhalb einer Frist von drei Jahren obligatorisch. Für Pflegeheime gilt eine Frist von fünf Jahren.

Wer nicht teilnimmt, darf nicht mehr auf der Spitalliste geführt werden. Für Gesundheitsfachpersonen im ambulanten Sektor, etwa Apotheken, Ärzte mit eigener Praxis und Spitexorganisationen ist der Beitritt freiwillig.

Dasselbe gilt für die Patienten. Sie entscheiden selber, ob sie ihre medizinischen Daten in einer virtuellen Akte ablegen lassen wollen. Und sie entscheiden auch selber, welchen Gesundheitsfachpersonen sie Zugriff auf ihre medizinischen Informationen gewähren wollen, wie Greyerz betonte.

Grosse Dynamik in den Kantonen

In mehreren Kantonen laufen bereits Arbeiten zur Einführung des elektronischen Patientendossiers. Es sei eine grosse Dynamik in den Kantonen spürbar, vor allem in der Westschweiz, stellte Schmid fest.

Genf habe bereits vor fünf Jahren mit dem Aufbau eines EPD begonnen und sei am weitesten fortgeschritten, sagte Schmid. Rund 400 Ärzte und 10’000 Patienten seien am elektronischen Patientendossier angeschlossen. Auch in den Kantonen St. Gallen und Aargau sei das Projekt weit gediehen.

Im Kanton Wallis wurde das EPD wegen Sicherheitsbedenken des Datenschützers vorläufig sistiert. Das werde den weiteren Ausbau etwas verzögern, sagte Schmid. Der Fall Wallis sei für die andern Kantone aber ein «Weckruf» gewesen, beim Aufbau einer vertrauenswürdigen Plattform sorgfältig vorzugehen.

Konversation

  1. Die elektronische Krankengeschichte mit Angaben der Diagnosen, aktuellen Behandlung und der Medikamentenliste sieht auf den ersten Blick gut aus.

    Die Probleme beginnen beim zweiten Blick:
    – Dort wo die Daten gebraucht werden, also in Ambulanz, beim Notarzt etc. sind nicht umfangreiche Sicherungsmöglichkeiten möglich. Das System muss so sicher sein, wie der elektronische Geldverkehr zwischen den Banken, und auch noch fälschungssicherer, geht es hier doch um Leben und nicht nur um Taler, wo man halt schnell mal drei Nullen einfügen kann bei einer Üerweisung.
    Beim Hacken der Datenbank bekämen dann die Patienten abenteuerliche Medikamentenkombinationen, die dann bei dessen Bewusstlosigkeit halt auch parenteral verabreicht würden.
    50 Einheiten Insulin bei einem Nicht-Diabetiker können letal sein.
    …und nach 20 mg, statt 1 mg Valium liegen die meisten erstmal richtig flach!
    – In en meisten beliebten Feriendestinationen ist es zwar romantisch, aber in Sachen internationalem Zugriff auf Daten funktionieren höchstens die Kreditkartenfirmen.
    Eine Diagnoseänderung aus Tunesien samt Neumedikation würde so in das System gar nicht aufgenommen und so inexistent. Das kann üble Folgen haben, wenn eine neue Blutverdünnung oder ein stärkeres Beruhigungsmittel halt inexistent ist.

    – Es muss sichergestellt sein, wer an den Medikamenten etwas ändern kann. Mancher „Herr Professor Dr. Dr. Allwissend“ ist vielleicht dank seiner chirurgischen Grundausbildung durchaus der Meinung, dass die psychiatrische Medikation eigentlich sowieso unnötig ist. Ergo wird sie gestrichen……Sehr zur Freude der Polizei und bald des nächsten Notfallpsychiaters….! Der Patient kann das Bett in der Psychiatrischen Klinik dann schon mal buchen.

    – Sobald die Versicherungen dann auf die Datenbank Zugriff haben, wird natürlich wegen dem neu entdeckten erhöhten Blutdruck die Prämie erhöht, da sich ja das Risiko erhöht hat, zum Beispiel beim Autofahren, Mieten einer Wohnung, Neuanpassung des Hypothekarzinses oder eines Kreditzinses oder auch anderswo.

    – Eine auf Volcksgesundheit bedachte Partei könnte so ja auf die Idee kommen, jeden mit mehr als drei Diagnosen mal vorsorglich auszubürgern und danach des Landes zu verweisen. Es geht ja schliesslich um die Gesunderhaltung des Volckskörpers.

    Es könnte daher sinnvoller sein, dem Patienten eine Karte, ähnlich der Postcard mit zu geben, wo seine Medikamente darauf verzeichnet sind, inklusive Visum des letzten, der die Daten darauf verändert hat.

    …oder halt wie in der guten alten Zeit: ausgedruckt auf Papier.

    P.S.: Ob es ein Fehler ist, wenn die Rechtschreibkontrolle bei „Volck“ immer ein „c“ einfügen will?

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