Peinlich für die Baselbieter FDP: Uni Basel Spitze in Sachen Drittmittel

Bauchlandung für die FDP Baselland: Ihre Studie zu den Uni-Finanzen entbehrt jeder Grundlage.

Uni Basel, Kollegiengebaeude, Mai 2013, Bild Christian Flierl

(Bild: Universität Basel)

Bauchlandung für die FDP Baselland: Ihre Studie zu den Uni-Finanzen entbehrt jeder Grundlage.

Es ist eine Binsenwahrheit: Die Wissenschaft bildet immer nur den aktuellen Stand des Wissens ab, entsprechend werden ihre Erkenntnisse dann und wann überholt. Doch selten beträgt die Halbwertszeit einer Studie bloss knappe vier Monate.

Im vergangenen Januar wollte die FDP Baselland ihre Bildungssparerei wissenschaftlich untermauern und trat mit einer eigens in Auftrag gegebenen Studie an die Öffentlichkeit. Eine Erkenntnis daraus: Die Uni Basel habe bei der Akquise von Drittmitteln einiges aufzuholen.

Mit einem Postulat im Landrat wollte der Baselbieter Freisinnige Rolf Richterich der Uni auf die Sprünge helfen. Seine Diagnose: «Im schweizweiten Quervergleich scheint es, als hinke die Universität Basel seinen [sic!] Mitstreiterinnen hinterher.» Er forderte den Regierungsrat auf, zu prüfen, «wie die Akquisition von Drittmitteln erhöht werden kann, damit die Uni Basel in diesem Bereich künftig an der Spitze der Schweizer Universitäten rangiert.»

FDP fantasiert an Realität vorbei

Für diese Diagnose erntete die FDP viel Kritik und Häme, der ehemalige Bildungsdirektor Christoph Eymann warf den Studienautoren vor, «unsauber recherchiert» zu haben und sich auf «kreuzfalsche Zahlen» zu beziehen. Die Uni Basel sei im Gegenteil bei Drittmitteln «top», sagte Eymann in der «bz Basel».

Eymann wusste offenbar, wovon er sprach, wie eine Medienmitteilung der Uni Basel vom Mittwoch zeigt. In der Mitteilung präsentiert die Universität ihre Jahresrechnung. Unter anderem etwa einen Verlust über 600’000 Franken sowie stagnierende Studierendenzahlen.

Fast beiläufig erwähnt die Uni jedoch auch eine Auswertung des Bundesamtes für Statistik (BFS), derzufolge die Uni Basel in Sachen Drittmittelbeschaffung schweizweit Spitzenreiterin sei. Keine andere Universität hat pro Professur einen höheren Betrag an Drittmitteln erwirtschaftet. In Basel kommen auf jede Professorenstelle 765’100 Franken an Drittmitteln, bei der ETH Zürich sind es 732’800, bei der EPFL in Lausanne 718’800. Diese Auswertung bezieht sich auf das Jahr 2015, neuere Zahlen stehen dem BFS nicht zur Verfügung.

Richterich zielte mit seinem Postulat also weit an der Realität vorbei.

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Nach Veröffentlichung dieses Artikels reichte Rolf Richterich eine schriftliche Stellungnahme ein.

Er legt Wert auf folgende Feststellungen:

  • Da das Postulat zu den Drittmitteln inzwischen vom Landrat an den Regierungsrat überwiesen worden sei, handle es sich nicht mehr um ein «FDP-Postulat», sondern «de jure um ein Landrats-Postulat».
  • FDP habe sich in ihrer Studie auf anderes Zahlenmaterial bezogen als die Uni. Daraus würden sich die Widersprüche erklären. Richterich besteht darauf, dass nur die von der FDP verwendeten Zahlen «genormt und somit vergleichbar» seien.

Konversation

  1. Wir haben ein Milizsystem in der Schweiz. Kein Landrat lebt von seinem Amt. Es sind alles Amateure! Diese Fehler geschehen deshalb immer wieder, ob absichtlich oder nicht, von links bis rechts, aber glücklicherweise gibt es Referenden, um im Notfall korrigieren zu können!
    Um so besser, dass die Drittmittel hoch sind, sodass das Baselland nicht noch mehr an der Uni partizipieren muss. Dass wäre viele Artikel, Kontroversen und Kommentare wert! Aber so kann das abgehackt werden!

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    1. Diese „Milizionäre“ sind aber alles hochkompetente, hochqualifizierte Elite-Profis im bürgerlichen Beruf (wenn man ihrer Selbsteinschätzung glaubt).

      Diese Tatsache lässt einen Umkehrschluss zu: Das „Peter-Prinzip“ greift tatsächlich.

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  2. Wie blind, gedankenlos und nicht wissend sind eigentlich jene Landräte, die diesem Herrn Richterich auf den Leim gingen? Ein schwaches Zeugnis für eine exakte politische Arbeit, aber die Sitzungsgelder werden kassiert. Wie kann man/frau sich so blamieren! Das ist also die Elite unserer Baselbieter Regierung. Beschämend. Die Namen dieser Ja-Sager zu diesem Postulat werde ich noch veröffentlichen.

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    1. Wen’s wirklich interessiert, der kann alle Abstimmungsergebnisse jeweils mit geringem Aufwand selbst auf der Internetseite des Landrats finden. Aber in diesem Fall ist es sehr schnell zusammengefasst: Die CVP war gespalten (5 Ja gegen 3 Nein), bei den übrigen ging’s einfach knallhart entlang der Parteilinie: alle FDP und SVP ja, alle übrigen nein. (Und der Wiedehopf fehlte, falls das noch jemanden interessieren sollte.)

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    2. @Leimentaler
      Wie Sie aus der Namensliste ersehen können, hat die gesamte FDP UND SVP mit Ja gestimmt. Auch Einige CVP Wähler,was ja weiter nicht erstaunt, da diese Partei sowieso bald verschwindet.
      Conclusion:
      FDP und SVP kann man auch verschmelzen, es gibt praktisch keine Unterschiede mehr.
      Für das BL Stimmvolk ist es dann auch viel einfacher, Sie müssen dann nur noch eine Partei wählen. Ich nehme ja nicht an, dass Sie daran glauben, dass BL anders wählt auch wenn die Namensliste veröffentlicht ist.

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  3. Ich stelle mir die Frage, ob man unseren Parteien nicht eine „Fakiversität“ gründen könnte: Da könnte man dann „Wissenschaft“ durch „Fakeschaft“ erssetzen, wo Meinungen, Ideologien, Verschwörungstheorien, Verdachts-Ideen entsprechend gepflegt werden könnten, wie dies auch schon „Stupipedia“ tut.
    Da könnten dann ruckzuck passende News gefakt werden, die den Parteien wesentlich besser passen als die Wissenssuche mit dem mühsamen wissenschaftlichen Modell.

    Dort liesse sich dann endlich „fakiversisch“ untermauern, dass
    – alle Ausländer hochkriminell sind,
    – die EU die arme Schweiz kaputt machen will,
    – dass zuviel Lernen nur dem Hirn und der Vaterlandsliebe schadet,
    und natürlich,
    dass Wisssenschaft schädlich ist für die Schweiz.

    Ich nehme an, dass es für eine FDP und SVP Ehrensache wäre, diese neue „Fakiversität“ grosszügig finanziell zu unterstützen.

    Bezüglich Herrn Trump wäre es sicher nur eine kurze Frage der Zeit, wann er dann dort die Ehrendoktorwürde verliehen bekäme.

    P.S.: Auch die Universität könnte ja mal am 1. April eine wissenschaftliche Studie herausbringen, dass zuviel Bewegung und Herumfliegen nur das Leben verkürzt. Man weiss ja schliesslich, das Schildkröten viel länger leben als Stubenfliegen. Wenn letztere weniger herumfliegen würden, würden sie wohl auch länger leben.

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