Polizei in Südkorea stürmt nach Fährunglück erneut Kirchengelände

Auf der Suche nach dem untergetauchten Eigner der vor rund zwei Monaten gekenterten südkoreanischen Unglücksfähre «Sewol» haben am Mittwoch erneut tausende Polizisten ein Kirchengelände gestürmt. Nach Polizeiangaben waren 6000 Beamte beteiligt.

Eine Frau schaut sich Fahndungsbilder der Gesuchten an (Archiv) (Bild: sda)

Auf der Suche nach dem untergetauchten Eigner der vor rund zwei Monaten gekenterten südkoreanischen Unglücksfähre «Sewol» haben am Mittwoch erneut tausende Polizisten ein Kirchengelände gestürmt. Nach Polizeiangaben waren 6000 Beamte beteiligt.

Wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, wurden drei Gemeindemitglieder an der Razzia nahe der Stadt Anseong festgenommen. Sie sollen dem flüchtigen Patriarchen der Eignerfamilie der «Sewol», Yoo Byung Eun, beim Untertauchen geholfen haben sollen. Nach zehn weiteren mutmasslichen Komplizen wird demnach noch gefahndet.

Der Familie Yoos gehört die Chonghaejin Marine Co., zu deren Flotte die «Sewol» zählt. Nach Yoo wird landesweit gefahndet. Die Behörden setzten eine halbe Million Dollar für Hinweise aus, die zu seiner Festnahme führen.

Der 72-Jährige gilt nach Aussagen ehemaliger Mitglieder als spiritueller Führer der Evangelikalen Baptistenkirche von Korea, einer Kirchenabspaltung mit geschätzten 20’000 Anhängern. Der Kirchen- und Farmkomplex bei Anseong war bereits vor drei Wochen erfolglos durchsucht worden. Medienberichten zufolge soll Yoo ins Ausland geflohen sein.

Die «Sewol» war Mitte April mit 476 Menschen an Bord gekentert, nur 174 Insassen konnten gerettet werden. In der südwestkoreanischen Stadt Gwangju begann am Dienstag der Prozess gegen die überlebenden Besatzungsmitglieder der Unglücksfähre. Kapitän Lee Joon Seok und drei seiner Untergebenen sind der «fahrlässigen Tötung» in besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe.

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