Profitieren vom Erfolg – oder haften für die Pleite

Unser Community-Mitglied René Kaufmann schreibt über die Einwanderungsinitiative: Die Folgen könnten schlimmer werden als nach dem Swissair-Grounding. Unser Community-Mitglied René Kaufmann schreibt über die Einwanderungsinitiative: Die Folgen könnten schlimmer werden als nach dem Swissair-Grounding. Den Ja-Stimmenden für die Abschottungs-Initiative gehört Verständnis und Respekt. Selbst in meinem Kopf fand ich 48 Prozent Gründe dafür und nur […]

Unser Community-Mitglied René Kaufmann schreibt über die Einwanderungsinitiative: Die Folgen könnten schlimmer werden als nach dem Swissair-Grounding.

Unser Community-Mitglied René Kaufmann schreibt über die Einwanderungsinitiative: Die Folgen könnten schlimmer werden als nach dem Swissair-Grounding.

Den Ja-Stimmenden für die Abschottungs-Initiative gehört Verständnis und Respekt. Selbst in meinem Kopf fand ich 48 Prozent Gründe dafür und nur 52 Prozent dagegen. Wieviel Beton- und Landverbrauch ergeben 50’000 Einwanderer ohne EU-Freizügigkeit oder 80’000 Einwanderer jährlich mit EU-Freizügigkeit!

Was tun mit dem Abstimmungsergebnis?

Vielleicht ergibt sich nun die historische Schweizer Chance, die Initianten für die kommenden Folgen und Folgesfolgen verantwortlich zu machen. Lob und Stimmen, wenn es gut geht, nieder mit ihnen, wenn es schlecht kommt. 

Aufgeklärte Bürgerliche und auch ideologisch kontaminierte Linke haben es seinerzeit sträflich versäumt, nach dem Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum das Swissair-Grounding als Folge der demokratisch bestimmten isolationistischen Rahmenbedingungen und nur dadurch möglicher Managementfehler blosszustellen.

Die «Swissair» heisst heute «Swiss» und liefert ihre Gewinne in Berlin ab. Wilhelm Tells selbsternannte Söhne und Töchter blicken lieber verklärt in den mystischen Urnersee.

Masseneinwanderungsintiative wird schlimme Folgen haben

Die jüngste Abschottungs-Initiative, mit denselben Befürchtungen wie jenen der EWR-Abstimmung knapp erfolgreich, wird womöglich in ein paar Jahren schlimmere Folgen haben als das Swissair-Grounding.

Pragmatische (und hoffentlich tüchtiger gewordene) Parteien, die Westschweiz und die Deutschschweizer Wirtschaftskantone müssen dereinst nachholen, was sie bisher versäumt haben: Die SVP als Partei des Ritzens von Menschen- und anderen Rechten, als Gefährdung für den wirtschaftlichen und rechtsstaatlichen Wohlstand des Landes und Kulturfresser politisch vor sich hertreiben. Mit modernsten Kommunikationsmethoden und viel Geld. Selbst dann, wenn nur eine einzige Betagte bloss eine halbe Stunde zu lang in einem Heim mit nasser Windel liegen bleibt. 

Wichtiger: eine zukunftsweisende Raumplanung

Im Übrigen sind Völkerwanderungen aus wirtschaftlichen oder kriegerischen Gründen immer epochale geopolitische Naturereignisse. Die bestenfalls in Prisen für wenige Jahre zu beeinflussen sind. Um die Schönheit und Kultur unseres Landes zu behalten ist jedoch eine zukunftsgerichtete Raum- und Verkehrsplanung zwingend, und zwar schnell!

Dieses Thema ist aber weit schwieriger den Schweizern bekannt zu machen…

Konversation

  1. Wenn die, die den Job tun sollten, ihn nicht tun, tun ihn wahrscheinlich die, die ihn nicht tun sollten.

    Was kümmert es mich, ob diese Initiative von der SVP kam? Was kümmert es mich, ob die Rechtsradikalen Europas Beifall klatschen?

    Nicht der Akademiker, nicht der Ingenieur und auch nicht der Arzt sind die «Elite». Die «Elite» in diesem Land ist ein zu tiefst korruptes Konglomerat aus allen politischen Lagern, das nur einen Zweck hat: Die Erhaltung des eigenen Wohlstandes ohne jeden Gemeinsinn.

    Obszön inzestuös, verlogen und selbstgerecht, sich selbst abschottend und manipulativ, ausschliesslich der eigenen Kaste verpflichtet und rücksichtslos dem Gemeinwohl gegenüber.

    Und genau diese Schicht predigt uns: Stellt euch der Konkurrenz, seit besser als die anderen, denn nur wenn ihr besser als die anderen seit, könnt ihr unseren Wohlstand erhalten.

    Und wir glauben es und rennen.

    Wenn ich meine Rechte benutze, dann kann man es Obstruktion nennen, oder zivilen Ungehorsam. Sei es drum: «Die» verstehen nur diese Sprache und nur wenn sie Angst haben, geben sie nach.

    Übrigens: Es käme mir nie in den Sinn, jemandem den Mund zu verbieten. Und: In meinem idealen Staat kann jeder, der Steuern zahlt, die Geschicke des Staates mitbestimmen.

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  2. Lieber Herr Raaflaub

    Nun, Sie bezeichnen mich als „Kosmopolit“, der im „Exil“ lebt. Damit ist für Sie wohl erledigt, was dieser „Exilant“ als Diskussionsbeitrag schreibt. Was mich aber nicht hindert, trotzdem mitzudiskutieren, wenn es um Schweizerisches geht. Auch, weil ich mehr als 35 Arbeitsjahre für „Schweizerisches“ in der Schweiz gearbeitet habe und Bürger dieses Landes bin.
    Und:
    400’000 Bürgerinnen und Bürger der Schweiz leben und arbeiten in Mitgliedsländern der EU. Angesichts der Zahl von knapp über 6 Millionen „echten“ Schweizerinnen und Schweizern, welche in der Schweiz leben, ist das meiner Ansicht nach eine bemerkenswerte Anzahl. Sie spielte aber in der Auseinandersetzung um die SVP-Initiative „gegen Masseneinwanderung“ keine Rolle. Genau so wenig wie die über 277’000 (3. Quartal 2013) Grenzgänger. Und so wenig wie die gesamte Problematik der sich rasch wandelnden „Arbeitswelt“ insgesamt, welche mit Landesgrenzen immer weniger am Hut hat.

    Stattdessen stellen Sie fest, die Geschichte laufe in die falsche Richtung.
    Sie sagen allerdings nicht, wie für Sie die „richtige Richtung“ aussehen sollte.
    Dafür stellen Sie fest:
    „Mein «Ja» ist ein Misstrauensvotum gegenüber unseren Eliten.“

    Cornelius Bockemühl beschreibt einen Aspekt dieses „Elitären“, der offensichtlich ist, den Sie aber zurückweisen, indem Sie sich als (notwendigen) Boten der Misstrauischen erklären.

    Bemerkenswert finde ich, wie wenig der durchaus feststellbare Wandel der Arbeitswelt in den Migrationsdebatten überall, wo diese stattfinden, bedacht wird.
    Die Dominanz der Schwerindustrie, der Maschinenindustrie, der Autoindustrie usw. ist in der europäischen Wirtschaft seit einiger Zeit in Frage gestellt. Gleichzeitig kann man wahrnehmen, wie Infrastruktur-, Kommunikations- und Bildungssegmente immer weitere Bereiche der Arbeitswelt beeinflussen. Das hat Auswirkungen auf Arbeitsweisen: Im Gegensatz zur Industrialisierungsepoche spielt der Ort, wo eine Arbeit geleistet wird, eine immer weniger bestimmende Rolle. Dasselbe gilt für die Kapitalbildung, welche notwendig ist, um ein Produkt zu entwickeln und danach herzustellen. Im allgemeinen spricht man diesbezüglich sehr ungenau von „Globalisierung“. Diese Globalisierung findet aber nicht nur im Bereich der Kapitalbesorgung statt, sondern erst einmal vor allem dort, wo Ideen entwickelt, wo Forschung betrieben wird. Ideen und Forschung beruhen nicht auf Staatsgrenzen, sondern auf Innovationen zwischen Bildung, Ausbildung, Finanzierungsmöglichkeiten und der Fähigkeit, daraus Projekte zu entwickeln.
    Dafür braucht es Menschen. Viele Menschen. Weil die Arbeitswelt durch ihren Wandel auch komplexer geworden ist, spielt eine gewisse Flexibilität für die Menschen, welche sich in ihr bewegen, eine Rolle.

    Das ist natürlich mit Problemen behaftet.

    Das sozial-politische Hauptproblem könnte darin bestehen, dass es gleichzeitig viele ungleich zu gewichtende Probleme gibt. Noch eine Stufe höher in dieser Gemengenlage: Die Probleme existieren. Sie werden aber sowohl sozial als auch individuell keineswegs gleich gewichtet.

    Ein Beispiel:
    A, an der ETH und in den USA ausgebildeter Schweizer, arbeitet in Basel in der Pharmaforschung. Zusammen mit seiner Familie wohnt er in einem Einfamilienhaus in Magden. Er schätzt die Projektarbeit mit B., der aus Deutschland stammt, seit kurzer Zeit nahe beim Voltaplatz wohnt und mit ihm ein enges Arbeitsverhältnis pflegt. A braucht für seinen Weg zur Arbeit täglich 2 Stunden, B., der Ausländer, braucht dafür kaum 10 Gehminuten. B lebt alleine, A muss seine Familie „unterhalten“.
    A fühlt sich an seinen Arbeitstagen auf seinem Weg zur Arbeit ständig unter einem Dichtestress: Entweder Stau, wenn er mit seinem Auto fährt, oder gutgefüllte Busse, S-Bahnen und Trams. B. kennt diesen Dichtestress nicht. Auch deshalb nicht, weil er sich die Miete für seine neue, bequeme Wohnung leisten kann, während A. mit etwa demselben Lohn auf seine Ausgaben bezüglich Wohnen und so weiter achten muss.

    Ein Alltagsproblem. Lässt es sich mit dem Hinweis auf „Eliten“ lösen, indem man diesen Eliten das Stoppsignal setzt ? Indem man sagt: B. ist zwar da. Vielleicht geht B. eins Tages zurück nach Deutschland. Dann braucht es vielleicht C. Aber C. untersteht dannzumal einer Kontingentierung. Keine, welche sich durch die Projektarbeit ergeben würde, sondern eine staatliche.
    A. bemerkt, vielleicht bestürzt, dass er, will er seine Arbeit behalten, nicht mehr in Basel arbeiten kann, sondern zum Beispiel in Heidelberg oder in Strasbourg. Weil seine Pharmaforschungsfirma mehrere C.‘ braucht, um existieren zu können. Wegen der Kontingentierung weicht sie ins „gebildete“ Ausland aus. Nicht mit ihrem Holdingsitz. Aber mit ihren Projekteinrichtungen.

    Die SVP-Initiative hat vorgegeben, dass Probleme jeglicher Art damit gelöst werden, dass man die Zuwanderung in die Schweiz kontingentiert.

    Sie, Herr Raaflaub, geben vor, dass „man“ mit Hilfe der Ja-Stimme der Elite klar gemacht hat, „Teil dieses Staates“ zu sein.
    Die Frage an Sie: Wie soll denn dieser Staat sein, damit sie sich als Teil davon erkennen?

    Mit „wieder, wieder, wieder“ lösen Sie allenfalls bis zu einem gewissen Grad ein wenig ihre Wut auf Eliten.
    Das ist natürlich nicht nichts.
    Für Sie.

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  3. Es wundert mich nicht, dass sie für die SVP-Initiative gestimmt haben, wenn Sie die Schweiz als schlingerndes Schiff sehen und dafür die Ausländer, die Migration, verantwortlich machen. Ihr Negativbeispiel vom deutschen Plattenleger, der als Kurier arbeitet zeigt, dass Sie nicht wirklich an den Hintergründen und Machenschaften der SVP und ihres Vordenkers CB interessiert sind, so wie dies Cornelis Bockemühl hervorragend, intelligent und differenziert aufzeigt in seinem Kommentar.

    Nach der Abstimmung haben die Rechtspopulisten aus ganz Europa der SVP gratuliert. Ob dies wohl in Ihrem Sinne ist und im Sinne der übrigen 50,3% Wählerinnen und Wähler, die ein JA in die Urne gelegt haben?

    Blocher, der hoch über dem Rhein wie ein König und Feudalherr in seinem eigenen Schloss haust, ist doch in Wirklichkeit gar nicht am Wohle des Volkes interessiert. Vielleicht ist der Schlossherr insgeheim ein Möchtegern-Abkömmling des Königreichs Württemberg, von dort, wo seine Vorfahren herstammen und vor nicht allzu langer Zeit in die Schweiz eingewandert sind…

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  4. Und dennoch haben Sie genau mit Ihrer Stimme all die von Ihnen beklagten Missstände weiter zementiert: Sie sind doch nicht die Folge der offenen Grenzen, sondern der Klüngelwirtschaft unserer „Eliten“ in Politik und Wirtschaft! Oder anders gesagt: Über Ihren „Denkzettel“ werden sie sich freuen! Nur ER ist aber so konsequent, dass er diese Agenda immer und immer nur vor Augen hat; andere werden manchmal noch von schwachen humanen Zuckungen befallen, die aber nicht wirklich etwas bewirken, weil Konsequenz und Herzblut fehlen.

    Denn was will ER denn mit der Schleifung der bilateralen Verträge erreichen, die durch die Aufkündigung der PFZ erreicht wird? (Dass sehr viel weniger Ausländer kommen ist ja wohl kaum zu erwarten!) Letztlich geht es ihm doch um die noch immer weitergehende Re-Feudalisierung der Schweiz!

    Denn wenn er sagt: „Wir“ wollen die Zuwanderung selber steuern dann meint er doch: Er und seine Topmanager- und Politiker-Spezis wollen diese Steuerung nach ihren eigenen Kriterien kontrollieren. Zu ihren eigenen Gunsten. Und wenn einer nicht mehr gebraucht wird: Raus mit ihm! Den deutschen Bodenleger als Fahrer werden „sie“ folglich weiterhin „brauchen“ – weil er billiger ist! Man muss doch nur den Lohn tief genug ansetzen um sicherzustellen dass man keinen Schweizer für den Job findet…

    Kurz: SEIN Traumbild der Schweiz ist eine Insel von sehr Wohlhabenden (ihm selber und seinen Spezis), umschmeichelt von einem Volk, das völlig unter der Kontrolle dieser Gruppe ist, aber darauf auch noch stolz – mit einem Schweizerpass als Ehrenzeichen! Diese „Schweizer“ werden dadurch diszipliniert dass es ihnen immernoch ein klein wenig besser geht als den völlig rechtlosen Ausländern, die man überall nach Bedarf herholt – und wieder wegwirft: die Europäische Menschenrechtskonvention gehört ja in den Augen dieser Leute auch schon längst abgeschafft!

    Und das Tolle dabei: ER kann sogar den „Protest“ gegen diese Entwicklung als Wasser auf seine Mühlen umleiten! Beispielsweise alle Ihre „wieder und wieder“… Sämtliche Ängste werden da immer wieder gezielt angesprochen, um so Stimmen für Anliegen zu finden, die mit den Ängsten meist herzlich wenig zu tun haben – aber wen kümmert das schon? Hauptsache die Stimmen kommen! Und es hat tatsächlich wieder voll geklappt!

    Für diese Raffinesse muss man IHN manchmal schon fast bewundern – wenn das Ganze nicht so unglaublich zynisch wäre! Und ich muss ehrlich sagen, dass ich ihm einen solchen neuerlichen Dreh an der Feudalisierungs-Schraube eigentlich nicht mehr wirklich zugetraut hätte, in seinem doch langsam schon etwas vorgerückten Alter… Wie man sich täuschen kann!

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  5. Ich kann Sie sehr gut verstehen Herr Raaflaub, auch mir gingen solche Gedanken durch den Kopf. Das Schlimmste für mich war, dass man keiner Seite mehr vertrauen kann. Aus rein ethischen Gründen habe ich dann schliesslich doch nein gestimmt.

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  6. Was tut der Kapitän, wenn sein Dampfer leckschlägt und vollzulaufen droht? Er schottet den beschädigten Bereich ab.

    Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einer SVP-Initiative zugestimmt.

    Aber nicht weil ich die Herren so sympathisch finde, sondern weil mir letztes Jahr klar wurde, dass diese Geschichte in die falsche Richtung läuft: Wenn Zürcher Hauslieferdienste deutsche Bodenleger als Fahrer anstellen, dann hat das nichts mit «Qualifikation» zu tun und nichts mehr mit dem ausgetrockneten Arbeitsmarkt für hochqualifizierte Spezialisten. Es geht einfach nur noch um Geld.

    Mein «Ja» ist ein Misstrauensvotum gegenüber unseren Eliten.

    Die «Linke», die zur Hauptsache aus gutsituierten Staatsangestellten besteht. Die «wirtschaftsliberale» Mitte, die heute soweit verkommen ist, dass sie glaubt ein Jurastudium reiche, um ein Spital zu führen. Und unsere Repräsentanten im Staat, die es nicht mehr Korruption nennen, sondern «Sitzungsgeld» und beleidigt sind, wenn man es ihnen wegnimmt.

    Und alle zusammen predigen uns, dieser Staat sei ein Erfolgsmodell, weil sie selbst in Geld schwimmen und sich die Privilegien aussuchen können.

    Ich werde es wieder tun. Und wieder. Und wieder. So lange bis die «Elite» begriffen hat, dass ich nicht nur dazu da bin, ihren Staat mitzutragen, sondern dass ich ein Teil dieses Staates bin.

    Es wird mich nicht beeindrucken, wenn die eine oder andere SVP-Sau durchs Dorf getrieben wird. Es wird mich beeindrucken, wenn die Elite wieder mal Respekt vor uns zeigt.

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