Der Eurovision Song Contest 2012 kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Gibt es einerseits eher nichtige Streitereien um Songtitel wie „Facebook, uh, oh, oh“, geht es auf der politischen Bühne um ernste Vorwürfe gegen die autoritäre aserbaidschanische Führung.
Die Deutsche Bundesregierung kritisierte am Donnerstag Folterungen in der Kaukasus-Republik. Die Menschenrechtssituation in dem Land habe sich durch die Entscheidung für den Grand Prix nicht verändert.
Nach Berichten von Menschenrechtlern habe es vergangenes Jahr in Gefängnissen, Polizeianstalten und anderswo mindestens 136 Fälle von Folter gegeben, antwortete das Auswärtige Amt auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Neun Menschen seien an den Folgen gestorben.
Schleichwerbung
Die Probleme des deutschen Grand-Prix-Urgesteins Ralph Siegel mit seinem Titel für San Marino waren dagegen einfach zu lösen und gehören zum traditionellen Vorgeplänkel rund um den Musikwettbewerb.
Diesmal ging es um die Nennung des Sozialen Netzwerks Facebook – immerhin ein milliardenschwerer US-Internetkonzern – im Songtitel. Der Veranstalter, die European Broadcasting Union (EBU), lehnte die ursprüngliche Version „Facebook, uh, oh, oh“ als zu werbig ab.
Doch kein Problem für einen Profi wie Siegel: „Ich habe die Version umgeschrieben“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Das Wort Facebook komme nun gar nicht mehr vor. Am Donnerstgabend sollte die neue Version in San Marino vorgestellt werden.
Siegel findet den Vorwurf, er habe Werbung für Facebook gemacht, lächerlich. Ganz im Gegenteil. „Ich fand das saulustig und wollte es auf fröhliche Weise satirisch behandeln. Ich habe auf Facebook viele nette Bekanntschaften gemacht, aber auch viel Blödsinn gesehen“, sagte er.
Siegel hausierte auch in der Schweiz
Der 66-Jährige hat bisher 18 Songs ins ESC-Rennen geschickt. Sein grösster Triumph gelang ihm vor 30 Jahren: 1982 sang die damals noch weitgehend unbekannte 17-jährige Nicole seine Komposition „Ein bisschen Frieden“ und holte den Titel erstmals nach Deutschland.
In diesem Jahr bot er acht Ländern seine Lieder für den ESC an, darunter auch der Schweiz. „C’était ma vie“, gesungen von Lys Assia, kam in der nationalen Vorausscheidung auf den achten Platz. In San Marino setzte sich Siegel dagegen mit der Sängerin Valentina Monetta „gegen starke Konkurrenz“ durch, wie er sagt.