Russische Firmen verdienten an Aufblähen von Treibhausgasen

Russische Firmen sollen das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zur eigenen Bereicherung missbraucht haben. Laut einem Zeitungsbericht sind massenhaft Treibhausgase produziert worden, um mit ihrem Abbau später im Handel mit Emissionszertifikaten Geld zu verdienen.

Treibhausgase verpufft, um sie später abzubauen: Dank einem Schlupfloch im Kyoto-Protokoll haben russische Firmen hohe Summen mit der Produktion von klimaschädlichen Gasen verdient. (Symbolbild) (Bild: sda)

Russische Firmen sollen das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz zur eigenen Bereicherung missbraucht haben. Laut einem Zeitungsbericht sind massenhaft Treibhausgase produziert worden, um mit ihrem Abbau später im Handel mit Emissionszertifikaten Geld zu verdienen.

Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete am Montag auf ihrer Website über gemeinsame Recherchen mit dem WDR, wonach Firmen in Russland und der Ukraine vielfach jahrelang systematisch an vermeintlichen Klimaschutzmassnahmen verdienten, ohne auch nur ein Gramm Treibhausgas einzusparen.

Die Klimatricksereien wurden demnach durch einen Bericht für das Wissenschaftsmagazin «Nature Climate Change» aufgedeckt.

Das Geschäftsmodell beruht dem Bericht zufolge auf Vorgaben des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz. Danach lassen sich eingesparte Emissionen international handeln, in Form spezieller Zertifikate. Sie können gewinnbringend an andere Firmen verkauft werden, etwa damit diese die Klimaauflagen der EU erfüllen.

Umsätze aufgebläht

Süddeutsche.de nennt das Beispiel des Kunststoffherstellers Halo Polymer im russischen Perm. Im September 2012 berichtete die Firma demnach stolz, im Vorjahr seien die Umsätze um 73 Prozent gewachsen, auch wegen «der Umsetzung von Vorgaben des Kyoto-Protokolls».

Tatsächlich stammen 40 Prozent des Umsatzes nicht aus der Herstellung von Kunststoffen, sondern von den klimaschädlichen Gasen SF6 und HFC 23, die eigentlich Abfallprodukte der Kunststoffherstellung seien. Auf diesem Wege habe Halo Polymer 2011 fast 200 Millionen Dollar verdient.

Auch andere russische Kunststoffwerke hätten im Jahr 2011 die Produktion der klimaschädlichen Gase massiv hochgeschraubt, schreibt süddeutsche.de. Dieser Anstieg lasse sich allerdings nicht darauf zurückführen, dass mehr Kunststoff erzeugt worden sei.

Anlagen ineffizient betrieben

«Wir gehen davon aus, dass die Anlagen bewusst ineffizient betrieben wurden, damit viele Treibhausgase entstehen», sagte Studien-Autor Lambert Schneider vom Stockholm Environment Institute der «Süddeutschen».

Wegen der anschliessenden Einsparung der Emissionen erhielten die Fabriken dem Bericht zufolge Zertifikate, die sich vor allem in der EU mit Gewinn verkaufen liessen – etwa an Kraftwerke in Deutschland, die so ihren Ausstoss klimaschädlicher Gase vermeintlich kompensieren konnten.

«Es ging darum, Profite zu machen, und das auf Kosten des Klimas», kritisierte Schneider. Im Grunde sei «das wie Gelddrucken».

Politik deckt Geschäft

Höchste politische Kreise deckten die schmutzigen Geschäfte offenbar, schrieb sueddeutsche.de. Ein Dekret von Präsident Wladimir Putin betraute demnach die Sberbank, Russlands grösstes Bankinstitut, mit der Vorauswahl und der Abwicklung der Klimaprojekte.

Offiziell habe das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel das letzte Wort gehabt – doch dessen Chef, der Putin-Vertraute German Gref, habe 2007 an die Spitze der halbstaatlichen Sberbank gewechselt. Die Sberbank selbst wollte sich laut der Zeitung nicht zum Fall äussern.

Fehler im Nachfolge-Abkommen vermeiden

Erst 2013 endete das Spiel laut sueddeutsche.de, als Russland aus dem Kyoto-Protokoll ausstieg. Schon vorher habe die EU den Handel mit HFC-23-Zertifikaten unterbunden. Die Ukraine nutze das Schlupfloch im Kyoto-Protokoll aber weiterhin beim Abraum ostukrainischer Kohleminen.

Studienautor Schneider mahnte daher, bei dem neuen internationalen Klimaschutzabkommen, das Ende des Jahres bei der UNO-Klimakonferenz in Paris beschlossen werden soll, müssten solche Tricksereien ausgeschlossen werden. Es sei «extrem wichtig für ein neues Abkommen, dass man diese Fehler nicht wiederholt», sagte der Wissenschaftler.

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