Schluss und danke, 20. August 2012

Eine letzte Nacht in Sizilien, und das Velo ist weg. Ein paar Karten an Leute von unterwegs und eine Nachtreise im Zug nach Basel. Und allen, die Interesse gezeigt haben, herzlichen Dank!

Seltsame Puppen – es sind Heiligenfiguren – grüssen auf dem Domplatz von Messina zum Abschied. (Bild: Urs Buess)

Eine letzte Nacht in Sizilien, und das Velo ist weg. Ein paar Karten an Leute von unterwegs und eine Nachtreise im Zug nach Basel. Und allen, die Interesse gezeigt haben, herzlichen Dank!

So. Das war dann meine letzte Nacht als Wanderer respektive Velofahrer von Durness hoch oben in Schottland nach Messina in Sizilien. Es sollte noch eine weitere im Nachtzug nach Basel folgen, bis dann alles ganz zu Ende sein würde.

Ich habe die Bar von gestern Abend aufgesucht und hätte mich nicht gewundert, wenn das Velo, das mich die letzten paar hundert Kilometer getragen hat, noch an der Wand vis-à-vis gestanden hätte. Aber es war weg. Irgendwer hat es mitgenommen. Zu gern hätte ich doch gesehen, wer es war.


Durness – Messina: eine Reise durch Europa auf einer größeren Karte anzeigen 

Ich vertrieb mir die Zeit mit Kartenschreiben an Leute, die ich unterwegs getroffen hatte und denen ich versprochen hatte, an sie zu denken, wenn ich in Sizilien angelangt sei. An Barry und Colin etwa, die beiden Wanderer in Schottland,  dann an Jacky in King´s Somborne, an die Wirtin in Chinon, an jene in Vermol, die  mir ins Gewissen geredet hatte, dann an den jungen Vater im Rifugio von Savogno und schliesslich an die Bäuerin in Bevagna.

Ich sass später wie benommen im Zug, konnte gar nicht richtig realisieren, was mit mir geschah und sah irgendwann eine Strasse vorbeiziehen, auf der ich vor wenigen Tagen geradelt war.

Zwei, drei Tage brauchte ich zuhause in der WG meines Sohnes schon, um mich daran zu gewöhnen, dass die Reise nun zu Ende sei. Doch der Umzug nach Paris nahm mich bald voll in Anspruch.

In Paris habe ich an langen Winterabenden – am Anfang ist man in einer fremden Stadt ja noch nicht ständig unterwegs – meine Aufzeichnungen in eine gewisse Form gebracht, sie auch gedruckt und ein paar Freunden, vor allem denen, die mich ein Stück begleitet haben, geschickt.

Und nun, zehn Jahre später, habe ich die Möglichkeit gesehen, das Tagebuch der Reise in um zehn Jahre verspäteter Echtzeit zu veröffentlichen. Ich habe viele Reaktionen von Leuten erhalten, die mir auf dem Weg gefolgt sind. Es waren zumeist zustimmende und positive Reaktionen. Das hat mich sehr gefreut und ich möchte allen danken, die mir ein Feedback gegeben haben.

Warum ich diese Reisebeschreibung nicht als Buch veröffentlicht habe, wurde ich öfters gefragt. Na ja, zwei, drei Mal habe ich es versucht, habe sogar mit Verlegern gesprochen, fand sogar Interesse bei ihnen, aber es kam immer etwas dazwischen. Und jetzt zehn Jahre später – da könnte es vielleicht doch zu spät sein.

Auf jeden Fall herzlichen Dank an alle, die da mitgelesen haben, für das Interesse und Dank auch meine Kollegen David Bauer, Pit Sennhauser und Dani Winter, die die Google-Karte quer durch Europa so präpariert und immer wieder aktualisiert haben, dass die Leserinnen und Leser immer wussten, wo ich gerade bin.

Urs Buess

(Basel, 20. August 2002/12)

Konversation

  1. Wäre es ein Buch geworden oder wenn es vielleicht doch einmal eines wird (es ist nie zu spät für ein Buch), dann wäre es für mich eines von diesen Wenigen, bei welchem mir Bange wird, wenn die offenen Seiten unüberbrückbar abnehmen. Ich würde es wohl zwischendurch ruhen lassen, damit es nicht zu Ende gehen kann.
    Nun habe ich aber den Schluss doch gelesen und ich darf sagen: Ein beruhigendes Ende, das mich aus der Geschichte wieder sanft hinausführt.
    Mit grossem Staunen und mit einiger Bewunderung für den Autor als Schreiber und als Wanderer, blicke ich zurück.
    Danke Urs Buess! Das war schön.

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  2. Lieber herr buess.ich bin unendlich betrübt,dass nun dieses dossier beendet ist aber gleichzeitig unendlich dankbar dankbar dafür,da ich es von beginn weg mit wonne,interesse und neugierde gelesen habe.es hat mich begleitet bei der vorbereitung meiner eigenen 5-wöchigen velotour,dann natürlich während der tour und jetzt auch im verarbeiten derselben.viele ihrer gedanken wiederspiegelten die meinen und haben mir geholfen,zum schmunzeln gebracht und hervorragend unterhalten.obschon ich von meinen eigenen erlebnissen überwältigt war,haben mich ihre schilderungen in den bann gezogen.vielen dank für dieses einzigartige dossier wie auch für die hervorragend umgesetzt zeitung die uns viel freude bereitet.dani münster.

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