Schönheit und Elend – die neuen Toptitel der Science-Fiction-Games im Test

Nach langer Zeit haben Science-Fiction-Fans wieder einen guten Grund, ihre Spielkonsolen abzustauben und sich ihrem Lieblingsgenre zu widmen. Gleich zwei Top-Titel buhlen um die Gunst der Fans: «NieR: Automata» und «Mass Effect: Andromeda». Die Review. Nach langer Zeit haben Science-Fiction-Fans wieder einen guten Grund, ihre Spielkonsolen abzustauben und sich ihrem Lieblingsgenre zu widmen. Gleich zwei […]

Zeit, um die schöne Aussicht zu geniessen, bleibt kaum. Mass Effect: Andromeda.

Nach langer Zeit haben Science-Fiction-Fans wieder einen guten Grund, ihre Spielkonsolen abzustauben und sich ihrem Lieblingsgenre zu widmen. Gleich zwei Top-Titel buhlen um die Gunst der Fans: «NieR: Automata» und «Mass Effect: Andromeda». Die Review.

Nach langer Zeit haben Science-Fiction-Fans wieder einen guten Grund, ihre Spielkonsolen abzustauben und sich ihrem Lieblingsgenre zu widmen. Gleich zwei Top-Titel buhlen um die Gunst der Fans: «NieR: Automata» und «Mass Effect: Andromeda».  

«NieR: Automata» – etwas vom Besten

Für Fans japanischer Spiele ist «NieR: Automata» wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig. Die Entwickler von Platinum Games sind allesamt Ikonen der Spielwelt. Sie haben Kult-Spiele wie Bayonetta oder MadWorld veröffentlicht und der Publisher Square Enix steht für die japanische Rollenspielreihe: Final Fantasy. Angesiedelt ist das Spiel in einem ebenfalls von Fans hochverehrten Universum namens «Drakengard».

Wer jetzt nur Bahnhof versteht, sei beruhigt. Das Spiel lässt sich prima ohne jegliche Vorkenntnisse spielen. Man sollte jedoch bereit sein, sich auf komplexes Storytelling einzulassen. Die Geschichte geht ungefähr so:

Fern in der Zukunft, im Jahre 11’945 hat die Menschheit einen Krieg gegen die Maschinen verloren und sich auf den Mond zurückgezogen. Eine Gruppe von Kampf-Androiden führt einen Stellvertreterkrieg gegen die Maschinen. Das weibliche Modell 2B ergründet gemeinsam mit dem männlichen Modell 9S die Hintergründe des Krieges, doch hinter jedem Geheimnis, dass gelüftet wird, steckt ein weitaus grösseres …

«NieR: Automata» ist ein Action-Rollenspiel in einer offenen Welt, der Action-Anteil überwiegt aber deutlich. Die epischen Kämpfe gegen die Maschinenwesen wurden von den Machern absolut spektakulär umgesetzt. Die Kameraeinstellungen wechseln schneller, als man blinzeln kann: Kaum springt man durch seitlich scrollende Industriebauten, findet man sich im Handumdrehen in einer Lagerhalle und bekämpft Roboter aus der Vogelperspektive. Auch die Gegner wechseln stetig – von kleinen Blechkameraden bis zu haushohen Riesenrobotern geht das Angebot.

Untermalt ist das Geschehen von einem fantastischen Soundtrack aus der Feder von Keiichi Okabe. In Japan ist die Begeisterung so gross, dass man in Tokio ein eigenes Konzert organisierte und den Soundtrack auch als CD auf den Markt brachte.

Von der spannenden Story (inklusive mehrerer möglicher Enden) über die tolle Technik bis zur perfekt ausgeklügelten Spielmechanik – «NieR: Automata» gehört zu den besten Actionspielen für die aktuelle Konsolengeneration. Selbst wer bisher keinerlei Erfahrungen mit japanischen Spielen gemacht hat, wird innert Minuten begeistert sein.

«Mass Effect: Andromeda» – na ja

Weitaus weniger exotisch als «NiER: Automata» kommt der neueste Wurf der Kult-Rollenspielschmiede BioWare daher – «Mass Effect: Andromeda». Die ursprüngliche Mass Effect-Trilogie gilt zu Recht als eine der besten Science-Fiction-Rollenspielreihen aller Zeiten. Die gut geschriebene Story in Kombination mit cleverem Action-Gameplay überzeugte Fans rund um die Welt. 

«Mass Effect: Andromeda» markiert nun den Beginn einer neuen Geschichte. Im Jahr 2185 brechen verschiedene Rassen in die Andromeda-Galaxie auf, um dort eine neue Gesellschaft aufzubauen. Jede Rasse entsendet ein riesiges Raumschiff mit 20’000 Mann-Besatzung, welches unter dem Kommando des sogenannten Pathfinders steht. Im Mittelpunkt des Spieles steht die Geschichte der menschlichen Expedition nach über 600 Jahren Reise. 

Nachdem man überraschend Anführerin (oder Anführer) geworden ist, gilt es, fremde Planeten zu erforschen und herauszufinden, was mit den Raumschiffen der anderen Rassen geschehen ist. Bald wird klar, dass die Andromeda-Initiative zum Spielball dunkler Mächte geworden ist …

Nach Abschluss der beliebten und erfolgreichen Original-Trilogie, ein neues Mass Effect-Spiel zu entwickeln, war von Anfang an eine schier unlösbare Aufgabe. Die Erwartungen der Fans und der Geldgeber müssen einen gewaltigen Druck auf die Entwickler ausgeübt haben. Schon die ersten Teaser wurden Bild für Bild analysiert und kritisiert. Das finale Spiel konnte nichts anderes als ein Flop werden, oder doch nicht?

Nicht unbedingt. Aber eines nach dem anderen.

Die Story wird zwar zügig vorangetrieben, sonderlich originell ist sie aber nicht. Die meisten Elemente kennen Fans des Genres bereits aus anderen Spielen, Filmen oder Serien. Auch die Dialoge, für welche die Serie von Fans so heiss geliebt wird, sind stellenweise ziemlich klischeebeladen und simpel.

Ferner sind die Gesichter und Animationen der Protagonisten ziemlich wächsern und roboterhaft. Entsprechend halten sie einem Direktvergleich mit (zugegebenermassen vorprogrammierten und nicht in Echtzeit animierten) Referenzen wie «Uncharted 4» keine Sekunde stand. 

«Mass Effect: Andromeda» ist ein kompletter Gemischtwarenladen, aber unterhalten lässt es sich damit trotzdem.

Dafür überzeugt die grafische Darstellung der Umgebung und Wesen. Auch die Gefechte sind flüssig und gut steuerbar – weit besser als in allen drei Spielen zuvor. Das stundenlange Planetenscannen, um Ressourcen zu entdecken, hätte man sich hingegen entweder sparen oder es zumindest spielerisch ansprechender gestalten dürfen. 

Insgesamt ist «Mass Effect: Andromeda» also ein kompletter Gemischtwarenladen. Tolle Momente, die den Geist der alten Spiele aufleben lassen, wechseln sich mit enttäuschenden technischen Problemen ab. Es entsteht der Eindruck, als ob die Entwickler ein grossartiges Werk abgeliefert hätten, wenn man ihnen bloss etwas mehr Zeit gegeben hätte. Der Zeit-(und Geld-)druck scheint schlicht zu gross geworden zu sein, als dass eine weitere Verschiebung möglich gewesen wäre.

Immerhin hat Bioware das bereits vor einigen Wochen erschienene Spiel mittlerweile mit einem Update bedacht, der die schlimmsten Probleme etwas reduziert. Es darf also gehofft werden, dass bis in einigen Monaten zumindest die technischen Probleme deutlich minimiert werden. In den Spiele-Olymp heben diese Korrekturen das Spiel deswegen nicht, doch lassen sie es zu einem durchaus unterhaltenden Weltraum-Abenteuer reifen.

Wer (wie ich) den Abenteuergeist der älteren Star Trek-Fernsehserien mag und sich mit «No Man’s Sky» nie anfreunden konnte (obwohl es da nun auch einen McDonald’s gibt vgl. unten), wird mit «Mass Effect: Andromeda» bestimmt viele unterhaltende Stunden verbringen. In der Zwischenzeit arbeiten die Macher von Bioware daran, das Mass Effect-Universum weiter auszudehnen. Es wird glücklicherweise nicht langweilig im Weltraum …

PS: Der McDonald’s von «No Man’s Sky».

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