Schweiz stoppt Kriegsmaterialexporte in Arabische Emirate

Nach Medienberichten über Schweizer Handgranaten in Syrien hat die Schweiz ihre Kriegsmaterialexporte an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) per sofort gestoppt. Der Bund nimmt an, dass die besagten Handgranaten in Syrien aus einer Lieferung an die VAE aus dem Jahr 2003 stammen.

Ein Rekrut trägt Übungshandgranaten (Symbolbild) (Bild: sda)

Nach Medienberichten über Schweizer Handgranaten in Syrien hat die Schweiz ihre Kriegsmaterialexporte an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) per sofort gestoppt. Der Bund nimmt an, dass die besagten Handgranaten in Syrien aus einer Lieferung an die VAE aus dem Jahr 2003 stammen.

Damals habe der Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzern RUAG insgesamt 225’162 Handgranaten an die Armee der VAE geliefert, teilte das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) am Mittwoch mit. Die emirischen Streitkräfte hätten aber eigentlich eine Nichtwiederausfuhr-Erklärung unterzeichnet.

Weil die Beweislage noch ungesichert ist, verfügte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) einen provisorischen Exportstopp. Zudem wurden rund 20 bereits erteilte Bewilligungen, die noch nicht oder nicht vollständig benutzt worden sind, gestoppt. Details dazu wollte das SECO nicht bekannt geben.

Im Jahr 2011 hatten die VAE Schweizer Rüstungsgüter im Wert von insgesamt rund 266 Millionen Franken bestellt. Sie kauften PC-21-Trainingsflugzeuge im Wert von 258,1 Millionen und waren somit der grösste Abnehmer von Schweizer Kriegsmaterial.

Der Hersteller, die Pilatus Flugzeugwerke AG, wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Man warte auf Informationen des SECO, hiess es. Wieviele der Flugzeuge bereits an die VAE geliefert wurden, ist nicht bekannt.

Diplomaten aktiv

Über weitergehende Massnahmen könne erst entschieden werden, wenn der Sachverhalt definitiv abgeklärt sei, schreibt das EVD. Dafür hat das SECO über verschiedene diplomatische Kanäle mit den Behörden der VAE Kontakt aufgenommen. Der Bundesrat nahm von den Abklärungen und Massnahmen Kenntnis.

Die „SonntagsZeitung“ und „Le Matin Dimanche“ hatten am Sonntag berichtet, die Freie Syrische Armee (FSA) setze im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad Schweizer Handgranaten ein. Die Journalisten beriefen sich dabei auf ein Foto, das ihnen von einem Reporter aus Syrien zugespielt worden sei.

Keine Bilder vom Fundort

Für das EVD werfen die Hinweise der Presse jedoch noch Fragen auf: So sei unter anderem unklar, warum es keine Bilder vom Fundort der Handgranate gebe.

Die Medienberichte haben auch die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates (APK) auf den Plan gerufen. Sie hat am Dienstag die Geschäftsprüfungskommission auf den Fall angesetzt. Es müsse geklärt werden, wer dafür verantwortlich sei, dass die Handgranaten nach Syrien gelangten.

Konversation

  1. Die Schweiz ist ein neutrales Land. Exportieren wir Waffen, verlassen wir die Neutralität. Das gilt für jedes Land in das exportiert wird. Wenn wir das machen, sind wir nicht mehr glaubwürdig was die Neutralität betrifft.

    Die Schweiz ist auch ein Land mit christlichem Hintergrund. das ermöglicht uns, ganz andere Kräfte zur Verfügung zu stellen.
    Da haben wir zum Beispiel mal das rote Kreuz, Aerzte ohne Grenzen. Wir können die Gabe weiter entwickeln, zu vermitteln zwischen verfeindeten Nationen.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Na, endlich aufgewacht im Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO)? Und: Wie „blind“ und „taub“ muss man bisher gewesen sein, um die Weiterveräusserung von in die VAE geliefertes Kriegsmaterial nicht „bemerkt“ zu haben?

    Geradezu grotesk ist jedoch die Bemerkung des EVD, bei einer Lieferung von Handgranaten an die Armee der VAE im Jahre 2003, hätten „die emirischen Streitkräfte eine Nichtwiederausfuhr-Erklärung unterzeichnet“. Ist der Glaube an die „Storys“ der Gebrüder Grimm in den Departementen immer noch so „En Vogue“?

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten

Nächster Artikel