Schweizer Buchpreis 2016 für Christian Krachts «Die Toten»

Der Roman «Die Toten» von Christian Kracht erhält den Schweizer Buchpreis 2016. Die mit 30’000 Franken dotierte Auszeichnung wurde ihm am Sonntag im Theater Basel im Rahmen des Festivals BuchBasel überreicht.

Der diesjährige Schweizer Buchpreis geht an Christian Kracht für den Roman «Die Toten» (Verlag Kiepenheuer & Witsch).

(Bild: Ben Koechlin)

Der Roman «Die Toten» von Christian Kracht erhält den Schweizer Buchpreis 2016. Die mit 30’000 Franken dotierte Auszeichnung wurde ihm am Sonntag im Theater Basel im Rahmen des Festivals BuchBasel überreicht.

Um Punkt 12.00 Uhr war es soweit: Christian Kracht wurde zum Träger des Schweizer Buchpreises 2016 erkoren.

Die Jury zeichnet damit einen Autor aus, dessen Ruf weit über die schweizerischen Landesgrenzen hinausreicht und der bei rennomierten Schriftstellergrössen wie Karl Ove Knausgard höchsten Respekt geniesst. Mit seinem fünften Roman sei ihm ein Buch über das Leben und die Kunst und gleichzeitig ein politisches Buch gelungen, sagte Laudator Urs Bugmann in seiner Würdigung des Preisträgers

«Hommage an die Ära des Stummfilms»

In seinem Roman erzählt der 1966 in Saanen BE geborene Autor, wie ein unbekannter Schweizer Filmemacher in den frühen 1930er-Jahren in Japan helfen soll, eine japanisch-deutsche Achse gegen den US-Kulturimperialismus aufzubauen.

Die Sache geht gründlich schief, unter anderem spannt ihm sein japanischer Kontaktmann die Freundin aus. Diese wiederum wird auch nicht glücklich und stürzt später vom berühmten «Hollywood»-Schriftzug zu Tode.

Die Jury würdigte das Buch als eine Hommage an die Ära des Stummfilms. «Filmisch ist auch seine Sprache: mit grossem Gespür für Perspektiven, Details und Kontraste. Krachts Kameraauge fokussiert den vordergründigen Kulturbetrieb wie den Hintergrund des aufziehenden Totalitarismus.» Die Jury erkannte laut Mitteilung darin «eine gelungene Verknüpfung von grossem literarischen Können mit einer hellsichtigen Diagnose unserer Gegenwart».

Zähes Ringen um Entscheidung

Die weiteren Nominierten Charles Lewinsky, Sacha Batthyany, Michelle Steinbeck und Christoph Höhtker erhielten zweite Preise in Höhe von 2500 Franken. Die Jury hatte keine leichte Aufgabe, wie die Vorsitzende Susanna Petrin vor der Bekanntgabe sagte. Es sei «heftig und kontrovers» diskutiert worden. Die Entscheidungs-Sitzung habe vier Stunden gedauert.




Die Nominierten in Erwartung der finalen Entscheidung. (Bild: Ben Koechlin)

Für Petrin liegt die Stärke des literarischen Jahrgangs 2016 in seiner Bandbreite. Gleich zwei Debüts («Und was hat das mit mir zu tun?», «Mein Vater war an Land ein Mann und im Wasser ein Walfisch») hatten es in diesem Jahr auf die Shortlist geschafft. Die arrivierten Autoren rechtfertigten ihre Nomination durch ihre Experimentierfreude und «den Mut, Altbekanntes hinter sich zu lassen», so Petrin.

Charles Lewinsky muss bereits zum zweiten Mal mit dem Ehrenplatz vorliebnehmen, mit «Gerron» war er bereits 2011 für den Schweizer Buchpreis nominiert gewesen.

Krachts schneller Abgang

Und Kracht? Der lächelte nach der Bekanntgabe kurz in die Kameras, betrat die Bühne, um die Blumen und das Siegercouvert in Empfang zu nehmen. Eine Dankesrede blieb der sichtlich erschöpfte Autor dem Publikum schuldig, noch bevor sich das Spalier der Gratulanten aufgestellt hatte, entschlüpfte er der Szenerie und zog sich zurück.  

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